Gedanken zum Geburtstag meines großen Kleinen

Ich habe etwas Muskelkater heute. Und das kommt nicht nur vom Yoga. Sondern auch, weil ich gestern alle paar Meter einen Kreidepfeil auf die Straße gemalt habe. Wir haben nämlich einen Schatz gesucht. Denn mein Mittlerer ist 5 geworden! Oder auch: mein großer Kleiner. Oder mein kleiner Großer. Denn der Vorteil am Sandwichkind-Dasein: Man ist gleichzeitig groß und klein. Und kann sich je nach Situation aussuchen, ob man grad der Große oder der Kleine ist. Geht es ums morgendliche Anziehen ist er gern der Kleine. Geht es ums ins Bett gehen, ist er natürlich der Große, der ganz lange aufbleiben darf. Und nun ist er gestern also fünf geworden. Stolz wie Oskar mit seiner Geburtstagskrone. Tagelang vorher so aufgeregt, dass er kaum schlafen konnte und nur von seinen ganzen Geschenken sprach, auf die er sich freute. Und ich war so hin und hergerissen zwischen „mein Großer“ und „mein Kleiner“. Mal kommt er mir so groß vor, auch im Vergleich zu seiner kleinen Schwester. Und dann fällt mir wieder auf: Er ist ja eigentlich auch noch ein kleines Kind. Das vergessen wir manchmal und setzen die gleichen Maßstäbe an wie bei seinem großen, siebenjährigen Bruder.  

Da werden wir Eltern manchmal ganz schön ungerecht. Wir behandeln sie gleich, die beiden großen Jungs – und verlieren dabei viel zu oft aus den Augen, dass ein Fünfjähriger eben nicht so viel kann wie ein Siebenjähriger. Und halt auch nicht immer so „vernünftig“ agiert. Geht es Euch bei Euren jüngeren Kindern auch so? Dass Ihr Euch immer wieder dabei ertappt, dass Ihr an die jüngeren dieselben Erwartungen stellt wie an die größeren? Schon als wir nur zwei Kinder hatten und er „nur“ der Kleine war, vergaßen wir manchmal, dass er ja 2 Jahre jünger ist als sein großer Bruder. Und nun im Vergleich zu seiner kleinen Schwester kommt er einem gleich noch mal viel größer vor.

Er spielt dieselben Spiele wie der Große. Schnell fand er sein Babyspielzeug langweilig und wollte von Anfang an das, was der Große hatte (genauso ist jetzt übrigens auch seine kleine Schwester). Das Lego ist erst ab sieben Jahre? Das ist ihm total egal. Er setzt sich mit seinem Bruder ran und will mithalten. Und kann es auch meistens. Das Problem ist, wenn es mal nicht klappt. Wenn er an seine Grenzen stößt und merkt: Ich bin zu klein. Nein, er will nicht zu klein sein! Da kommt der Frust über sich selbst, der Frust über die eigenen Grenzen, der Frust darüber, dass der Große etwas besser kann (und es großerbruderlike auch raushängen lässt). Und dann explodiert der sonst eher ruhige kleine Mann. Alles ist doof! Alle sind doof! Er ärgert sich über sich selbst, über den großen Bruder, über alle anderen. Er weiß nicht, wohin mit seiner Wut, weiß nur, dass er etwas genauso können möchte oder haben möchte wie der große Bruder und ab geht die Post.

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Das sind die Momente, in denen mir klar wird: Er ist ja eigentlich noch ein Kleiner, auch wenn er uns so oft vorkommt wie ein Großer.

Was bei uns in diesen Momenten hilft: Diesen kleinen Mann ganz fest in den Arm nehmen. Ihm zeigen, dass ich da bin. Dass es egal ist, ob er tobt und wütend ist, dass ich ihn lieb habe, so wie er ist. Dass er auch mal ganz klein sein darf. Dass er toben darf und sich über sich selbst und die Welt ärgern darf. Und dass ein Fünfjähriger nun mal naturgemäß nicht alles kann, was ein Siebenjähriger kann.

Manchmal dauert es, bis sich der Sturm legt. Denn mein großer Kleiner kann ein echter Wutzwerg sein. War er schon immer. Die Trotzphase viel ausgeprägter als beim Großen, die Frustrationstoleranz viel geringer. Aber dann, wenn der Sturm sich wieder gelegt hat, kann er geduldig spielen und bauen, wie ich es bei kaum einem anderen Kind in seinem Alter beobachtet habe. Er versinkt ins Spiel, baut, denkt sich aus, ist ganz in seiner eigenen Welt. Und nichts deutet mehr darauf hin, dass dieser ruhende Vulkan auch ausbrechen kann.

Nun ist er also fünf Jahre alt. Wird immer selbständiger, immer größer. Doch ab und zu braucht er noch ganz viel Mama. Und das sind die Momente, auf die ich mich besonders freue. Wenn wir einen Moment zusammen haben, ohne die kleine Schwester, ohne den großen Bruder. Wenn er dann losplappert und erzählt. Wenn er vorm Schlafengehen noch mal richtig viel kuscheln will. Wenn er aus heiterem Himmel die Arme um mich schlingt. Unbezahlbar auch: Wenn er im Kindergarten auf mich zuläuft, die Augen strahlen, die Arme weit geöffnet und er sich freut,  mich zu sehen. Aber trotzdem noch unbedingt zeigen muss, was er wieder alles gebaut hat. Dieses Blitzen in den Augen, diese ehrliche Freude: Wann geht uns Erwachsenen das eigentlich flöten?! Dieses ehrliche Freuen, dieses Strahlen  – das können nur Kinder.

Tja. Nun ist er also fünf Jahre alt. Und immer noch mein Kleiner. Und gleichzeitig mein Großer. Und daran wird sich nie was ändern!

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