Mit gutem Gewissen investieren: Was bedeutet Nachhaltigkeit bei der Geldanlage?

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Nachhaltigkeit ist ein Schlagwort, das zurzeit in aller Munde ist. Wir wollen alle nachhaltiger konsumieren, nachhaltiger essen und haushalten. Ich achte auf regional angebautes Bio-Gemüse, kaufe gebrauchte Kinderkleidung, reiche nicht mehr angesagtes Kinderspielzeug an meine Nichte weiter und greife zu Klopapier aus Altpapier. Wir sind es unseren Kindern schuldig, unser Leben so nachhaltig wie möglich zu gestalten, davon bin ich überzeugt.  Aber seien wir mal ganz ehrlich: In Sachen Nachhaltigkeit verfallen viele in eine Art Aktionismus und schießen bei manchen Dingen übers Ziel hinaus. Dabei ist mittlerweile klar, dass viele vermeintlich nachhaltige Dinge gar nicht so nachhaltig sind, man denke an die Umweltbilanz von Papiertüte und Plastiktüte. Aber ich muss zugeben an eine Sache habe ich bisher nicht gedacht: Ich habe mir bisher keinen Kopf zerbrochen, ob ich mein Geld nachhaltig anlege. In welche Fonds meine Einzahlungen an meiner privaten Rentenversicherung fließen? Ich weiß es gar nicht so genau, muss ich zugeben. Dabei kann man nicht nur bei seinem Konsumverhalten auf Nachhaltigkeit achten, sondern auch bei den eigenen Geldanlagen – und damit eine ganze Menge Einfluss ausüben!

Und so sogar noch mehr in Sachen Nachhaltigkeit bewegen als mit dem Griff zu wieder verwendbaren Abschminkpads (wobei gegen die nix einzuwenden ist, natürlich!). Indem wir unser Geld in Unternehmen investieren, die nachhaltig wirtschaften, die sich ökologisch und sozial einbringen. Aber schließen sich Gewinnmaximierung und Nachhaltigkeit nicht aus? Sind nicht alle Unternehmen und Geldanlagen per se mit dem Ziel verbunden, so viel Gewinn wie möglich einzufahren? Ich habe einmal bei jemandem nachgefragt, der sich damit auskennt. Janne Werning ist Gruppenleiter im Nachhaltigkeitsteam bei Union Investment, dem Marktführer bei nachhaltigen Investmentfonds in Deutschland mit 48 Milliarden Euro verwaltetem Vermögen (Stand: 30.06.2019). Er hat mir erklärt, wie man sein Geld nachhaltig investiert und worauf es dabei wirklich ankommt.

Wenn ich mein Geld nachhaltig investieren möchte, dann bieten sich so genannte „nachhaltige Fonds“ an – aber was genau verbirgt sich eigentlich hinter dem Begriff? Was machen nachhaltige Fonds anders?

Janne Werning: Nachhaltige Fonds berücksichtigen bei der Auswahl der Unternehmen, in die sie investieren, neben den normalen Bewertungskriterien wie der Umsatz- und der Gewinnsituation sowie den Zukunftsperspektiven auch Nachhaltigkeitsaspekte. Diese beziehen sich auf Umwelt, Soziales und die Qualität der Unternehmensführung (Englisch: ESG – Environment, Social, Governance). Genügen sie dabei den von uns für jeden Fonds genau festgelegten Kriterien, können sie in unsere nachhaltigen Fonds aufgenommen werden.

Nachhaltig Geld anlegen wie geht das - Werbung und interview

Sind wir es nicht allein schon unseren Kindern schuldig, nachhaltig zu leben? Und damit auch beim Geldanlegen in nachhaltig wirtschaftende Unternehmen zu investieren?

Was sind denn beispielsweise Bestandteile von solchen Fonds?

Werning: Diese Fonds investieren in Unternehmen, die nachhaltig wirtschaften..

Und was ist so ein nachhaltig wirtschaftendes Unternehmen?

Diese Unternehmen setzen in der Regel Ressourcen effizienter ein, motivieren ihre Mitarbeiterschaft stärker und können ihre eigenen Risiken, z.B. die des Klimawandels, besser einschätzen. Das sind dann übrigens Aspekte, die dazu beitragen, dass ein Unternehmen auf Dauer wirtschaftlich erfolgreich ist.

Wie wird so ein nachhaltiger Fonds zusammengestellt?

Wir haben dafür einen komplexen Investmentprozess mit vielen Regeln festgelegt, an den sich unsere Fondsmanager halten müssen. Dabei sind positive Renditeaussichten eines Titels genauso wichtig wie die Nachhaltigkeitsbewertung.

Mir fällt es schwer, vorzustellen, wie man die Nachhaltigkeit bewertet. Gibt es dafür besondere Kriterien?

Die Auswahl der Wertpapiere für einen nachhaltigen Fonds erfolgt in drei klar definierten Schritten: Auf der ersten Stufe werden die Wertpapiere wie Aktien oder Anleihen einer eingehenden Nachhaltigkeitsanalyse unterzogen. Die Papiere erhalten dann ein UI-NachhaltigkeitsRating. Auf Stufe zwei sind Ausschlussregeln definiert, die dazu führen, dass eine Aktie oder Anleihe nicht in einen Fonds aufgenommen werden darf.

Ich will wissen, was die Firmen machen, in die ich investiere

Welche Ausschlusskriterien gibt es? 

Zu den relevanten Ausschlussfaktoren gehören unter anderem die Einhaltung von Arbeitsstandards, der Verzicht auf Kinderarbeit oder Tierversuche bei Unternehmen. Eine aktuelle Übersicht der Ausschlussregeln gibt es in der Union Investment Broschüre zu nachhaltiger Geldanlage auf Seite 12.

Das heißt, Unternehmen, die zum Beidpiel bestimmte Arbeitsstandards nicht einhalten oder Kinder für sich arbeiten lassen fallen raus. Wir haben also erstens: Nachhaltigkeitsanalyse, zweitens: Überprüfung von Ausschlusskriterien – und was ist der dritte Schritt für die Auswahl der Wertpapiere?

Im letzten Schritt prüft das Fondsmanagement, ob die Anlage nicht nur nachhaltigen, sondern auch wirtschaftlichen Anforderungen genügt und ein Nutzen für den Fonds zu erwarten ist. Nur wenn alle Bewertungen positiv ausfallen, ist eine Investition möglich.

Klingt insofern logisch, da man ja bei allem Achten auf die Nachhaltigkeit trotzdem eine Rendite erhalten möchte. Nun weiß ich aus eigener Erfahrung, dass Unternehmensbroschüren immer gerne alles in schillernden Farben versprechen. Aber  wie wird überprüft, ob die Anlagen auch wirklich nachhaltig sind?

Aktuell arbeiten 12 Nachhaltigkeitsanalysten im ESG-Team. Sie bewerten die Unternehmen danach, ob sie die Regeln einhalten. Die Grundlage sind umfassende Datensammlungen mit Informationen zu den Unternehmen. Um hier ein möglichst genaues Bild zu haben, arbeiten wir mit zahlreichen Anbietern zusammen. Diese Daten von Drittanbietern verknüpfen wir mit unseren eigenen Erkenntnissen auf unserer selbstentwickelten Research-Plattform (SIRIS).

Wie werde ich als Anleger darüber informiert? Ich möchte ja auch wissen, was genau mit meinem Geld passiert.

Anleger bekommen die Informationen rund um nachhaltige Geldanlage in erster Linie von ihrem Bankberater oder über die Internetauftritte der Fondsanbieter. So stehen alle relevanten Informationen zu unseren nachhaltigen Fonds auch auf der Union Investment-Website. Auch die Berichterstattung nimmt zu, und das nicht nur in der einschlägigen Wirtschaftspresse.

Rendite und Nachhaltigkeit: Passt das zusammen?

Ich möchte bei Geldanlagen eine gewisse Rendite erzielen, aber wie passt das mit Nachhaltigkeit zusammen? Schließt sich das nicht aus? Oder bringt eine nachhaltige Geldanlage automatisch weniger Rendite?

Es war in Vergangenheit ein weit verbreitetes Vorurteil, dass sich nachhaltige Investments schlechter als traditionelle Kapitalanlagen im Wert entwickeln. Heute ist Nachhaltigkeit zunehmend ein Erfolgsfaktor für die Geldanlage, denn sie liefert einen zusätzlichen Blick auf mögliche Risiken von Unternehmen und Staaten. Schließlich sollen Anleger von ihrer Geldanlage auch nachhaltig profitieren. Es gibt umfangreiches Datenmaterial und Studien, die zeigen, dass nachhaltiges Investieren ohne Einbußen bei der Rendite funktioniert. Einerseits sind die Unternehmen, die nach ESG-Kriterien agieren, meist zukunftsfähiger und oft Technologieführer. Andererseits dienen die ESG-Kriterien als eine zusätzliche Dimension, Risiken im Fonds zu erkennen und zu managen, und ergänzen so die klassischen Auswahlkriterien.

Risiken erkennen – was bedeutet das konkret?

Die Kriterien können helfen, Risiken zu reduzieren, die sich aus nicht nachhaltigem Wirtschaften ergeben. Dazu gehören vor allem Ereignis-Risiken (z.B. Diesel-Skandal), Klagerisiken (z.B. Monsanto/Glyphosat) und Reputationsrisiken (z.B. Arbeitsstandards bei Zulieferern). So kann Nachhaltigkeit nicht nur eine bessere Wertentwicklung, sondern auch mehr Stabilität in ein Portfolio bringen.

Werden solche Fonds im Zuge der Nachhaltigkeitsdebatte auch stärker nachgefragt?

Das Interesse an nachhaltigen Investments wächst zunehmend. Insbesondere durch zunehmende Regulierung wie den EU-Climate-Action-Plan oder das Pariser Klima-Abkommen von 2015 hat Nachhaltigkeit in der öffentlichen Wahrnehmung nochmal einen ordentlichen Schub bekommen. Wir merken das unter anderem an einem gestiegenen Interesse, sowohl an nachhaltigen Lösungen als auch an Informationen zum Thema. Das freut uns natürlich und bestätigt uns in unserer Arbeit.

Vielen Dank für das informative Inteview, lieber Janne Werning!

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Nachhaltigkeit und Rendite müssen sich nicht ausschließen, das habe ich schon in meinem BWL-Studium gelernt.

Ich finde, das Thema, wie ich mein Geld investiere, wird in der Nachhaltigkeitsdebatte noch viel zu sehr außen vorgelassen. Denn ganz ehrlich: Wir diskutieren ja teilweise über kleine Dinge. Natürlich ist es wichtig, im Kleinen anzufangen und das berühmte Kleinvieh macht auch Mist. Aber manchmal verlieren wir bei der Debatte um selbstgemachte wieder verwendbare Abschminkpads das große Ganze außer Augen. Denn mit unserem Anlegeverhalten können wir mehr steuern, als wir denken! Ich jedenfalls finde es beruhigend, wenn ich weiß, dass meine Geldanlagen nicht nur in kurzfristig denkende Unternehmen investiert sind, die auf den schnellen Gewinn aus sind.

Ich habe ja Betriebswirtschaft studiert und weiß noch aus meinem Studium, dass sich bei der Unternehmensführung langfristiges Denken auszahlt – denn was bringt es, schnell den Gewinn zu maximieren, indem man auf die billigste Produktion setzt, um dann Monate später damit auf die Nase zu fallen, weil durch die sozialen Medien ein Aufschrei inklusive Konsumentenboykotte geht und niemand mehr meine Ware kauft?!

Das will ich auch meinen Kindern mit auf den Weg geben: Wenn wir langfristig denken und nicht nur an den kurzfristigen Effekt, dann werden wir auch langfristig Erfolg haben. Denn echter Erfolg, der ist langfristig, kontinuierlich und nicht nur auf die schnelle Mark (ähem den schnellen Euro…) ausgelegt. Das gilt übrigens auf allen Ebenen, nicht nur aufs Finanzielle bezogen.

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