Buchtipp und Interview: Fettnäpfchenführer Bayern

*Buchrezension und Interview*

Wie Ihr wisst, komme ich aus Norddeutschland und zwar so richtig aus dem Norden, nämlich aus Lübeck. Ich mag das Meer, ich mag unsere eher platte Landschaft, die Weite, die Wortkargheit der Norddeutschen, den trockenen Humor und frischen Fisch mit Bratkartoffeln. Bayern? Das ist doch das Bundesland ganz am anderen Ende Deutschlands. Die mit den Bergen, Dirndl und Lederhose. Die mit dem lustigen Dialekt. Ganz ehrlich: Ich mag die bayerische Natur! Ich mag auch ab und zu wirklich gerne die leckere Küche. Yummieh. München ist auch toll. Aber ich gebe zu: Ich weiß eher wenig über Bayern. Abgesehen von so einigen Vorurteilen, die man als Norddeutsche so hat. Umso mehr freue ich mich, dass meine Journalisten- und Bloggerkollegin Nadine Luck (Mamaunddiematschhose) den „Fettnäpfchenführer Bayern – das Maß aller Dinge“ (Partnerlink) geschrieben hat, in dem ich nicht nur eine Menge über das so weit von uns entfernte Bundesland gelernt habe, sondern auch noch oftmals herzhaft lachen musste. Ich freue mich sehr, dass Nadine mir in einem Interview ein bisschen aus ihrer Heimat erzählt – und über ihr neues Buch:

Wie kamst Du auf die Idee zu dem Buch?

Mein Verlag hat schon viele Fettnäpfchenführer für diverse Länder von Japan bis Südafrika im Programm – für eine deutsche Region aber gab es noch keinen. Da ich bereits das Buch „Die Nabel der Welt“ über Babybräuche aus aller Welt für den Verlag geschrieben habe und der Verleger auch wusste, dass ich in Nieder- und Oberbayern gelebt habe und jetzt seit sieben Jahren Wahlfränkin bin, hat er mich gefragt, ob ich das Bayern-Buch übernehmen will. Immerhin weiß ich ja sehr genau, wo der Weißwurstäquator verläuft. In meinem Fettnäpfchenführer geht es darum, dass Jochen aus Wuppertal zur Liebe seines Lebens – ausgerechnet einer Münchnerin – reist und an ihrer Seite den Freistaat kennenlernt. Dass mein Mann wie der Held im Buch ein Zugereister aus Nordrhein-Westfalen ist, tat der Geschichte keinen Abbruch…

Interview mit Nadine Luck zum Fettnäpfchenführer Bayern



Bist Du eigentlich waschechte Bayerin?

Ja, waschecht! Ich komme aus der Kleinstadt Eggenfelden im tiefsten Niederbayern, die irgendwo zwischen Altötting und Passau liegt, eigentlich fern jeder größeren Stadt. Ich bin im Dirndl aufgewachsen, mit Weißwürsten zum Frühstück und einem Bild von CSU-Legende Franz Josef Strauß, das im Wohnzimmer meiner Großeltern hängt.

OK, das geht wirklich als waschecht durch! Wie hast Du für das Buch recherchiert?

Tatsächlich waren mir viele der Fettnäpfe schon klar – immerhin habe ich einen Mann aus Nordrhein-Westfalen, der in manche hineingetappt ist. Ich habe aber auch mit Tourismusverbänden telefoniert, mit meiner altbayerischen Oma gesprochen, bin in ein Spätzlemuseum, nach Herrenchiemsee ins Ludwigschloss und nach München ins Hofbräuhaus gefahren – und so fort. Sprich: Ich hab einige schöne Termine und Treffen eingeplant, um mehr Infos zu sammeln.

Was ist denn das größte Fettnäpfchen, in das ständig getreten wird?

Viele Peinlichkeiten passieren im Wirtshaus. Etwa, wenn Preußen eine „Maaaaaß“ bestellen, sich über das Kreuz wundern, das in den Gasträumen hängt, und denken, dass es überall auf den Speisekarten vegetarische Gerichte geben muss. Und auch, wenn sie überall nur „Fleisch“ lesen, gibt es die denn auch, denn das bayerische Bier ist sogar vegan.

Für uns Norddeutsche sind die Bayern ja tatsächlich … nun, ein besonderes Völkchen. Wie würdest Du denn die Bayern beschreiben?

Auch als besonderes Völkchen. Wir sind selbstbewusst, träumen manchmal davon, ein eigenes Land zu sein und nicht nur ein Bundesland. Wir sind traditionsbewusst, lieben unsere Berge, unsere Schweinsbraten und kultivieren unseren Dialekt. Wir sind aber auch offener als man denkt: Leben und leben lassen, ist unsere Maxime.

Was unterscheidet denn die Bayern vom Rest?
Wir werden immer Deutscher Meister.

Dem kann ich leider nicht widersprechen! Wie würdest Du als Bayerin denn uns Norddeutsche beschreiben?

Ich verstehe euch vor allem dann nicht, wenn ihr versucht, bayerischen Dialekt nachzuahmen. Generell denken wir, ihr seid etwas kühler – wie euer Wetter. Vermutlich ist das ein Vorurteil, und ihr seid herzlicher, als wir denken. Seid ihr das? Außerdem esst ihr bestimmt viel Fisch, seid dünner als wir Schweinsbratenbürger, und größer.

Wir Norddeutschen sind total herzlich, wir reden nur nicht so viel. Und das mit dem Wetter… also Fehmarn hat die meisten Sonnenstunden in Deutschland!  Gibt es etwas Norddeutsches, was für Dich irgendwie exotisch ist? (so wie für uns das Dirndl. Und die Weißwurst. Die Kreuze. Und so)

Ganz ehrlich: Ich fand Männer, die hochdeutsch sprechen, immer auf beste Weise exotisch, und hab ja sogar einen geheiratet. Ansonsten muss es unvorstellbar schön sein, direkt an der Küste zu wohnen und im normalen Alltag zum Meer spazieren zu können. Davon sind wir ganz weit entfernt.

Aber es gibt ja Berge! Und Seen! Hast Du einen heißen Tipp, wie man in Bayern nicht unangenehm auffällt und von den Bayern sofort ins Herz geschlossen wird?

Schwierig 😉. Nein, Quatsch. Am besten ist es sowieso immer und überall, authentisch zu bleiben. Und ganz ehrlich: Norddeutsche Frauen im Dirndl will eher niemand sehen. Menschen, die zu sich stehen, und am besten noch hundelieb sind und einen Dackel bei sich haben – die schließt man in Bayern hingegen sofort ins Herz.

Puh, Glück gehabt, dann muss ich mir kein Dirndl anziehen. Dafür hab ich nicht die richtige Figur :-) Meine Mutter hat einen Dackel, den muss ich mir dann für die nächste Reise wohl mal ausleihen!

Danke für das Interview, liebe Nadine! Ich kann Euch das Buch nur wärmstens empfehlen, egal ob norddeutsch, bayerisch, Berliner oder Pfälzer. Nadine schreibt kurzweilig, humorvoll, es bringt einfach Spaß, den „Fettnäpfchenführer Bayern“ zu lesen. Ihr vorheriges Buch „Die Nabel der Welt“ habe ich übrigens hier auf dem Blog auch schon mal vorgestellt und kann es Euch ebenso wärmstens empfehlen!

Mir gefällt am „Fettnäpfchenführer Bayern“ die Mischung aus erzählter Geschichte und Fakten: Jedes Kapitel beginnt mit einer kleinen Story über Jochen, der sich über bayerische Sonderheiten wundert. Darauf folgt eine Art „Theorieteil“, wo das Ganze näher erklärt wird. Aber so locker und angenehm geschrieben, dass es wirklich Spaß bringt, sich in das bayerische Gemüt einzulesen! Es sind so einige Sachen dabei, die mir auch sofort aufgefallen. Die drollige Art, Uhrzeiten auszudrücken („Dreiviertel elf“), die ich auch aus meinem Studium in Pforzheim kenne und bis heute nicht verstehe. Oder dass die Bayern Kina statt China sagen. Was ich auch aus meiner Studienzeit in Baden-Württemberg kenne und wobei mir ehrlichgesagt immer ein Schauer über den Rücken jagt… Was ich nicht wusste, war dass man in Bayern tatsächlich mitunter „der Butter“ sagt! Natürlich geht es auch um Dinge wie Maß, Hendl oder Kruzifixe.

Richtig klasse fand ich übrigens die beiden letzten Kapitel: 10 Dinge, die man in Bayern unbedingt tun sollte. Und 10 Dinge, mit denen man sich auf jeden Fall blamiert. Also niemals Franken als Bayern bezeichnen! Und tschüss sollte man auch nicht zum Abschied sagen. Und schwupps, bin ich bestimmt 1000 Mal in dieses Fettnäpfchen getreten… Ihr auch?!

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