Gastbeitrag: „Bis einer weint! Kein Tag ohne Geschwisterstreit“

Ich freue mich immer, wenn ich auf diesem Blog auch ein paar andere Stimmen unterbringe – umso mehr Vielfalt, umso besser, finde ich. Denn wir Mütter sind verschieden, unsere Kinder sind verschieden, unsere Familien und natürlich auch unsere Meinungen und Wege, die wir beschreiten. Ich finde Gastbeiträge sind so etwas wie die Würze auf einem Blog, denn sie runden das große ganze Blog-Gericht erst so richtig ab! Und deshalb freue ich mich riesig, dass ich heute wieder einen Gastbeitrag für Euch habe – diesmal hat für mich die liebe Verena von dem Blog Vrenitutkund einen Text über Geschwisterstreit von der Seele gebloggt! Sie ist wie ich Dreifachmutter und ich mag ihre Texte sehr ! Aber lest selbst – hier kommt Verenas Gastbeitrag:

„Jeden Freitag aufs Neue lasse ich mich von meiner Vorfreude aufs Wochenende blenden. Etwas länger schlafen, mal gemütlich frühstücken, mal keinen Termin haben. Ihr könnt euch wahrscheinlich denken, was jetzt kommt … Fast jeden Samstagmorgen ist diese Freude wieder vorbei. Es wird gekämpft, gemotzt, gestritten. Und das oft schon vor halb acht. Ich berichtete kurz bei „Scheiße, es sind Ferien darüber. Ja, es gibt lichte Momente. Die Großen lieben sich und können durchaus wunderschön zusammen spielen. Wenn wir Glück haben für zwei Stunden. Haben wir Pech, sind es zwei Minuten. Manchmal frage ich mich, was wir falsch machen. Denn meistens ist es Letzteres. In einem Moment wird besagter Pokémon-Kampf mit Gekicher ausgefochten. Im nächsten wird aus dem Gekicher ein dramatischer Schrei, gefolgt von vielen Tränen, Beschimpfungen und Gezeter, wer damit angefangen hat. Ich habe ein T-Shirt, worauf zwei Panzer abgebildet sind. Darunter steht der Schriftzug „Bis einer weint“. Diese zwei Panzer – das sind meine beiden großen Jungs.

Um was es geht da?

Na um einen quer steckenden Furz natürlich. Oder darum, dass einer ein „Mentos“ mehr gegessen hat, oder welche Sendung geschaut wird. Oder welche Pokémon-Karte nun am stärksten ist, wer geschummelt hat, wer gepupst, gekleckert, geärgert oder das schönere Stofftier hat. Selbstverständlich schmeckt das auf Nachbars Teller auch besser als das eigene Essen. Und einer hat viel öfter Freunde zu Besuch als der andere. Ist dann jemand da, nervt der Bruder usw. … Wie das eben so ist. Ehrlich. Um mehr geht es nicht. 

Ich denke, hinter allem steckt immer eine gewisse Eifersucht und eine Art, sich zu messen. Und bei uns ist ja genug Potential da: nur Elfeinhalb Monate auseinander, einer ordentlich, strukturiert (man könnte sagen kleinkariert), der andere das pure Chaos. Auch wenn es bei uns als Kleinigkeiten ankommt. Tatsache ist, dass es für die Kinder ja tatsächlich von Belang, ja sogar wichtig ist. Sonst würden sie nicht den besten Freund vom Kindergeburtstag ausladen oder sich einen anderen Bruder wünschen. Klar ist das genauso schnell wieder vergessen, aber in dem Moment meinen sie es wirklich so. Also sollten wir die Probleme ernst nehmen und versuchen, vernünftig mit ihnen zu reden.

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Meine Gastautorin Verena bloggt auf Vrenitutkund.blog.

 Ich gebe zu: Manchmal ist das schwer.

Wenn ein Achtjähriger auf einem Fest einen Balztanz unter Mädchen veranstaltet, der seinesgleichen sucht, dann ist schon verständlich, dass ihm vom Bruder „vorgeworfen“ wird, er sei verliebt. Ja … darum geht es bei uns jetzt auch schon – mit sieben und acht Jahren. Gerne auch per Zettel, dass die Mama es nicht mitbekommt. „Du bist falipt“. So … und jetzt darf ich nicht lachen!? Da stoßen wir das ein oder andere Mal an unsere Grenzen. Aber wir sind stets redlich bemüht ;) Denn wir wollen unseren Kindern immer das Gefühl vermitteln, auch ernst genommen zu werden.

 Wann eingreifen?

Und dann steht da die Frage im Raum, ab wann ich eingreifen soll oder muss. Ab und an bin ich unten und mache in aller Ruhe meine Hausarbeit oder schreibe an meinem Blog. Oben höre ich dann auf einmal Geschrei. Poltern. Nichts. Poltern. Großes Geschrei. Ich warte. Und warte, und niemand kommt gerannt. Also was tue ich? Nichts! Ich tue einfach nichts. Obwohl … ich tue doch irgendwas. Ich höre weg. Oh Gott! Welch Rabenmutter! Und ich gebe zu: ab und an fühle ich mich auch echt schlecht dabei. Aber im Großen und Ganzen möchte ich, dass die Kinder das untereinander regeln und hoffe ganz einfach darauf, dass ich schon merke, wann ich oben gebraucht werde und wann nicht. Denn ja … wenn es mir mal zu laut wird und die Streithähne sind nicht oben, dann schicke ich sie eben auch mal nach oben. Das hält ja kein Mensch aus!

 Aber wo ist die Grenze? Wann kann ich nicht einfach weghören?

Für mich ist das ganz klar die Gewalt. Ja, wenn es zu brutal wird, sprich zwischen die Beine treten, an den Haaren ziehen, Bisswunden … Ja! Solche Dinge tun Kinder. Meine Schwester hat mich mal im Streit so getreten, dass mein Finger geschient werden musste. Und auch bei meinen Kindern artet es eben manchmal aus. Aber wenn es soweit ist, was dann? Denn dulden möchte ich das definitiv nicht.

Lösungsansatz für die Katz

Im Kindergarten habe ich mal folgende Situation mitbekommen: Meine Jungs haben gestritten. Die Erzieherin hat sie getrennt und auf zwei Stühle gesetzt. Dann hat sie erklärt, dass nun alle traurig sind. Der eine, weil er Schmerzen hat, der andere, weil er Ärger bekommen hat und alle anderen, weil die beiden weinen. Das hört sich nach Eiti Deiti an, aber es hat gewirkt. Super sogar. Also habe ich zu Hause alles ganz genauso gemacht. Und ich sag euch was: nix! Sie haben mir nicht mal zugehört. Was ich aber grundsätzlich festgestellt habe ist natürlich, dass alles nur halb so wild ist, wenn ich nicht auch noch explodiere. Ruhig bleiben lautet also die Devise.

 Außerdem sind wir mittlerweile dazu übergegangen, keine Schlüsse mehr zu ziehen, wenn wir nicht wissen, was passiert ist. Denn ganz ehrlich… Woher weiß ich, wer recht hat? Man neigt dazu, demjenigen beizuspringen, der Schmerzen hat. Aber wer sagt mir, was da vorher gelaufen ist? Denn irgendwer wird dann immer unfair behandelt. Wer kennt das nicht? Es gibt die, die offen zur Schau stellen, was sie stört. Aber dann sind da noch die, die mal hier einen kleinen Seitenhieb verpassen, mal dort im Vorbeigehen kurz zwicken und eher selten erwischt werden. Die, die vom harten Burschen zur Dramaqueen werden und die, die einen Tritt auch mal wegstecken. Die, die provozieren, sticheln und picken und die, die dann ausrasten. Alles gleich schlimm.

 Wir trennen die beiden also erst mal und lassen sie erzählen, was genau passiert ist. Und hier ist natürlich der eine nicht wie der andere. Sie reagieren beide ganz unterschiedlich. Der eine muss seinen Frust gleich loswerden. Der andere braucht erst mal Zeit, um überhaupt runterzukommen. Davor geht gar nichts! Denn dann werden auch wir zum Ziel. Die Ruhe zu bewahren – wie oben schon gesagt – ist also das A und O. Und auch hier kann ich wieder sagen: Es gibt Tage, da klappt das 1A. Und es gibt Tage, naja … da geht das so semi-gut ;)

 Woher die Gewalt?

Manchmal bin ich geschockt, wie gewalttätig die beiden Großen beim Streit miteinander umgehen. Ich frage mich, wo die sich eine derartige Verhaltensweise abgucken. Ab und an – das kennt ja hoffentlich jeder – flippt eines unserer Kinder mal so richtig aus. Ich meine, dass man zu klein ist, um an die Türklinke zu kommen, ist halt auch echt fies. Oder eine versteckte Pokémon-Karte führt sicherlich irgendwann auch mal zu einem dritten Weltkrieg. Das is ja auch schon echt schlimm … Und dann kommt immer mal so ein netter Satz von der Seite „von wem er das wohl hat?“. Ja! Von mir. Ich kann eben so richtig schön ausflippen. Ich bleibe viel ruhiger, als ich es mir je zugetraut hätte, aber es gibt eben gute und schlechte Tage. Und alles hat seine Grenzen. Auch ein Redeflash der Jungs ist durchaus nachvollziehbar. Ich kann verstehen, dass sie sich so was abgeschaut haben. Auch wenn sich meine Empörung über den Verlust einer Pokémon-Karte recht in Grenzen hält, so leben wir ihnen manches halt vor.

Jedoch nur selten verprügeln mein Mann und ich uns. Und noch seltener mit Besenstielen als Ninjago-Schwerter. Auch vom „mit der Faust ins Gesicht Schlagen“ oder vom „mit Anlauf gegen den anderen Treten“ sehen wir ab, wenn uns was nicht passt. Den Drang, uns an den Haaren zu ziehen, können wir ebenfalls gerade so unterdrücken. Also woher kommt diese Gewaltbereitschaft? Die leben wir ganz gewiss nicht vor.

 Zuerst dachte ich, es liegt an gewissen Sendungen, die sie schauen dürfen. Allerdings berichten Freunde, deren Kinder kaum fernsehen, von ähnlichen Ausschreitungen an der Spielzeugfront. Definitiv aber stelle ich fest, dass meine Jungs nach einem gewissen Medienkonsum – egal ob Fernsehen, Tablet oder Computer – unausgeglichener sind. Ebenso wirkt sich auf das Streitpotenzial und die Reizbarkeit aus, WAS konsumiert wird. Wir achten also darauf. Insgesamt jedoch geht die Tendenz dahin, dass das bei Jungs eben normal ist.

 Aber ganz ehrlich: Diesen Kommentar „Es sind halt Jungs.“ kann ich nicht mehr hören. Es sind halt Jungs … Was ist das denn bitte für eine Aussage? Deshalb dürfen sie sich die Finger brechen, mit Plastikschwertern blaue Flecken verpassen, sich die Köpfe einschlagen und aufeinander losgehen wie von allen guten Geistern verlassen? Sind halt Jungs. Komisch, dass das zwar unter Geschwistern okay sein soll, niemand möchte aber, dass ein andere Junge sein eigenes Kind so verprügelt!? Also ich jedenfalls nicht. Ich möchte das nicht, es nervt mich und ich finde es schrecklich.

 Ebenso wie körperliche Gewalt gehen für mich verletzende Worte gar nicht. Im Alter von sieben und acht Jahren, sind diese Art von Konfrontationen bei meinen Jungs zum Glück noch die Seltenheit. Aber auch das ist für mich eine Grenze, bei der ich definitiv einschreite.

Wenn’s mal gut läuft, lass es laufen


Wann man bloß nicht eingreifen sollte ist, wenn mal alles super läuft ;) Allein den Kopf ins Zimmer strecken oder eine Frage stellen, reicht oft schon aus, das Spielen zu beenden. Im einen Moment wird der Playmobil Zoo in aller Harmonie aufgebaut. Im nächsten Moment kommt die doofe Mama und stört. Einfach zurücklehnen und die Ruhe genießen. Und dann bloß nix darüber sagen!! Denn ist euch mal aufgefallen, dass genau in dem Moment, in dem man feststellt, dass alle sich gut verstehen, die Stimmung sofort umschlägt? Man ist im siebten Himmel. Ach wie schön. Man verliebt sich glatt nochmal in seine Kinder. Aber wehe du sprichst das aus
„Siehst du, es geht doch!“ oder „Wie schön die zusammen spielen können!“. Schwuppdiwupp … ist es vorbei! Und das ist unabhängig davon, ob sie sich im selben Raum befinden oder ganz weit weg. Verrückt, aber wahr ;) Also merken: den „Nicht-Streit“ weder bei den Kindern noch untereinander ansprechen. Stattdessen einfach durchatmen :)

Übrigens hatten die Großen eine wunderbare Phase in den Sommerferien 2017. Einen so entspannten Sommer hatten wir seit den Kindern noch nie. Also haben wir entschieden, dass das der perfekte Zeitpunkt wäre – jetzt, da nicht mehr so viel gestritten wird – ein drittes Kind zu bekommen. Was dann mit der Harmonie passiert ist, brauch ich wohl nicht zu erzählen ;)

 Ja … und jetzt sind sie zu Dritt. Momentan mischt der ganz Kleine noch nicht mit. Das Thema Eifersucht spielt hier zwar sicherlich schon eine große Rolle. Aber diese wirkt sich aktuell mehr auf die Verhaltensweise allgemein aus. Schwieriges Thema und irgendwann mal einen extra Beitrag füllend ;) Aktuell genieße ich, dass es „nur“ zwei Panzer sind, die sich gegenüberstehen und der Dritte – noch – nur Zuschauer. Ich lehne mich zurück und erinnere mich an die Worte, die eine Betreuerin vor Kurzem zu mir gesagt hat. „Lass sie. Nur mit Streit lernen die Kinder, mit Konflikten umzugehen. Die Brüder üben sozusagen die Fähigkeit Konflikte zu lösen.“ Gut. Man kann aus allem etwas Positives ziehen. Mache ich. Und ich tue das, was ich meistens tue: ich nehme es mit Humor. Zumindest solange alle Zähne noch drin sind, kein Blut fließt und ich tief im Inneren weiß, dass sie sich eigentlich lieben :)“

Danke, liebe Vreni! Tatsächlich kann ich Eurer Erzieherin nur beipflichten, das schreibe ich auch in meinem Buch „Willkommen Geschwisterchen„: Geschwister sind eine Art Bootcamp in Sachen Konfliktlösung! Die Kinder üben so fürs Leben. Das ist nicht immer so wie wir Großen üben würden – aber wenn man nie streiten würde, dann würde man es auch nie üben! Mehr Tipps zum Thema Geschwisterstreit, Eifersucht, usw findet Ihr auch in meinem Buch :-)

…Und wenn Ihr mehr von Verena lesen wollt, dann schaut doch mal bei ihrem Blog Vrenitutkund.blog vorbei oder auf ihrer Facebookseite oder ihrem Instagramprofil. Es lohnt sich!

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Ein Kommentar zu “Gastbeitrag: „Bis einer weint! Kein Tag ohne Geschwisterstreit“

  1. Ein sehr interessanter Artikel. Ich wünsche der Mama viel Kraft und einen kühlen Kopf für kommende Streitereien. Vielleicht wird es ja auch irgendwann besser? Ich wünsche es ihr. Viele Grüße aus Dresden, Nadine

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