„Mama, was ist Krieg?“

Die schönsten Gespräche mit meinen Kindern entwickeln sich oft abends im Bett. Wenn das Buch durchgelesen ist und ich gerade das Licht ausmachen möchte. Und dann kommen sie, die Fragen über das Leben. Kinder sind ja geborene Philosophen, ihre Gedankengänge überraschen immer wieder – und ihre Fragen sind nicht immer leicht zu beantworten. „Mama, was ist Krieg?“ wollte der Fünfjährige vor dem Schlafengehen wissen. Es ist so eine Frage, bei der man sein kleines Kind am liebsten nur noch festhalten möchte und nie mehr loslassen möchte. Und am liebsten gar nichts antworten möchte, am liebsten einfach nur „das ist etwas, was es vor langer Zeit auf der Erde mal gab, aber heute nicht mehr.“ Nur: Diese Antwort ist leider falsch. Und auch wenn ich meine Kinder vor allem Bösen beschützen möchte, ich kann es nicht. Die Welt ist nun mal so, wie sie ist. Und Kinder haben ein Anrecht auf ehrliche Antworten. Solange sie altersgerecht sind. Denn sie haben auch ein Recht auf heile Welt, zumindest in den ersten Lebensjahren. Mein Siebenjähriger nahm die Antwort vorneweg und ein Glück hatte ihn in der  Schule noch kein anderes Kind „verdorben“ und seine Antwort war kindergartenkindgerecht: „Das ist, wenn Länder Streit haben und sich bekämpfen.“  

„Aber wieso streiten sich Länder?“

„Weil sie sich nicht mögen, jemand etwas doof findet, was man macht oder ein anderes Land etwas hat, dass man selbst gern haben möchte“, sagte mein kluger  Siebenjähriger. Und dann ging es los. Ein Gespräch darüber, wieso man denn nicht miteinander reden kann. So wie im Kindergarten, wenn man da eine Schaufel haben möchte. Schließlich kann man nicht anderen einfach etwas wegnehmen. Und nur weil man sich nicht mag, muss man sich ja nicht gleich die Köpfe einschlagen. Es ging um Regeln, an die sich alle zu halten haben und darum, dass ja die Menschen in den Ländern nichts dafür können, wenn sich die Chefs von den Ländern nicht mögen.

Kinder sind schlauer als wir Erwachsenen.

Er wollte auch wissen, wie lange ein Krieg dauert. Und konnte nicht glauben, dass man länger braucht als einen Tag, um einen Streit zu lösen. Im Kindergarten verträgt man sich doch sogar in einer Stunde schon wieder! Er wollte wissen, was im Krieg passiert. Wie berichtet man kindgerecht über das Kriegsgrauen? Was erzählt man Kindern darüber, zu was Menschen fähig sind? Die grausamen Details müssen Fünfjährige und auch Siebenjährige nicht wissen. Aber von Waffen und Soldaten erzählte ich. Von zerstörten Häusern und auch davon, dass Menschen im Krieg sterben.

Aber ich erzählte auch, dass es bei uns hier in Europa keinen Krieg gibt, dass sie keine Angst haben müssen, dass der letzte Krieg lange zurückliegt und die Menschen hier beschlossen haben, dass so etwas hier nicht noch einmal passieren soll. Meine Kinder sollen keine Angst haben. Sie sollen in Sicherheit aufwachsen. Und mit einem sicheren Gefühl. Und während ich es sagte, hoffte ich mit all der Kraft, mit der man hoffen kann, dass ich Recht habe mit meinen Worten, dass ich ihnen die Wahrheit verspreche.

Meine Kinder kuschelten sich noch wärmer an mich und ich hielt sie fest. Vorm Schlafengehen hatte mein Fünfjähriger dann noch etwas auf dem Herzen: „Du, Mama, wieso ersetzt man nicht alle Waffen auf der Welt durch Wasserpistolen?“

Kinder sind schlauer als wir Erwachsenen.

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Und wusstet Ihr, dass mein neues Buch Die Kunst, keine perfekte Mutter zu sein: Das Selbsthilfebuch für gerade noch nicht ausgebrannte Mütter auf dem Markt ist?  Und natürlich immer noch erhältlich ist mein Ratgeber zum Thema zweites Kind: „Willkommen Geschwisterchen: Entspannte Eltern und glückliche Kinder

2 Kommentare zu “„Mama, was ist Krieg?“

  1. Einen ähnlichen Gedanken hatte ich auch schon oft.. Wenn sich alle Menschen an die im Kindergarten vermittelten Regeln halten würden, wären 95% der Probleme auf der Welt von jetzt auf gleich lösbar..

  2. Solche Gespräche entstehen bei uns auch, beim Zubettgehen, beim gemeinsamen Einschlafen. Es ist, als hätten sie Angst, manche Fragen bei Tageslicht zu stellen.

    Wir hatten neulich das Thema Tod u Sterben. Mit allen Fragen die dazu gehören. Wie fühlt es sich an…. was passiert danach usw. Schreckliches, trauriges, schwieriges u doch so wichtiges Thema.

    Hab manchmal das Gefühl, dass wir oft erst Abends erfahren, was den Kindern auf der Seele brennt o am Herzen liegt.

    Das Einschlafkuscheln ist so wichtig u wertvolle gemeinsame Zeit… zumindest bei uns im oft hektischen Alltag.

    LG Claudi

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