„Na, da haben Sie sich gefreut, dass es nach zwei Jungs noch ein Mädchen gab“

Ich habe nicht mitgezählt, wie oft ich diesen Satz gehört habe (von total Fremden!), seit mein Babymädchen auf der Welt ist. „Na, da haben Sie sich sicher gefreut, dass Sie nach zwei Jungs noch ein Mädchen bekamen.“ Oder in der Variation „Nun müssen Sie ja nicht mehr üben, höhö.“ Oder: „Ist das nicht schön, dass Sie nun doch noch ein Mädchen bekommen haben?“ Ja! Natürlich ist es schön. Und ich habe mich unglaublich gefreut. Und ich finde es tatsächlich die beste Geschwisterkombination, die ich mir vorstellen kann: zwei große Brüder und eine kleine Schwester. Ich gebe auch ganz offen zu: Wenn man mich vorher gefragt hätte, was ich mir lieber wünsche, dann hätte ich gesagt „ein Mädchen“. Weil ich es einfach toll finde, nun nicht nur zwei Jungs beim Aufwachsen zu begleiten, sondern auch ein Mädchen. Mit dem ich noch einmal andere Dinge erlebe, mit dem ich später  vielleicht auch ganz andere Dinge besprechen werde. Aber das ändert nichts daran, dass ich diese Frage von total Fremden irgendwie dreist, fast schon unverschämt finde.  

Denn in dieser Frage schwingt unterschwellig mit, dass ich mich über einen Jungen nicht ebenso gefreut hätte. Zwischen den Zeilen steckt das Bild, dass ein dritter Junge „falsch“ gewesen wäre, nicht erwünscht, einer zu viel. In dieser Frage steckt das Bild, dass eine Familie nur komplett ist, wenn es sowohl Jungs als auch Mädchen gibt. Und gerade bei drei Kindern ist da diese unausgesprochene Vermutung, dass ich nur drei Kinder bekommen habe, weil ich unbedingt noch ein Mädchen wollte. Und all diese Gedanken finde ich irgendwie… frech. Ja, fast schon übergriffig.

Diese suggestive Frage von Fremden gestellt fällt in die Kategorie „ungefragte Ratschläge“. Denn ich hätte auch ein drittes Kind bekommen, wenn meine großen Kinder ein Junge und ein Mädchen gewesen wären. Und auch eine Familie, in der es nur Jungs (oder umgekehrt nur Mädchen) gibt, ist eine genauso komplette Familie wie eine, in der jedes Geschlecht vertreten ist. Und: Ich hätte mich genauso übers dritte Kind gefreut, wenn es ein Junge geworden wäre. Denn Jungs sind toll und meine Jungs ganz besonders (ich hoffe, das sagt jede Mutter über ihre Kinder). Genauso glücklich wäre ich mit drei Mädchen. Oder zwei Mädchen und einem Jungen.

Weil es nämlich meine Kinder sind und sie mich unabhängig vom Geschlecht glücklich machen.

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Ich finde, es steht Fremden einfach nicht zu, solche Dinge zu fragen. Selbst, wenn es lustig gemeint ist. Oder einfach nur nett. Oder einfach nur Smalltalk, weil einem sonst nichts besseres einfällt. Ich weiß selbst, dass man oft einfach nur Dinge dahinsagt, ohne größer drüber nachzudenken. Passiert mir auch. Viel zu oft. Aber in diesem Fall ist es so etwas Persönliches, da kann man doch einmal kurz Luft holen, bevor man die Frau im Fahrstuhl oder an der Supermarktkasse so etwas fragt. Und dann etwas anderes Nettes sagen. Wie „die sind ja toll, ihre drei Kinder.“ Oder „die Jungs sind ja lieb zu ihrer Schwester“. Meinetwegen auch „da ist ja ordentlich Trubel im Haus mit drei Kindern“. Was ja auch stimmt. Denn diese Sätze drängen viel weniger ins Privatleben ein, als die Frage, ob man denn nun mit zwei Jungs und einem Mädchen endlich fertig ist mit Kinderbekommen.

Anders ist es übrigens, wenn Bekannte diese Frage stellen. Denn unter Freunden darf man so etwas fragen, finde ich. Und dann antworte ich auch gerne: Ja, ich habe mich sehr gefreut, dass ich nach zwei Jungs nun noch ein Mädchen habe. Denn ich finde es schön, Mutter von Mädchen und von Jungs zu sein. Ich freue mich, dass ich nun kennenlernen darf, ob das Erziehen von Mädchen anders ist als das Erziehen von Jungs. Und ich gestehe: Ich freue mich darüber, dass ich nun Mädchenklamotten kaufen kann. Ja, ich finde es super, auch mal ein hübsches Kleidchen zu kaufen! Und ich quietsche vor Entzücken, wenn mein Babymädchen in ihrem süßen Kleid vor mir steht oder eine rosa Mütze aufhat. Ich kann es kaum erwarten, meinem Mädchen Zöpfchen zu machen. Meine Jungs haben zwar beide lange Haare, aber gegen Haarspangen und Zöpfe wehren sie sich vehement. Ich genieße es, dass ich nun ein Mädchen habe.

Aber das heißt ja nicht, dass ich es nicht genauso genossen hätte, noch einen Jungen zu haben, wie einem wildfremde Menschen in ihren Fragen ja gerne unterstellen. Denn Kinder zu haben und beim Großwerden zu begleiten ist und bleibt einfach das Wunderschönste. Egal, ob ein Junge, ein Mädchen, fünf Jungen oder drei Mädchen.

 

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10 Kommentare zu “„Na, da haben Sie sich gefreut, dass es nach zwei Jungs noch ein Mädchen gab“

  1. Ich gebe dir absolut Recht. Wir haben auch vor sieben Monaten nach zwei Buben ein kleines Mädchen bekommen und ich finde diese Meinungsäußerungen und Annahmen von oft völlig unbeteiligten unverschämt und unpassend. Warum meinen die Leute gerade bei den Themen Schwangerschaft und Kinder sich so persönlich und ungefragt äußern zu dürfen. Mich haben schon am Anfang der dritten Schwangerschaft die Kommentare zum dritten Kind „war wohl ein Unfall“, „Sie wollen wohl nie wieder schlafen oder ausgehen“, „haben Sie keinen Fernseher“, „nehmen Sie das echt in Kauf dass es ein dritter Junge sein könnte nur damit Sie vielleicht ein Mädchen kriegen“…. so traurig gemacht dass ich aufgehört habe meine Schwangerschaft Kind zu geben denn mich haben die schiefen Blicke auf meine Taille weniger gestört. Ich habe meine Rolle als Bubenmama geliebt und hätte gerne einen dritten Jungen bekommen. Ich bin auch froh jetzt ein Mädchen in der Fsmilie zu haben und finde es wie du eine perfekte Konstellstion. Aber ein Jungr wäre niemals weniger wert gewesen als ein Mädchen. Schlussendlich habe ich aber ein drittes Kind weil ich ein en weiteren kleinen Menschen begleiten wollte, weil bei uns am Tisch und im Herzen noch gerade ein Platz frei war und weil wir diese Kind genauso lieben wie die großen Geschwister und zwar Schönlinge bevor wir wussten ob es ein Junge oder ein Mädchen ist.
    Ich habe zuerst versucht auf diese blöden Kommentare genauso doof zu antworten, Stil „ ich weiß gar nicht wieso das mir schon wieder passiert ist vielleicht können Sie mir das ja mal erklären oder „ja ja wir machen so lange weiter bis wir ein Mödchen haben und wenn es Buben werden schicke ich sie zurück“. Ich habe es aber aufgegeben weil mir die Kommentare zu weh getan haben und ich habe versucht sie zu ignorieren: ich habe sehr um diese Schwangerschagt gekämpft und bis ans Ende wegen der Übelkeit ständig im Krankenhaus am Tropf gelegen und war so ausgelaugt dass sie ständig drohte zu kommen aber es zum Glück bis zur 36 ssw ausgehalten hat. Ich finde es irgendwie nicht ok dass in unserer Gesellsschaft diese Kommentare als akzeptabel gesehen werden und sogar erwartet werden.

  2. Mich nervt ja alleine schon, dass sich die Leute über die pure Anzahl der Kinder einmischen.
    Mit einem Kind waren wir angeblich „noch keine richtige Familie“ und ab drei Kindern wird die Familie den Unbeteiligten dann anscheinend schon zu groß. Denn wenn wir nur erwähnen, dass wir noch mindestens ein drittes wollen kommen Kommentaren wie „denkt an die Kosten, den Lärm, den Platz….“. Dabei haben wir auch zwei Jungs und brauchen doch nach gängiger Meinung noch das Mädchen ;)

  3. Schlimm diese Erwartung! Unser zweites wird wieder ein Mädchen. Da kamen schon Kommentare Von wegen „ihr braucht aber einen jungen“ und das von meiner Schwiegermutter! Es muss nicht immer beides sein und als Mama kann ich beides lieben.

  4. Schon während der Schwangerschaft habe ich auf die Frage „Was wird es denn?“ immer mit „ein Menschenkind“ geantwortet weil mir die ewige Geschlechterei wirklich auf den Keks geht. Es sind meine Kinder, ob Junge oder Mädchen, und sie sind genau so wie ich mir das vorgestellt habe. Mein mittlerer Junge spielt gerne mit Puppen und hat sich zum 3. Geburtstag einen Puppenwagen gewünscht, also was soll immer dieses Junge-Mädchen-Pärchen Gequatsche :-)

  5. Dass die Leute aber auch überall gleich sind ;-) Wir haben auch nach zwei Jungs ein Mädchen bekommen, wie oft habe ich diese Kommentare gehört und den Satz: „Na dann seid ihr ja jetzt endlich fertig damit!“, aber nein, wir wollten noch mehr Kinder, das war klar…
    Und nachdem wir jetzt nach zwei Mädchen noch einen dritten Jungen bekommen haben, bekomme ich die Kommentare zu hören: „Na dann braucht ihr jetzt ja noch ein Mädchen“. Man kann es keinem recht machen, erst sind’s zu viele, jetzt anscheinend zu wenige…
    Manchmal kann ich drüber lachen, aber das ist leider nicht immer einfach…
    Womit wir mal wieder beim Thema sind, warum kann es eigentlich nicht jeder so machen, wie er will?

    Danke für den tollen Artikel!

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