Vom Babyschmatzen, Schnupfenschnarchen und Schulkindseufzern: Gedanken beim Anblick meiner schlafenden Kinder

Es war mal wieder einer dieser Abende. Die Kinder wollten nicht ins Bett. Der eine hatte seine drolligen zehn Minuten, die leider in 20 Minuten ausarteten und aus wildem Herumgespringe auf dem Bett statt gesitteten Umziehen bestanden. Der andere hatte auf einmal verlernt, wie man sich alleine die Socken auszieht und schlicht keinen Bock aufs Zähneputzen. Das Baby war völlig übermüdet und krabbelte beim Wickeln immer weg, aus Angst, etwas von dem Unsinn zu verpassen, den ihre Brüder zum Besten gaben. Beim Vorlesen war die Geschichte mal wieder viel zu schnell vorbei, auf Klo mussten sie auch noch dreimal und Durst hatten sie auch noch, bevor dann kurz vorm Einschlafen noch so viel aus ihnen heraussprudelte, was sie an ihrem Tag erlebt hatten. Das Einschlafkuscheln zog sich in die Länge und meine Augen wurden schwerer und schwerer und das, obwohl auf dem Schreibtisch noch ein bisschen Arbeit auf mich wartete und sich bei mir leichte Unruhe breit machte. Und dann schliefen sie doch. Ihr Atem ging ruhiger und ruhiger, der eine seufzte zufrieden im Schlaf, das Baby machte leise, wohlige Schmatzgeräusche, der andere drehte sich auf die Seite und schlang schlaftrunken den Arm um mich. Und anstatt aufzuspringen und an meinen Schreibtisch zu hechten, blieb ich noch ein wenig liegen. Hörte dem leisen Schnarchen des verschnupften Kindergartenkindes zu, schnupperte am Babyhaar, versuchte diesen Babyduft abzuspeichern im Langzeitgedächtnis und strich dem Schulkind die verschwuschelten Haare aus dem Gesicht.   Da lagen sie. Meine drei Kinder. Meine. Drei. Kinder. Ich hatte sie alle in meinem Bauch getragen, der von Mal zu Mal größer wurde. Ich habe sie alle auf die  Welt gebracht – was von Mal zu Mal schneller ging. Ist es nicht ein unfassbares Wunder? Wie so kleiner Mensch in einem heranwächst, auf die Welt kommt und man das Gefühl hat „Dieses Kind war schon immer bei uns„? Ist es nicht ein unfassbares Wunder, Kinder beim Aufwachsen zu begleiten? Zu sehen, wie sie schon als Babys kleine Persönlichkeiten sind und einige der „Baby-Macken“ auch als Siebenjährige noch haben? Zu sehen, wie diese kleinen Wesen immer größer werden (viel zu schnell, Hilfe, wo ist die Zeit geblieben?!), immer selbständiger? Diese Geschwindigkeit und Begeisterung, mit der sie neue Dinge lernen, diese Lebendigkeit, dieses Leben, das Kinder in sich tragen und mit der Welt  teilen – ist es nicht unglaublich?!

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Nichts bringt mich besser runter nach einem anstrengenden Tag als meine Kinder beim Schlafen zu betrachten. Der Stress ist wie weggepustet. Ihr ruhiges Atmen beruhigt den Herzschlag. Sofort. Wieso hatte ich noch mal mit ihnen gemeckert? Ach egal. Auf einmal tut es mir leid, vorm Insbettgehen so gedrängelt zu haben. Was sind schon zehn Minuten früher oder später im Bett? Dann lese ich halt noch ein Kapitel mehr, dann schaue ich halt noch fünf Minuten länger bei irgendwelchen wilden „Attackesprüngen“ zu. Wenn ich meinen Kindern beim Schlafengehen zuschaue, werde ich zu der gelassenen Mama, die ich  gerne viel häufiger wäre. Dann tritt alles andere in den Hintergrund. Dann vergesse ich (oder verdränge ich) die Arbeit, die sich auf meinem Schreibtisch stapelt. Kann ich doch auch morgen machen.

Ich bleib einfach noch ein bisschen hier liegen. Im warmen Bett, ein Orchester aus Babyschmatzen, Schnupfenkindschnarchen und Schuldkindatmen in meinen Ohren. Gibt es ein besseres Orchester, gibt es einen besseren Ort als jetzt genau hier zu sein? Nein. Es ist genau dieser Moment, dieses Jetzt, dieses Wohlige-Warme, diese unbeschreibliche Liebe, die einem zeigt, dass es all diesen Stress, all dieses Aus-der-Haut-fahren, dass es all das wert ist.

Es sind diese Momente, in denen ich beschließe, gelassener zu sein. Mich weniger aufzuregen. Denn was sind diese wenigen Kinderjahre im Vergleich zu einem ganzen Leben? Ein Wimpernschlag. Schwupps und schon sind sie groß. Viel zu schade ist die Zeit, viel zu schnell geht sie vorüber, als dass ich sie mit Meckern verbringen möchte. Ich will sie einfach genießen. Irgendwann werde ich es vermissen, diese langen Nachmittage mit den Kindern, das gemeinsame Vorlesen, das Kuscheln, die Streitereien meiner Jungs, das gemeinsame Kakaotrinken, die albernen Pups-Kacka-Witze. Und deshalb will ich all diese Momente in mich einsaugen, einspeichern und eintauchen in die Momente.

Und deshalb bin ich an diesem Abend auch liegengeblieben. Hab diesem Orchester zugehört und bin dabei eingeschlafen. Im kuscheligen Familienbett, bei diesen drei Kindern, inmitten von diesem warmen Glücksgefühl. Für die Arbeit findet sich ihre Zeit. Aber jetzt ist Zeit für die Kinder, Zeit, dafür, einfach überzuquellen vor Liebe und Glück.

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Kolumne aus dem mamaleben - Gedanken beim einschlafen der Kinder. Mutterliebe beim einschlafritual. Text über die Gefühle als Mutter und die achtsamkeit im Umgang mit Baby und kindern

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