Zwischen Wehmut und Erleichterung: Gedanken zur Eingewöhnung

Nun ist es soweit! Auch mein drittes Kind kommt in den Kindergarten! Diese Woche beginnt die Eingewöhnung. Und damit geht nun auch meine dritte und höchstwahrscheinlich auch letzte Elternzeit zu Ende. Eigentlich sollte ich ja beim dritten Kind Eingewöhnungsprofi sein – aber auch diesmal schwanke ich zwischen Erleichterung und Wehmut. Obwohl ich wie auch in den ersten Elternzeiten weitergearbeitet habe, Bücher und diesen Blog geschrieben habe, hatte ich eben doch Elternzeit. Also viel intensive Zeit mit meiner kleinen Maus. Wie werde ich unser gemütliches zweites Frühstück zu zweit vermissen, wenn wir beide, nachdem die Brüder aus dem Haus sind, zusammen am Esstisch sitzen und ich ihr aus der Zeitung vorlese, sie begeistert auf Tierbilder in der Zeitung patscht und mir die Politikseiten in Konfetti zerrupft! Aber gleichzeitig freue ich mich auf die neu gewonnene Freiheit, darauf, morgens alleine in Ruhe meinen zweiten Kaffee zu trinken, darauf, regelmäßige Zeit für meine Arbeit zu haben und nicht immer nur die Stunde Mittagsschlaf. Und darauf, dass ich somit auch abends wieder Feierabend habe und nicht noch am Computer sitzen muss.

Es ist eben auch eine große Erleichterung, wieder meine vier, fünf Stunden am Vormittag zum Arbeiten zu haben. Zeit, in der ich mich voll auf meine Texte konzentrieren kann. Denn, da bin ich ehrlich, eine Stunde mittags reicht nicht für das, was ich zu erledigen habe. Und abends bin ich oft zu müde, um noch konzentrierte gute Arbeit zu leisten, ich bin keine Eule, die abends zu Hochform aufläuft. Die letzten Monate waren wirklich eine Herausforderung, da meine Kleine immer weniger schlief und somit meine Arbeitszeit immer weniger wurde. Die Arbeit jedoch nicht. Als Freiberuflerin kann ich mir zwar vieles einteilen, aber nicht alles und Deadlines sind Deadlines, da kenne ich mit mir selbst kein Erbarmen!

Ich habe in den letzten Wochen gemerkt, dass ich diese regelmäßige Arbeitszeit wieder brauche – auch um nachmittags wieder voll für meine Kinder da zu sein und nicht im Kopf nur bei irgendwelchen To-Do-Listen und unbeantworteten Emails!

Sagen wir es mal so: Es wird auch dem Familienfrieden gut tun. Denn wenn ich nachmittags gestresst bin und abends gestresst beim Insbettbringen, weil ich wie auf Kohlen sitze und unbedingt einen Text zu Ende schreiben muss, dann ist das nicht sehr entspannt. Und dann bin ich nicht so gelassen, wie ich  gerne sein würde…

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Und dann ist es für meine Kleine tatsächlich an der Zeit, ihre eigenen Erfahrungen ohne mich zu machen. Schon vor den Sommerferien wollte sie morgens nicht mit nach Hause kommen und mit ihrem Bruder im Kindergarten bleiben. Morgens, wenn die Brüder außer Haus sind, vermisste sie den Trubel, setzte sich manchmal in den Kinderwagen und wollte los, die Jungs abholen. Sie genießt es, wenn andere Kinder zu Besuch sind und will auf dem Spielplatz nicht nach Hause. Andere Kinder sind das größte, egal, wie alt sie sind. Sie marschiert selbstbewusst auf andere zu, lässt sich nicht unterbuttern und baut mit heller Begeisterung Sandburgen und Legos mit ihren großen Brüdern (dass die sie manchmal aus dem Kinderzimmer werfen, weil sie die Spielregeln nicht einhält, ist eine andere Sache…).

Mit mir alleine langweilt sie sich, egal, was ich ihr biete – irgendwann kommt der Punkt, wo sie mich anschaut und nach ihren Brüdern fragt, zur Tür zeigt und sagt „ab?“ Letztens rüttelte sie an der Kita-Tür wie ein gewisser Ex-Kanzler am Kanzleramtszaun und rief sowas wie „ich will hier rein“. Was soll ich sagen? Man sagt, Kinder zeigen, wenn sie reif für die Fremdbetreuung sind,  und ich würde mal sagen, dieses Mädchen ist es.

Und so sitze ich hier mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Hin – und hergerissen zwischen der Vorfreude auf mehr Zeit für mich und meine Arbeit (die für mich auch mehr als nur ein Brotverdienst ist!) und der Wehmut, dass mein Mädchen groß ist (fast 2!!! Wo ist die Zeit hin???), selbständig und ihre ersten eigenen Schritte in Richtung Abnabelung macht. Sie wird neue Bezugspersonen kennenlernen, sich anderen öffnen. Jemand anders als ich wird sie vormittags trösten, wenn sie sich wehgetan hat, jemand anders wird über ihre Witze lachen und es wird Entwicklungsschritte geben, bei denen nicht ich die erste bin, die sie mitbekommt.

Bei aller Vorfreude: Das macht mich wehmütig, melancholisch, Ihr wisst, was ich meine?! Vor allem, weil es diesmal die letzte Babypause war, die ich gemacht habe, weil ich nicht wie bei den letzten Eingewöhnungen im Hinterkopf hatte „da kommt ja noch eine Babypause, es wiederholt sich ja noch mal alles“.

Aber bei aller Wehmut, es überwiegt die Vorfreude. Auf ein großes Mädchen, das neue Freunde kennenlernt, das an neuen Herausforderungen wächst. Und auf ein entspannteres Ich-Selbst, darauf, dass es wieder Arbeitszeit und Familienzeit gibt und nicht mehr alles irgendwie gemischt ist. Das war auf Dauer nichts Halbes und nichts Ganzes, auch wenn Home Office und Freiberuflichkeit mit Kindern mehr Vorteile als Nachteile hat! Ich freue mich, vormittags wieder nur die Journalistin am Schreibtisch zu sein und nachmittags nur die Mama, die nicht ständig auf ihr Handy schielt, weil sie noch dringend eine Email beantworten muss. Ich freue mich darauf, an den Wochenenden wieder voll da zu sein und nicht halb am Laptop sitzend. Ich freue mich auf neue Projekte, denn in meinem Kopf geistern einige Sachen herum, die ich machen möchte und in der Elternzeit (die ja keine richtige war) vor mir herschob.  Und ich weiß, dass meine Kinder gut aufgehoben sind, vormittags, bei lieben Menschen und Freunden – und das hilft auch mir, mich vormittags ganz auf mich zu konzentrieren.

Gedanken einer Mutter zur Eingewöhnung in den Kindergarten zwischen Wehmut und freude

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