Rabenmutter? Woher dieser Begriff kommt und wieso Raben keine schlechten Eltern sind

(Werbung, der Artikel entstand in Zusammenarbeit mit der AOK Hessen)

Es gibt ein Wort in unserem Sprachgebrauch, das ich eigentlich so gar nicht mag: Rabenmutter. Oder genauer gesagt: Rabenmutter ist so ein Wort, das ich bisher nicht mochte. Denn seit ich mehr über Raben weiß, sehe ich das Wort „Rabeneltern“ in einem viel positiveren Zusammenhang. Es begegnet einem als Mutter eher selten direkt ins Gesicht gesprochen. Nein, das Wort „Rabenmutter“ fällt eher hinter vorgehaltener Hand, getuschelt mit verdrehten Augen und einem abfälligen Lachen.

„Schon gehört, die lässt ihr Kind jeden Tag bis 16 Uhr im Kindergarten“ – „Was für eine Rabenmutter!“

„Schon gehört, die hat ja nie etwas zu essen für ihre Kinder auf dem Spielplatz dabei“ – „Was für eine Rabenmutter!“

„Ach, da kommt ja die, die sich auf dem Spielplatz lieber mit anderen Müttern unterhält, anstatt mit ihren Kindern Sandkuchen zu backen.“ – „Rabenmutter, die Kinde sind doch erst 4 Jahre alt!“

„Die geht doch tatsächlich nach dem Kindergartenelternabend noch etwas trinken anstatt zuhause ihre Kinder ins Bett zu bringen.“ – „So eine Rabenmutter!“

Diese Liste könnte ich weiterführen… Oft wird der Begriff Rabenmutter gebraucht, wenn eine Mutter früh anfängt zu arbeiten und ihr Kindfrühzeitig in die Betreuung gibt. Oder „abschiebt“, wie es gerne abfällig genannt wird. Oder der Begriff Rabenmutter fällt, weil eine Mutter nicht 100 Prozent der Zeit um ihr Kind schwirrt.

Ihr kennt bestimmt folgende Situation: Ein Kind im Kindergartenalter rennt über den Spielplatz, fällt hin und alle gucken auf die Mutter. Was macht sie? Rennt sie sofort los und hebt das Kind auf und tröstet es, pustet und singt? Oder bleibt sie etwa abwartend sitzen und schaut, wie das Kind reagiert? Sie macht Letzteres und man kann sich gewiss sein: Mindestens eine der anderen Mütter wird das Wort „Rabenmutter“ zischen. Dass das Kind aufsteht und einfach weiterrennt, als sei nichts passiert, wird dabei gepflegt ignoriert. Und dass die Mutter des Kindes sehr wohl zu ihrem Kind gegangen wäre, wenn es sich ernsthaft verletzt und geweint hätte, wird auch ignoriert.

Als Mutter hat man manchmal das Gefühl, als würde alles, was man so tut oder eben nicht tut, mit Argusaugen überwacht. Und man kann sich eigentlich sicher sein: Irgendjemand meckert immer.

Weshalb ich übrigens schon bald nach der Geburt meines ersten Kindes aufgehört habe, mir Gedanken zu machen. Denn, man kann es eh nie allen recht machen, also sollte man es auch gar nicht versuchen. Man kann damit eigentlich nur scheitern. Die Energie ist einfach verschwendete Energie. Und ganz ehrlich: Mit unserer Energie müssen wir Mütter gut haushalten! Wir brauchen sie für wichtigere Sachen. Weshalb ich auch aufgehört habe, mich zu rechtfertigen und auch, mich mit anderen zu vergleichen.

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Wieso Rabenmütter keine schlechten Mütter sind

Während die Rabenmutter-Kritik im „echten“ Leben eher selten direkt kommt, sind Mütter in den sozialen Medien da schon wesentlich ungehemmter und halten sich mit ihrer Kritik und ihrer eigenen Meinung nicht zurück. Und hier gilt erst recht: Bloß nicht rechtfertigen! Denn im Internet bringt das noch viel weniger, führt eher dazu, dass sich noch mehr Kritik über einen ergießt. Nett lächeln, winken und  versuchen, über den Dingen zu stehen, das habe ich mir angewöhnt. Wir haben alle unseren eigenen Weg und alle unsere Gründe. Und wir sollten im Umgang mit anderen nie vergessen: Auch andere Mütter haben ihre Gründe. Ihre ganz eigenen. Wir kennen nie alle Hintergründe.

Den Begriff Rabenmutter mag ich eigentlich nicht, wie gesagt. Aber nun bin ich auf etwas Interessantes gestoßen: Rabeneltern sind nämlich gar nicht Eltern, die ihre Kinder vernachlässigen! Also die echten Raben jetzt, die Vögel meine ich. Der Begriff „sie ist eine Rabenmutter“ soll ja bedeuten, dass jemand herzlos sei, sich nicht genug kümmere. Auf der Webseite der AOK Hessen bin ich nämlich auf einen spannenden Text gestoßen, der erklärt, wie Rabeneltern nämlich wirklich sind – sie sind nämlich ganz anderes als ihr Ruf!

Lange Zeit hatte man nämlich angenommen, dass Raben ihre Jungen ziemlich früh aus dem Nest „werfen“ und sich selbst überlassen. Es stimmt, dass Rabenjunge das Nest früh verlassen. Sie können zu dem Zeitpunkt noch nicht richtig fliegen, sitzen oft aufgeplustert auf dem Boden und wirken verlassen – aber sie werden weder rausgeworfen, noch sich selbst überlassen. Im Gegenteil: Die Rabeneltern kümmern sich weiterhin um ihre Jungen, beschützen sie und sind in ihrer Nähe. Und, was ich ebenfalls bemerkenswert finde: Raben kümmern sich gleichberechtigt um ihre Jungen! Da können wir uns also noch etwas abgucken. Gleichzeitig lernen die Rabenjungen so auch, schnell selbständig zu werden und auf eigene Faust die Umgebung kennenzulernen. Sie haben einen geschützten Freiraum, in dem sie selbst wachsen können – aber immer noch intensiv von den Eltern beschützt werden. Die kleinen Raben testen sich aus, versuchen eigene Lösungen zu finden und alleine klar zu kommen – und die Eltern springen ihnen bei, wenn sie Unterstützung brauchen.

Raben mögen vielleicht ein schlechtes Image haben, aber sie sind sehr intelligente Tiere und Tierforscher heben ihr ausgeprägtes Sozialverhalten hervor, das ungewöhnlich ist für Vögel!
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Rabeneltern verleihen ihren Kindern Flügel

„In diesem Sinne verstanden ermöglichen Rabeneltern ihren Kindern einen geschützten Freiraum für eigene Entdeckungen und Erfahrungen und fördern so deren spätere Eigenständigkeit – Rabeneltern machen also eine ganze Menge richtig!“

Dieses Zitat an dem Text auf der Seite AOK-erleben gefällt mir besonders gut. Denn ich finde, das ist eines der wichtigsten Dinge, die wir als Eltern unseren Kindern mit auf den Weg geben können: Die Fähigkeit, sich eigenständig in der Welt zu behaupten. Es gibt ja diesen Spruch, den ich sehr mag und der an seiner Wahrheit nichts verliert und schon allein deshalb nicht abgedroschen werden kann: „Wenn die Kinder klein sind, gib ihnen Wurzeln, wenn sie groß sind, gib ihnen Flügel.“ Und wer hat Flügel? Vögel. Genau. Raben. Womit wir wieder bei den Rabeneltern sind. Und den Rabenjungen, die ganz gewiss nicht von schlechten Eltern sind!

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2 Kommentare zu “Rabenmutter? Woher dieser Begriff kommt und wieso Raben keine schlechten Eltern sind

  1. Hallo,
    danke für diesen so nötigen Artikel. Ich habe immer mehr das Gefühl, dass man uns Müttern immer mehr abverlangt und man den Kindern so den Raum zur eigenen Entwicklung nimmt.

    Grüße
    Isa

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