Wieso ich meine Kinder erziehe – und es nun mal nicht ohne Regeln geht

Was ist eigentlich neuerdings so schlimm daran, seine Kinder zu erziehen? Wieso wird sich über Regeln lustig gemacht? Und wieso hat das Wort erziehen so einen negativen Beiklang und wurde durch Beziehung ersetzt? Eine Beziehung zu meinen Kindern habe ich sowieso, nämlich eine ganz besondere, einzigartige, mit nichts vergleichbare. Ist es denn so verwerflich, trotz dieser besonderen Beziehung auch noch zu erziehen? Vielleicht, wenn man Erziehung gleichsetzt mit Strafen, Meckern, Rohrstock – aber ganz ehrlich, das ist doch nicht Erziehung, also jedenfalls nicht die heutige Erziehung (hoffe ich doch mal). Erziehung ist vielfältig,  Erziehung ist mal strenger, mal lockerer und vor allem: individuell (das ist mir ganz wichtig- ich will hier niemanden bekehren oder sagen, dass mein Weg der beste ist. Es ist ja individuell. Wie gesagt. Aber ich will mir mal meine Meinung von der Seele schreiben.) wo war ich stehen geblieben? Erziehung ist individuell. Und ja, in der Erziehung gibt es Regeln – und auch bei uns zuhause gibt es Regeln. Denn ohne Regeln funktioniert unsere Gesellschaft nicht, unser Miteinander. Und ja, auch das müssen Kinder lernen. Und ja, ich finde daran ist gar nichts Verwerfliches. Denn die meisten Regeln sind einfach sehr sinnvoll, begründen sich auf Rücksichtnahme und Respekt vor anderen. Was nicht heißt, dass es auch absolut blödsinnige, überflüssige Regeln gibt. Aber nur weil es diese gibt, muss man die sinnvollen doch nicht gleich verteufeln?

Ja, ich erziehe meine Kinder. Weil ich Erziehung als nichts Schlechtes sehe. Denn was ist schlecht daran, seinen Kindern Fähigkeiten mit auf den Weg zu geben, die sie durchs Leben tragen, die ihnen dabei helfen, ihren eigenen Weg zu finden, die ihnen Türen öffnen und die ihnen helfen, Freunde zu machen. Was ist schlecht daran, den Kindern zu zeigen, wie die Gesellschaft funktioniert, wie man Rücksicht aufeinander nimmt – in der Familie, unter Freunden, im Kindergarten und in der Schule?

Ich sehe die Aufgabe unserer Eltern so: Wir sind wie die Leitplanken auf der Autobahn. Wir geben die Fahrtrichtung vor (zumindest ein bisschen, denn die entsprechenden Ausfahrten wählen unsere Kinder meist selbst), wir sind der Schutz, falls sie von der Fahrbahn abkommen.

Und so wie es im Straßenverkehr Regeln geben muss, damit keiner zu Schaden kommt und kein Chaos entsteht, so gibt es in unserer Gesellschaft (und auch in unserer Familie) Regeln. Wir wissen alle, was passiert, wenn Verkehrsregeln missachtet werden.

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Ohne Regeln funktioniert die Gesellschaft nicht

Ich bin keine strenge Mutter. Mein Mann meint manchmal, eher ein bisschen zu sehr Laisser-faire. Ich lasse meinen Kindern viel durchgehen, ich lasse sie ihre eigenen Erfahrungen machen, ich lasse sie Kind sein, ich mische mich nicht immer ein. Sie dürfen vieles mitbestimmen, sie dürfen auch mal frech sein und über die Stränge schlagen (gehört das nicht auch zur Kindheit dazu?!). Ich behandle sie auf Augenhöhe. immer. Aber es gibt Grundregeln, die mir wichtig sind. Wo ich sie nicht einfach machen lasse. So wie sie nicht bei Rot die Ampel überqueren dürfen, gibt es auch für das tägliche Miteinander Regeln. Wir schlagen uns nicht, wir lassen den anderen ausreden, wir helfen, wenn jemand Hilfe braucht, nehmen niemanden etwas weg, wir machen uns nicht über andere lustig, wir essen alle zusammen.

Überhaupt das Essen. Für mich ist die gemeinsame Mahlzeit am Tag einfach wichtig. Und da gelten Regeln: Wir essen mit Messer und Gabel so gut es jeder kann, beim Essen sind beide Hände auf dem Tisch und nicht einer unterm Tisch, der Löffel geht zum Mund und nicht umgekehrt. Hört sich altmodisch an? Was das Benehmen betrifft, bin ich wirklich „altmodisch“, ich nenne es aber höflich oder auch rücksichtsvoll. Wir halten anderen die Tür auf und machen Platz im Bus. Ich lege auch Wert auf bitte und danke, wenn ich auch meine Kinder nicht dazu zwinge beim Bäcker Danke zu sagen. Ich zwinge sie übrigens auch nicht dazu, anderen die Hand zu geben. Das mochte ich als Kind auch nicht und eine gesunde Portion Misstrauen ist auch in Ordnung. Überhaupt  zwinge ich meine Kinder nicht. Ich versuche, die Regeln vorzuleben. Und weise sie manchmal drauf hin, dass es doch jetzt nett wäre, der Dame die Tür aufzuhalten. Oder frage beim Essen „Wo ist eigentlich deine zweite Hand abgeblieben?“.  Ist das jetzt schlecht? Ist das die „böse Erziehung“?! Nö. Ich glaube, durch Vormachen und Vorbild sein erreichen wir mehr als durch Meckern und Maßregeln.

Gutes Benehmen macht das Leben leichter

Als ich einmal in einem Facebook-Post schrieb, dass es bei uns beim Essen nun mal gewisse Regeln gibt, kam ein höhnischer Kommentar einer „Unerzogen“-Vertreterin, die es ganz schlimm fand, dass es bei uns Regeln am Essenstisch gibt und mir vorwarf, meine Kinder zu unterdrücken. Wieso eigentlich? Was ist schlimm an den Regeln des Miteinanders? Unsere ganze Gesellschaft funktioniert nur, weil es gewisse Regeln gibt. Ich unterdrücke doch meine Kinder nicht, wenn ich ihnen erziehungstechnisch mit auf den Weg gebe, dass man den anderen ausreden lässt und nicht wild dazwischenkräht oder bei einem Konzert ruhig ist!

Ich finde gutes Benehmen übrigens nicht altmodisch – denn erstens sind viele der Benimmregeln Zeichen von gegenseitigem Respekt und Rücksichtnahme. Und außerdem weiß ich, dass im Leben vieles einfacher ist, wenn man sich gut benehmen kann. Wieso sollte ich also meinen Kindern die Zukunft unnötig schwer machen?!

Nein, ich finde gar nicht schlimm daran, Kinder zu erziehen. Ich finde nichts schlimm an Regeln. Und ich habe kein Problem damit zu sagen, dass ich meine Kinder erziehe. Ich muss dazu übrigens nicht sagen „ich trete mit meinen Kindern in eine Beziehung“. Denn ich habe eine Beziehung zu ihnen, eine ganz besondere, immer und ständig, ich muss in nix treten. Und ja, ich kommuniziere mit ihnen auf Augenhöhe. Und ja, ich lasse sie viel mitentscheiden. In einem angemessenen Rahmen, ohne sie zu überfordern. Ich frage beim Bäcker nicht „Was wollt ihr haben?“ sondern „Wollt Ihr Laugenstange oder Rosinenbrötchen?“ Aber alles, alles dürfen sie nicht mitbestimmen.

Und ja, es gibt manchmal Dinge, die ich für sie bestimme. Weil sie nun mal Kinder sind, vier und sieben Jahre alt. Und es ganz natürlich ist, dass es einiges gibt, dass wir Erwachsenen besser wissen als sie. Was hörte ich letztens: Da machte sich eine Mutter allen Ernstes Gedanken, weil ihre zweijährige Tochter auf die Frage „Willst du ein Geschwisterchen?“ mit „nein“ geantwortet hat. Die Mutter wollte ihre Tochter in alle Entscheidungen einbeziehen, also alles „auf Augenhöhe“ besprechen und das kam da nun bei heraus. Nein, ganz wirklich: Es gibt Entscheidungen, die sollten wir Eltern alleine treffen.

Deshalb spreche ich ganz bewusst davon, dass ich meine Kinder erziehe. Manchmal auch nach vermeintlich altmodischen Regeln (wie: „beim Essen hat man beide Hände auf dem Tisch“). Denn ohne Regeln geht es nicht, es sei denn, man lebt wie Robinson auf einer einsamen Insel. Und eine gewisse Portion Höflichkeit und Rücksichtnahme (wir werfen keine Bälle an fremde Fenster, wir werfen unseren Müll in den Mülleimer und im Restaurant sitzen wir alle am Tisch – ohne Handy! – und laufen nicht wild durchs Restaurant) macht das Leben einfacher und für alle angenehmer.

Ist es nicht auch die Aufgabe von uns Eltern, unsere Kinder bestmöglich auf das Leben vorzubereiten? Auf das Leben in einer Gesellschaft, die nun mal nur durch Regeln funktioniert? Na also. Und nur weil ich meine Kinder erziehe und es bei uns Regeln gibt, heißt es ja nicht, dass ich meine Kinder nicht auf Augenhöhe begegne. Man kann nämlich erziehen auf Augenhöhe und mit ganz viel liebevoller Beziehung ohne die Kinder einfach machen zu lassen. Ich möchte mich hiermit nicht über andere stellen und auch nicht sagen, dass ich den besten, einzig wahren Super-Erziehungsstil gefunden habe. Ganz bestimmt bin ich nicht perfekt und die Weisheit mit Löffeln gefressen habe ich auch nicht. Ich wollte hier einfach mal meine Meinung sagen. Ist ja auch mein Blog. Und andere können erziehen wie sie wollen oder auch nicht erziehen  und meinetwegen auch in Beziehung treten, was das Zeug hält. Wie ich schon schrieb: Wir sind alle verschieden und jeder findet das, was am besten passt!

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18 Kommentare zu “Wieso ich meine Kinder erziehe – und es nun mal nicht ohne Regeln geht

  1. Hmm, dein Text hat mich sehr zum nachdenken angeregt. Aber positiv… das vorne weg. Ich erlebe es auch oft das Erziehung wie ein Schimpfwort klingt und bewege mich sehr oft auf Unerzogen und Achtsamkeitsseiten. Irgendwie wird mit immer mehr Begriffen um sich geworfen. Auch bei der momentanen Gender- Bewegung, passt man einen Tag nicht auf – Zack – wieder ein Wort nicht mitbekommen , Apache Helikopter Ole!
    Woher kommt das ? Vielleicht weil wir unsere Kinder als das … aller Besonderste und Einzigartigste sehen? -> Ich denke vielen dieser Eltern geht es so das sie den Begriff als nicht genug empfinden… oder vor allem in ihrer eigenen Kindheit schlimme Erfahrungen mit der ,,Erziehung“ der Eltern und Großeltern gemacht haben.

    Was auch nicht gerade selten ist sind die üblichen Kommentare in Stressituationen wie ,, das häts bei uns nicht gegeben“ oder ,,der/die braucht mal ein paar hinter die Löffel „. Wo man doch gerade selber noch nach dem richtigen Weg für sich und sein Kind sucht. Eben zu ,,erziehen “ oder wie du schon erwähntest ,,in Beziehung zu gehen “ wie man ja neuerdings immer hört. Da bekommt dann das Wort ,,Erziehung “ um wieder darauf einzugehen für manche eventuell einen ganz blöden Beigeschmack.

    Und das wiederum führt dann zu dieser Gleichsetzung ?
    Oder könnte dazu führen … Nur meine Theorie wo ich so drüber nachdenke.
    Achso und zum Schluss möchte ich noch sagen, meine persönliche Meinung. Ich finde an beiden Seiten nichts schlechtes, im Gegenteil wo ich auch hinsehe und auf welchen Foren ich mich bewege, überall herscht reger Austausch und immer wieder sehe ich spannende Strategien mit den typischen Alltagssituationen umzugehen. Viele Kommentieren immer so schwarz und weiß , warum nicht die Farben etwas mischen ? Grau ist doch Momentan die Trendfarbe schlechthin ?

    Liebe Grüße !

  2. Wie du schon schreibst: Erziehen wird oft mit Strafen und „Mach das so! Ich erklär jetzt nicht warum!“ gleichgesetzt. Mit unnötigen Regeln, die niemandem etwas nutzen und die Kinder gar nicht verstehen. Hand auf dem Tisch wäre so eine Sache – Warum eigentlich?

    Ansonsten erziehen wir alle unsere Kinder – ob wir wollen oder nicht. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie eine Nicht-Erziehung aussehen soll. Regeln gibt es einfach überall, auch wenn die Leute es nicht zugeben wollen.^^ Dass man die Regeln vielleicht nicht mehr 1:1 aus dem Knigge übernimmt, mag stimmen, aber jede Mutter und jeder Vater gibt seine eigenen, individuellen Regeln weiter.

  3. Gratuliere zu dem tollen Text! Wir Eltern müssen unsere Kinder erziehen. Das ist unser Job. Alles andere ist Abschieben von Verantwortung (an den kiga, die Schule. ..) Zumindest sehe ich das so! Die Kinder, die eigentlich gar nicht wissen, wie sie sich in einer Gemeinschaft benehmen sollen (Rücksichtnehmen, bitte-Danke etc.) sind im Allgemeinen recht unbeliebt bei Kindern und Erwachsenen. Ich denke nicht, dass man das für die eigenen Kinder will!

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