Hilfe, ich kann nur noch Schnulzen lesen – wie sich Lesegewohnheiten als Mutter ändern

Dass ich seit ich Kinder habe keine Krimis mehr lesen kann, damit habe ich mich arrangiert. Ich hatte ja mal darüber geschrieben, dass ich früher Thriller verschlungen habe, sehr gerne Gerichtsmediziner-Krimis, umso spannender und blutiger, desto besser. Nun, dann wurde ich Mutter und auf einmal war mir alles zu spannend, zu blutig, zu gewalttätig. Selbst den „Tatort“, früher geliebtes Sonntagabend-Ritual, konnte ich irgendwann nicht mehr gucken. Tja, so ändert man sich. Aber seit ich mein drittes Kind habe, ist noch es noch schlimmer geworden mit meiner Empfindlichkeit. Man könnte sagen: Es wird von Kind zu Kind schlimmer! Neuerdings kann ich nur noch Schnulzen lesen. Mit Happy End. Versteht sich. Oder Historienromane. Aber bitte ohne kranke und tote Kinder, bitte ohne Mütter, die von ihren Kindern getrennt werden, auch wenn sie sich am Ende wiederfinden. Meine Nerven!

Letztens wieder, ich las einen tollen Historienroman. „Die Liebe der Baumeisterin“, ein bisschen schnulzig, ein bisschen Architektur und spannend war es auch. Ein gutes Buch. Fand ich, bis ich zu Seite 180 oder war es Seite 200 (?) kam. Da musste nämlich die Protagonistin ihre kleine Tochter (so alt wie meine Kleine jetzt) alleine lassen, um auf eine große Reise zu gehen. Und dann kam sie auch noch ins Gefängnis auf dieser Reise und war jahrelang von ihrer Tochter getrennt. Das war zu viel für mein Mamaherz! Ich blätterte vor und las, dass es ein Happy End gibt und sie am Ende wieder bei ihrer Tochter ist. Aber trotzdem konnte ich das Buch nicht weiterlesen. Zu viel Herzschmerz, zu viel Muttergefühle. Ab ins Regal damit. Da steht das Buch immer noch, das so vielversprechend begonnen hatte.

Ich bin zu zartbesaitet für sowas, seit ich Mutter bin.

Allein die Vorstellung, dass ich auf eine längere Reise gehe (wie in dem Buch ohne Handy, ohne Telefon, ohne irgendwas!), das jagt mir die Tränen in die Augen. Auf ungewisse Zeit ohne meine Kinder?! Das geht gar nicht und ich kann das auch nicht lesen, auch nicht, wenn ich weiß, dass es reine Fiktion ist.

483BCF01-337E-4E5A-848A-49F3CD4F7D6B

Bei Büchern hat sich mein Lesegeschmack komplett geändert. Für anspruchsvolle Literatur, wie ich sie in meiner Jugend und Studentenzeit gelesen habe (um dann bei einem Glas Wein hochtrabend darüber zu philosophieren … egal, wenn man nur die Hälfte verstanden hatte, Hauptsache, man konnte hochtrabende Zitate vor sich hin schwafeln ;-) fehlt mir schlicht die Zeit und die Muße. Ich lese abends vorm Schlafengehen, etwa eine Stunde, bevor mir die Augen zufallen. Da muss es leicht verdaulich und schnell zu lesen sein. Einfache nachvollziehbare Gedanken. Und wie erwähnt:  Bitte nicht blutig, bitte nicht zu traurig, bitte ohne verletzte Kinder oder ähnliches. Ich möchte mich nicht mit den kranken Gehirnen von Psychopathen auseinandersetzen, ich möchte mich nicht mit Serienkillern beschäftigen oder mit einem sonderbaren Kommissaren ein Verbrechen aufklären, bei dem ein Familienvater ums Leben kam. Ich möchte keine Details über Obduktionen lesen oder mit einem Detektiv einem Kindesentführer auflauern. Nein, das verkrafte ich nicht mehr, seit ich Mutter bin, das sind Dinge, die ich weit von mir wissen möchte und schon gar nicht auf dem Nachtisch liegen haben möchte.

Also her mit den Schnulzen! Gebt mir die Liebesromane, in denen am Ende alle glücklich sind.  Liebesromane, bei denen sich am Ende alle finden, der Bösewicht eingeknastet wird und das Liebespaar sich ewige Treue schwört! Gebt mir die rosaroten Sonnenuntergänge!

Gerne Geschichten, die in einer schönen Umgebung spielen und mein Fernweh anheizen. Letztens gelesen „Der Herzschlag der Steine“ (Partnerlink), was auf den Äußeren Hebriden spielt und diese ganz nach oben in meine Reiseziel-Wunschliste gespült hat. Die Geschichte  – nun ja, leicht zu lesen, nett zu lesen, keine Weltliteratur aber genau das Richtige nach einem langen Tag! Auch schön: „Die kleine Bäckerei am Strandweg“. Wunderschöne Landschaften, nette Geschichte, was zum Alltagvergessen. Ganz ohne Familiendrama und traurigen Kindern.

Wenn ich es etwas anspruchsvoller möchte, dann mag ich auch Historienromane und zwar aus den 30er Jahren. Eine spannende Zeit und es gibt einfach toll recherchierte Geschichten. „Die Fliedertochter“ ist so ein Buch, das ich verschlungen habe und sogar tapfer gelesen habe, obwohl auch dort Kinder von ihren Müttern getrennt werden. Aber es war so gut geschrieben und fesselnd, dass ich das in Kauf genommen habe. Anderes Beispiel, bei dem Gegenwart und Vergangenheit ineinander übergehen: Die „Gutshaus“-Bücher, kennt Ihr die?

Habt Ihr noch ein paar Buchtipps für mich? Ohne verlassene Kinder, ohne Blut und Krankheiten, Bücher, die auch mein zartbesaitetes Mamaherz verkraftet? Und: Sagt mal, geht es Euch genauso wie mir?

Willkommen bei der ganznormalenMama! Wollt Ihr  familienfreundliche Reisetipps? Oder kinderleichte Rezepte? Oder Lustiges, Nachdenkliches aus dem Mamaalltag? Dann stöbert im Archiv und folgt mir per Email,  auf Facebook, bei Instagram oder Pinterest – ich freue mich auf Euch!

Kennt Ihr schon meine Bücher?

  Die Kunst, keine perfekte Mutter zu sein: Das Selbsthilfebuch für gerade noch nicht ausgebrannte Mütter 

Willkommen Geschwisterchen: Entspannte Eltern und glückliche Kinder.“

„Afterwork Familie: Wie du mit wenig Zeit dich und deine Familie glücklich machst.“

 

7 Kommentare zu “Hilfe, ich kann nur noch Schnulzen lesen – wie sich Lesegewohnheiten als Mutter ändern

  1. Aktuell habe ich „Ein Baum wächst in Brooklyn“ von betty Smith gelesen. Wunderschön geschrieben, die Geschichte eines kleinen Mädchens im Brooklyn der Jahrhundertwende. Ansonsten hat mir dieses Jahr der „Mädelsabend“ von Anne Gesthusen als Familienroman gut gefallen. Völlig untypisch für mich, habe ich mich allerdings im April in einen heftigen Krimi schockverliebt: „Die Moortochter“ von Karen Dionne. Krasser Plot, eigtlich überhaupt nicht meins aus den selben Gründen wie in Deinem schönen Artikel, aber dieses Buch war SO! spannend und toll geschrieben dass ich es lesen musste. Und irgendwie auch doch nicht so schlimm fand. Die Kraft der Verdrängung oder so… Weiterhin viel Spass beim Lesen und ganz liebe grüße

  2. Oh ja, das Problem kenne ich auch. Ich glaube die ganzen Schwedenkrimis, die ich früher so verschlungen habe, könnte ich inzwischen nicht mehr lesen. Tatort gucke ich mir auch nur noch an, wenn ich sicher sein kann, dass kein Kind zu Schaden kommt oder die Story verspricht nicht zu blutrünstig und psycho zu werden.

    Wenn ich mal zum Lesen komme, dann lese ich aber nach wie vor noch unheimlich gerne die historischen Kriminalromane von Petra Schier und Andrea Schacht. Kann ich dir und anderen Mamas sehr empfehlen.
    Herzliche Grüße
    Christine

  3. Mir geht es genauso. Ich kann diesen Beitrag nur unterschreiben. Als Tipp hätte ich „Das Rosie Projekt“ und „Das Rosie Experiment“. Meine Favoriten aus den letzten Wochen. LG Glitzer

Schreibe eine Antwort zu Christine Antwort abbrechen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.