Spagat hoch 10! Home Office mit Kindern: Was mir dabei hilft

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Man sollte ja meinen, ich habe Erfahrung in Sachen Home Office mit Kindern. Ich mache das schon eine ganze Weile. Seit 13 Jahren arbeite ich als freiberufliche Journalistin und Autorin von zuhause aus. Und seit neun Jahren ist da auch immer mal wieder ein Kind dabei, während ich arbeite. Seit zwei Jahren auch immer mal wieder alle 3. Ich habe bei allen drei Kindern in den Elternzeiten gearbeitet. Ich kann auf Knopfdruck in genau der einen Stunde Mittagsschlaf Texte tippen. Ich kann kranke Kinder unterhalten und nebenher Telefoninterviews führen. Aber das war immer alles temporär. Ich wusste, zwei, drei Tage, dann ist das Kind gesund und ich habe wieder meinen Vormittag am PC. Und es war meistens nur ein Kind zurzeit, das mich brauchte. Nun aber, seit einem Monat ist das alles etwas anders. Es sind alle drei Kinder zuhause. Ich kann sie mal nicht eben mit meinem Mann auf den Spielplatz schicken oder sie mit Freunden spielen lassen. Und eins von ihnen musste zumindest in den ersten Wochen vor den Ferien auch noch Hausaufgaben machen. Jeden Tag. Verbunden mit entsprechenden Fragen und Hilfestellungen. Dazwischen wuselten die kleinen Geschwister, die natürlich immer ausgerechnet in diesen Momenten etwas von mir wollen, das aus unerfindlichen Gründen auch nur ich erledigen kann oder sich so furchtbar streiten, dass man einschreiten muss. (ist es nicht erstaunlich, was für ein Gespür fürs richtige Timing Kinder haben?!) Und schwupps bin ich aus der Arbeit gerissen – und selbst, wenn die Unterbrechung nur 5 Minuten dauert, dauert es ewig, bis ich wieder im Arbeitsfluss bin.

Arbeiten im Home Office mit drei Kindern – davon eine Zweijährige – ist mehr als nur ein normaler Spagat. Es ist ein Spagat hoch 10. Mindestens. Ganz ehrlich: Ich bräuchte acht Arme und neun Gehirne wie ein Krake! Aber es hilft ja nichts. Die Arbeit muss erledigt werden. Und auch, wenn ich priorisiere und nur das erledige, was wirklich gemacht werden muss, Arbeitsprojekte ohne dringende Deadline in die  Zukunft schiebe und meine Interviewpartner am Telefon Verständnis für krakeelende Kinder im Hintergrund haben (in diesen Zeiten mehr denn je, denn es geht  ja den meisten auch so) – die Effektivität leidet in diesen Tagen. Zuhause produktiv arbeiten mit kleinen Kindern ist jeden Tag eine neue Herausforderung. Ich schaffe nicht annähernd das, was ich sonst schaffe. Da hilft nur Nachsicht. Mit mir. Mit meinen Kindern, die es ja nicht böse meinen. Je kleiner sie sind, umso schwerer fällt es ihnen zu verstehen, dass es jetzt nicht der richtige Augenblick ist, Mama die neueste Murmelbahn vorzuführen oder von Mama gestillt zu werden.

Zerrissen zwischen Kindern gerecht werden und Arbeit erledigen

Ich fühle mich zerrissen, wenn ich sie abweisen muss, weil ich grad eine wichtige Email beantworten muss und ihr Bauwerk nicht mit dem gebührendem Interesse bewundern kann. Meist, ach Quatsch, immer (!) siegt mein schlechtes Gewissen und ich unterbreche meine Arbeit, schaue mir an, was sie gebaut haben inklusive Nachfragen und muss mich dann wieder völlig neu in meine Arbeit einfuchsen. Und habe ich schon den Haushalt erwähnt, die liegen gebliebenen Dinge, die mich mahnend anschauen und rufen „falte mich zusammen und lege mich in den Kleiderschrank“ oder „staubsauge ich doch bitte endlich mal weg, damit ich nicht durchs Haus getragen werden“. Tja. Wo wir wieder beim Thema Prioritäten setzen wären!

So arbeitet Ihr effektiver im Home Office mit Kindern

Aber alles in allem komme ich noch ganz gut zurecht in meinem Home Office mit Kindern. Irgendwie gelingt der Spagat und ich musste keine Deadline verschieben. Habe jedes Telefonat führen können und jede Mail beantwortet, meist sogar relativ zeitnah. Dafür klopfe ich mir jetzt mal auf die Schulter, was wir alle viel öfter tun sollten. Denn auch, wenn wir denken, wir schaffen nichts: Wir schaffen doch eine ganze Menge! Jeden Tag! Wir alle! Welche Tricks mir dabei helfen, zuhause zu arbeiten – trotz drei Kindern im Hintergrund? Hier kommen meine Tipps fürs Home Office für Euch:

Regelmäßige Zeiten fürs Arbeiten

Jeder hat unterschiedliche Zeiten, zu denen er besonders produktiv ist – und sollte versuchen, jeden Tag regelmäßig zu dieser Zeit zu arbeiten. Bei mir sind es die Stunden am Vormittag. Und glücklicherweise sind das die Stunden, in denen meine Kinder sich am besten (und streitfreiesten) selbst beschäftigen können. Deshalb versuche ich gleich nach dem Frühstück loszulegen. Wenn mein Schulkind für die Schule arbeiten muss, passt diese Zeit auch am besten, da dann bei ihm auch die Konzentration am höchsten ist.

Am besten im Arbeitszimmer arbeiten

Wenn es geht, ist räumliche Trennung von den Kindern am besten. Denn wenn Mama nicht in Sichtweite ist, kommen sie auch nicht so schnell auf die Idee, was von Mama zu wollen. Leider geht es nicht immer. Denn wenn niemand sonst die Kinder beaufsichtigen kann, muss man bei den Kindern sein, jedenfalls, wenn sie kleiner sind. Oder zumindest die Tür aufhaben. Manchmal lassen die räumlichen Verhältnisse das auch nicht zu. Aber wenn es irgendwie geht: Versucht in einem anderen Raum zu arbeiten. Nicht bei den Kindern. Wenn das nicht geht… dann:

Sucht Euch eine ruhige Ecke.

Am besten nicht auf dem Sofa. Auch wenn es verlockend ist. Setzt Euch an einen Tisch, macht die unmittelbare Umgebung so förmlich und arbeitsmäßig wie möglich. Nicht nur, um den Kindern zu signalisieren „hier wird gearbeitet“, auch um Euch soweit es geht nicht abzulenken.

Denkt an die Pausen!

Alle 90 Minuten braucht das Gehirn eine Pause. Und denkt daran, etwas zu essen und zu trinken. Am besten ist, ihr bereitet schon vorher etwas zu essen zu, denn, wenn ihr erst eine Stunde in der Küche steht, ist der Arbeitsfluss dahin.

Ignoriert den Haushalt.

Zumindest während der Arbeitszeit. Wenn Ihr jetzt im Büro sitzen würdet, würdet Ihr ja auch keine Zeit für den Geschirrspüler haben. Eben. Lasst es sein. Jetzt ist Arbeitszeit und nicht Hausarbeitszeit!

Nehmt Euch kleine Arbeitspakete vor.

Strukturiert Eure Arbeit in kleine Einheiten. Und hakt diese Punkte demonstrativ auf Eurer Liste ab. Lieber viele kleine überschaubare Fortschritte, dann habt Ihr am Ende des Tages das Gefühl, etwas geschafft zu haben. Das motiviert für den nächsten Tag.

Haltet Euch nicht mit Unwichtigem auf.

Ohne Prioritäten geht im Home Office mit Kindern gar nichts. Macht zuerst die wichtigsten Dinge, denn man weiß nie, wie lange man ungestört arbeiten kann.

Überlegt, welche Aufgaben ihr in den Abend legen könnt.

Einige Dinge müssen erledigt werden – aber nicht sofort. Überlegt, welche Dinge Euch tagsüber in der knappen Zeit aufhalten und vielleicht abends, wenn die Kinder schlafen, erledigt werden können. Ich kann zum Beispiel abends nicht mehr wirklich produktiv an Texten arbeiten. Aber nutze die Zeit gerne um mein Emailpostfach aufzuräumen, Fotos zu bearbeiten und weniger dringliche Mails zu beantworten.

Habt kein schlechtes Gewissen, die Kinder auch mal vor einen Kinderfilm zu parken.

Es gibt viele schöne Dinge, mit denen sich Kinder je nach Alter eine Weile selbst beschäftigen können. Auch ruhige Dinge wie puzzeln oder malen, wo man nebenher ganz gut arbeiten kann. Aber das klappt nicht immer und nicht die ganze Zeit und je nach Alter mal länger oder kürzer. Besondere Zeiten erlauben auch besondere Maßnahmen. Und da darf man auch mal großzügig sein. Finde ich. Und Kinder ohne schlechtes Gewissen auch mal eine Kinderserie mehr schauen lassen, um sich damit ein bisschen ungestörte Arbeitszeit zu verschaffen. Auch hier gilt: Seid nachsichtig! Ihr seid keine schlechten Eltern, nur weil die Kinder mal eine Stunde statt 30 Minuten vorm Fernseher sitzen! Von einer schlecht gelaunten Mutter hat nämlich auch keiner was! Wann es mit dem Abhängen vorm Computer zu viel wird und was dann hilft, dazu gibt es übrigens hier auf dem Blog der AOK Hessen einige gute Tipps.

Und zu guter Letzt: Gönnt Euch auch Auszeiten.

Gerade in diesen Zeiten, wo ich mir beide Beine ausreiße beim Spagat zwischen Home Office, Kinderbetreuung, Home Schooling und Haushalt, vergesse ich ganz oft eine Sache: mich selbst. Und das ist nicht gut. Denn irgendwann kommt der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt und es geht einfach nicht mehr weiter. Wir Mütter müssen kein schlechtes Gewissen haben, wenn wir auch mal an uns Denken, an unsere Bedürfnisse. Wir müssen es sogar. Denn wer immer nur an andere denkt und nie an sich selbst, der hat irgendwann keine Kraft mehr, sich um andere zu kümmern! Deshalb: Auch wenn es schwer ist, sucht Euch kleine Momente, die nur Euch gehören. Und auch nicht Eurer Arbeit. Das kann der in Ruhe getrunkene Kaffee sein. Die Stunde Lesen vorm Schlafengehen. Yoga nach dem Aufstehen. Die Joggingrunde. Das Blättern in der Lieblingszeitschrift. Drei nützliche Mentaltipps, um stressfrei durch den Tag zu kommen, gibt es auch auf dem Blog der AOK Hessen – wobei mir 1-1-1-Methode am besten gefällt: Damit ich den Ärger nicht in mich hineinfresse, überlege ich, wie bedeutsam der Ärger für mich in 1 Woche oder 1 Monat oder 1 Jahr ist. Und tatsächlich: Die meisten Gründe, sich zu ärgern, sind völlig nichtig. Also: Ärgern lohnt nicht.

Nur, wenn Eure Akkus sich immer wieder aufladen können, habt Ihr genug Energie für den Spagat aus Kinder, Home Office und Haushalt.

Wobei Ihr letzteren in diesen Zeiten auch mal vernachlässigen dürft. Ebenfalls ohne schlechtes Gewissen. Der Tag hat ja nun mal nur 24 Stunden. Und ihr nur 2 Arme und ein Gehirn. Was mir hilft, am Ende des Tages aufzutanken? Das Einschlafritual mit meinen Kindern. Etwas vorlesen. Kuscheln. Darüber zu reden, was am Tag schön war. Denn bei allem Stress, den diese Tage für uns manchmal bedeuten: Jeder Tag hat auch schöne Momente. Und an die sollten wir uns am Ende des Tages erinnern!

Kennt Ihr mein Kochbuch? „Das Familienkochbuch für nicht perfekte Mütter“ – dort findet Ihr viele weitere Rezepte – unkompliziert nachzukochen und zu backen!

Kennt Ihr auch  meine anderen Bücher?

 „Afterwork Familie: Wie du mit wenig Zeit dich und deine Familie glücklich machst.“

Willkommen Geschwisterchen: Entspannte Eltern und glückliche Kinder.“

Und mein Kinderbuch: Der Blaubeerwichtel

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