Wie sich das Prinzip „Weniger ist mehr“ durch die gesamte Elternschaft zieht

Weniger ist mehr. Habt Ihr sicher schon mal gehört. Weniger Deko im Wohnzimmer, weniger Make Up im Gesicht, weniger Schaumfestiger im Haar und weniger Salz in der Suppe. Viel wichtiger aber ist das Prinzip „Weniger ist mehr“ im Familienleben. Es ist sozusagen die Geheimzutat für entspanntes Elternsein. Denn es lässt sich so wunderbar im Alltag einsetzen. Glaubt Ihr nicht? Ist aber so.

Das fängt beim Schimpfen an.

Weniger Schimpfen ist mehr. Mehr Spaß, mehr Lachen, mehr entspannte Nachmittage. Seien wir doch mal ehrlich: Wir schimpfen einfach viel zu viel. Und in den meisten Fällen ist es gar nicht nötig und am Ende ärgern wir uns über uns selbst und liegen abends im Bett neben unseren niedlichen Kindern und fragen uns, wieso um alles in der Welt wir so viel geschimpft haben. Deshalb: Weniger Schimpfen. Auch wenn es manchmal schwerfällt und wir kurz  vorm Explodieren sind. Sagt es wie ein Mantra „weniger Schimpfen ist mehr“.

Es geht weiter beim Spielzeug.

Weniger Spielzeug ist mehr. Denn bei zu viel Spielzeug verlieren die Kinder den Überblick. Sind überfordert und finden einfach nicht ins Spiel, weil immer wieder was Neues lockt. Ich gebe zu: An diesem Punkt muss ich noch ein wenig an mir arbeiten. Und konsequenter Spielzeug aussortieren. Wobei mir meine Kinder da regelmäßig einen Strich durch die Rechnung machen. Wir haben es immerhin so reduziert, dass wir zwar viel Spielzeug haben, aber dafür alles von derselben Kategorie: Viel Lego. Viel Holzeisenbahn. Viele Bücher. Dafür aber kein Playmobil und keine Plastiktiere oder ähnliches.

Weiter geht es beim Einkaufen beim Bäcker.

Weniger Auswahl ist mehr. Lasst Euren Kindern nicht die Wahl! Jedenfalls nicht zwischen 20 Brötchen- und 15 Kuchensorten. Sondern fragt sie „Laugenbrötchen oder Milchhörnchen?“  und gut ist. Die Kinder fühlen sich ernstgenommen, Ihr habt sie mitentscheiden lassen und alle sind zufrieden. Sich angesichts von Kuchenbergen und sieben Berlinersorten zu entscheiden überfordert ja schon uns Große, wieso sollen wir das unseren Kindern aufbürden?

Sowieso: Weniger Entscheidung ist mehr.

Lasst die Kinder entscheiden! Aber eben nicht zwischen ALLEN Optionen, die es gibt. Nicht „welche Eissorte wollt Ihr“ sondern „Wollt Ihr Vanille, Erdbeere oder Stracciatella?“ (oder in der Großstadt „Wollt Ihr Mango-Chili, Limette-Basilikum oder Panacotta-Balsamico?“). Nicht „wollt Ihr Wasserfarben malen, Fingerfarben, mit Bügelperlen basteln, Wachsmaler, Buntstifte, die Filzstifte oder doch lieber mit Kastanien bauen?“ sondern „Tuschkasten oder Buntstifte?“ Nicht „Welches T-Shirt wollt Ihr anziehen?“ sondern „das T-Shirt mit dem Bagger oder lieber den Skater?“ Zu viele Entscheidungen machen einen völlig kirre – und wenn es uns Erwachsenen so geht, wie geht es dann erst unseren Kindern? Lasst sie mitentscheiden, aber eben nicht über die volle Bandbreite. Denn sonst gibt es am Ende nur eines: überforderte Kinder, die zu akuten Quengelanfällen neigen.

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Weniger Regeln sind mehr.

Ohne Regeln geht es nicht. Schon allein im Straßenverkehr. Und aus Respektgründen. Und die Regel, mit vollen Mund spricht man nicht, hat auch ihre ästhetischen Gründe. Ich lege Wert auf gute Manieren, nicht nur bei Tisch. Aber das bedeutet nicht, dass im Leben mit Kindern alles geregelt sein sollte. Nein. Weniger Regeln sind mehr. Denn was nützen die besten Regeln, wenn sie nicht eingehalten werden?! Deshalb: Nur wirklich wichtige Regeln aufstellen. Die werden dann auch ernstgenommen.

Was zum nächsten Punkt überleiten lässt: Weniger „nein“ ist mehr.

Denn wer immer „nein“ schreit, dem hört man irgendwann nicht mehr zu. Ich schreie nur noch „nein“, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Nein, du darfst nicht über die Straße laufen. Nein, du darfst nicht nach dem Zähneputzen naschen. Nein, du darfst deinem Bruder keinen Legozug über die Rübe ziehen.

Weniger Förderkurse sind mehr.

Nämlich mehr Freizeit. Mehr Zeit für die Familie. Mehr Zeit zum Quatsch machen. Mehr Zeit zum Spielen. Denn das ist und bleibt die beste Förderung für Kinder (wieso, steht hier!). Kinder lernen durchs freie Spielen, das, was sie fürs spätere Leben brauchen. Deshalb Schluss mit drei Nachmittagskursen in der Woche. Geht stattdessen auf den Spielplatz oder lasst Eure Kinder Höhlen im Garten bauen. Das bedeutet nämlich auch für Euch: Mehr Zeit für Euch. Zum Spielen mit den Kindern. Zum Kaffeetrinken statt im Auto sitzen und zum Töpfern fahren.

Und das Prinzip „Weniger ist mehr“ geht munter so weiter. Weniger Klamotten sind mehr. Nämlich lieber wenige hochwertige Klamotten, die was aushalten, als viele billige, die nach dreimal Spielplatz auseinanderfallen. Lieber weniger gute Freunde, als viele, auf die man sich aber nicht verlassen kann. Lieber weniger gute Bücher, als viele schlechte, die man eh nie liest.

Aber bei diesen Dingen gilt: Mehr ist mehr

Aber: Es gibt Dinge, von denen braucht man einfach viel. Bei denen ist mehr auch mehr. Und zwar viel viel mehr. Mehr Kuscheln zum Beispiel. Da ist mehr einfach mehr und basta. Mehr gemeinsames Spielen. Ist einfach mehr und nicht weniger. Mehr Reisen ist mehr Reisen und das heißt auch mehr erleben und mehr gemeinsame Zeit. Macht unterm Strich auch einfach nur: mehr. Und sich mehr mit lieben Menschen, schönen Dingen und positiven Nachrichten umgeben macht auch unter dem Strich nur eines: mehr.

Nicht zuletzt gibt es noch eine Sache, die einfach immer mehr wird. Wie ein Hefeteig, der immer weiter quillt. Die Liebe. Die hört nicht auf. Da ist immer noch mehr Platz im Herzen. Die wird einfach immer mehr. Und ja, mehr Liebe ist mehr Liebe und in diesem Fall solltet Ihr das Prinzip „weniger ist mehr“ ganz schnell vergessen.

Aber für vieles andere… kommt man mit „weniger ist mehr“ einfach leichter durchs Leben.

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3 Kommentare zu “Wie sich das Prinzip „Weniger ist mehr“ durch die gesamte Elternschaft zieht

  1. Ganz mein Prinzip. Nur bei den Klamotten nicht. Da halte ich es nach dem Motto: mehr ist weniger – nämlich weniger Stress beim waschen. Meine Große wetzt nämlich hochwertige wie billige Klamotten gleich schnell durch.

    Beim Spielzeug aussortieren lasse ich mir aber keinen Strich durch die Rechnung machen. Das wird aussortiert wenn die Kinder es nicht mitbekommen. Hat meine Mutter damals auch immer gemacht – es wurde NIE was vermisst.

  2. Sehr toll geschrieben! Ab jetzt werde ich versuchen mich daran zu halten und vor allem immer wieder an deine Worte zu denken!
    Mehr kuscheln, weniger schimpfen. Das macht soviel aus.

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