Der erste Urlaub allein mit drei Kindern – inklusive Nachtzug, Buffet und diversen Wutanfällen

Sollte ja eigentlich kein Problem sein. So ein Urlaub alleine mit drei Kindern. Einem Siebenjährigen, einem Vierjährigen mitten in der Autonomiephase und einem Baby. Ich verbringe ja schließlich auch ansonsten den Tag von 7 bis 19 Uhr alleine mit ihnen. Was sollte dann anders sein bei sechs Tagen Urlaub?! Je näher der Urlaub rückte, umso naiver kamen mir meine Gedanken vor. Aber wer mich kennt, weiß, ich bin eine chronische Optimistin. Ich kann  da nichts für. Mein Optimismus ist angeboren. Meine Jungs hatten sich in den vergangenen Ferienwochen so gut miteinander verstanden, waren stundenlang ins Spiel vertieft, das Baby ist eines der pflegeleichten Sorte – was sollte da schon schief gehen?!

Nun, die immer wieder hervortretende Trotzphase des Mittleren hatte ich erfolgreich verdrängt. Und auch die Tatsache, dass man an einem Hotelbuffet mit Kindern am besten sechs Hände hat, habe ich ausgeblendet. Dabei hatte ich bei unserem Osterurlaub einen kleinen Vorgeschmack erhalten, als mein Mann an drei von sieben Tagen krank im Hotelbett lag und ich den Urlaub alleine mit den Kindern meistern musste. Mein Respekt vor alleinerziehenden Müttern war immer groß, sehr groß und ist nach diesen Tag noch mehr gewachsen. Aber gleichzeitig weiß ich auch: Ich kann das. Wenn es sein muss, klappt es alles. Irgendwie. Und das ist wiederum ein gutes Gefühl. Wir können mehr als wir denken und wachsen, wenn’s drauf ankommt, einfach über uns hinaus!

Das ist so ein Ding an der Evolution, über das ich mich immer wieder wundere: Wieso haben wir Mütter eigentlich nur zwei Arme?! Was ist da im Laufe der Millionen von Jahren schief gelaufen?! Ich stehe am Bahnsteig, das Baby umgeschnallt in der Trage, den Trolley in der Hand, die Jacken unter den Arm geklemmt, den Mittleren an der anderen Hand, den Großen mit seinem Rucksack an der anderen Seite. Irgendwie rutschen diese blöden Jacken, die wir wahrscheinlich eh nie brauchen werden, immer wieder herunter. Der Zug kommt, spuckt Menschenmassen heraus, ich packe den Mittleren fester und den Großen irgendwie mit dem kleinen Finger der Hand, die den Trolley hält und die Jacken festquetscht. Drei Stufen hat so ein Zug. Drei Stufen! Erst die Kinder einsteigen lassen, dann den Koffer hochhieven, der gefühlte 20 Kilo wiegt und dabei sind da eigentlich hauptsächlich Windeln und Ersatzbodies fürs Baby drin.

Achja und mein Buch und meine drei Zeitschriften sind im Koffer, die ich ungelesen wieder zurück nach Hause bringen werde. Im Nachhinein frage ich mich, wie naiv ich eigentlich war, davon auszugehen, nur überhaupt eine Seite lesen zu können???

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Mit drei Kindern alleine Nachtzug fahren

Richtig spaßig ist es erst im Nachtzug. Wenn jemand auf Klo muss und man mit der ganzen Horde hinterhergehen muss, weil man das Abteil nicht von außen abschließen kann. Wenn das Baby endlich schläft und man selbst auch grad eingenickt ist und von der Pritsche über einen ein „Mama, ich muss noch was trinken“ kommt. Wenn dann endlich alle schlafen und eine alte Dame an der Tür rüttelt, weil sie sich im Abteil geirrt hat. Und alle wieder wach sind. Wenn der Mittlere nicht alleine auf einer Pritsche schlafen will, sondern sich zu mir und dem Baby auf die 70 Zentimeter quetschen will. Das sind die Momente, wo ich merke: Ich bin alleine unterwegs mit allen Dreien. Und ich muss da jetzt alleine durch.

Das geht morgens weiter, wenn die Kinder aufgekratzt auf den Hochbetten herumturnen, die Einfahrt in den Bahnhof und das Umsteigen naht und keiner der Jungs es einsieht, sich vorher doch mal die Schuhe anzuziehen. Wenn dann just in diesem Augenblick das Baby noch die Windel bis obenhin, also wirklich bis OBENHIN zumacht, der Schaffner im Lautsprecher sagt „in wenigen Minuten erreichen wir Innsbruck Hauptbahnhof“, dann schnellt sogar mein niedriger Blutdruck kurzfristig sehr in die Höhe und mein Humor verflüchtigt sich schneller als ich gucken kann und das Deo muss zeigen, was es wirklich drauf hat.

Aber dann steht man doch irgendwie am Bahnsteig, Koffer,  Kinder und Baby im Schlepptau, alle Schuhe an den Füßen und keine Jacke im Zug vergessen: Und fühlt sich gut.  Es geht ja doch immer alles, irgendwie. Ein bisschen wie bei der Geburt – wir Mütter sind dazu gemacht, über uns hinauszuwachsen.

16 Stunden Zugfahrt hin. Ein Bus, drei Züge und ein Taxi. Alleine mit zwei Kindern und Baby erfolgreich gemeistert. 16 Stunden Zugfahrt zurück. Ein Taxi, drei Züge und ein Bus. Am anstrengendsten waren die fünf Minuten Fußweg von der Bushaltestelle bis nach Hause, wenn der Koffer Meter für Meter an Gewicht zulegt und die Füße Meter für Meter platter werden. Da hilft dann auch kein Kaffee mehr.

 

Über unseren Urlaub in Serfaus, Tirol, werde ich Euch bald detaillierter schreiben. Es ist eine der familienfreundlichsten Gegenden, die ich je erlebt habe. Unglaublich. So viele Spielmöglichkeiten, so viele Seilbahnen, alles ohne Auto machbar und so viel zu erleben. Das hat den Urlaub alleine mit drei Kindern erheblich erleichtert. Dazu kam ein ebenso kinderfreundliches Hotel mit Indoorspielplatz und Schwimmbad (wobei Schwimmbad alleine mit drei Kindern, davon zwei Nichtschwimmer, noch einmal ein Thema für sich ist…).

Mit drei Kindern alleine im Hotel

Die größte Herausforderung war dann auch nicht, die Kinder zu beschäftigen. Das haben wir gut hinbekommen. Wir sind unglaublich viel gewandert, Profis im Seilbahnfahren geworden und haben alle Spielplätze in den Bergen abgeklappert. Ein großer Spaß – und ich habe richtige Wanderprofis! Kein Gemecker, dass sie nicht mehr konnten, was auch den Kinder-Themenwegen geschuldet war, die aus jedem Wanderweg eine Schatzsuche Rallye oder Schnitzeljagd machten. Abends im Hotel durften sie dann noch bis 21 Uhr in die Spielewelt im Hotel und ich hatte „nur“ das Baby, mit dem ich mich in den Baby-Spielraum verzog. Wenn die Spielewelt um neun zu machte, sank ich ehrlich gesagt direkt mit den Kindern ins Bett. Ich verschwendete noch nicht einmal einen Gedanken an die oben erwähnten mitgebrachten Zeitschriften. Eine kleine Herausforderung war es, die Kinder zum Schlafen zu bewegen – ich weiß nicht, woher sie die Energie nehmen, aber sie waren einfach nicht müde. Im Gegensatz zu mir. Bis alle drei umgezogen und mit geputzten Zähnen im Bett lagen, war es jedes Mal ein kleiner Kraftakt.

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Die größte Herausforderung war jedoch das Essen. Frühstücksbuffet mit drei Kindern, davon einem Baby?! Yeah. Ich sage nur: Fehler der Evolution, dass Mütter keine sechs Hände haben. Das Baby hatte ich in der Trage. Nur leider ist die Maus mittlerweile so aktiv, dass sie gerne schon mal die Weintrauben vom Teller klaut oder den  Käse durch die Gegend schleudert. Der Große kann seinen Teller immerhin selbst tragen. Auftun musste ich hier und da schon, um ein Rühreimassaker zu verhindern. Der Kleine kann so rein theoretisch auch alleine Teller tragen. Aber eher nur, wenn nichts drauf liegt. Oder man das, was draufliegt, festklebt. Ansonsten kommt halt nur die Hälfte an. Oder ein Viertel. Was weder für die nachfolgenden Buffetgäste ein Spaß ist, die auf den Wurstscheiben ausrutschen, noch für meinen kleinen Mann, der seinem Nutella hinterherheult. Also trägt Mama. Teller für die Kinder, noch etwas Obst, und dies und das, was man halt so balancieren kann während das Baby Weintraubenkegeln aus der Babytrage heraus spielt.

Und dann sitzt man am Tisch. Zerschneidet dem einen die Pfannkuchen, hilft dem anderen beim Eipellen, füttert das Baby und steht dann endlich auf, um sich selbst etwas am Buffet zu holen. Kaum ist man zurück, hat sich hingesetzt und will den Kaffee noch trinken, bevor er kalt ist, sind die Kinder mit ihrem Teller fertig und wollen noch mehr Pfannkuchen, Rührei, Orangensaft oder wahlweise noch ein Nutellabrot geschmiert. Ich bin aus Vereinfachungszwecken dazu übergegangen, den Kindern am Frühstücksbuffet kein Brot mehr anzubieten, sondern Dinge, die man NICHT schmieren muss. Spart minimal Zeit, in der man es aber immerhin schafft, den Kaffee noch lauwarm zu trinken.

Immerhin gab es abends Menü für die Großen und nur für die Kinder Buffet, was zumindest ein bisschen entspannter war. Wobei, wenn der Vierjährige einen veritablen Wutanfall bekam, weil ich die Soße auf statt neben die Spaghetti getan habe, dann wurde mir wieder schmerzlich klar: Ich muss hier jetzt alleine durch.

GESTERN, GESTERN wollte er sie doch auf die Nudeln, aber das war gestern – „weißt du denn nicht, Mama, dass ich heute die Soße daneben haben wollte?!“ – äh nein, sorry, wusste ich nicht. Dass Mütter nicht Gedankenlesen können ist noch so ein Fehler der Evolution, den ich einfach unlogisch finde.

Es sind diese Momente, über die man im Nachhinein herzhaft lachen kann, aber in genau diesem Moment eher weniger. Da richten sich die Blicke der Nachbartische auf einen – die eh schon die ganze Zeit starren („alleine mit drei Kindern, dass sie sich das traut… tuscheldiwuschel“). Na, wie wird die jetzt wohl reagieren, steht in ihren neugierigen Gesichtern geschrieben. Ich fange galant routiniert den Löffel auf, den der junge Mann in seinem Zorn über den Tisch schleudern will, lächele dieses „ist er nicht süß, hab alles unter Kontrolle“-Lächeln und hoffe, dass ich zumindest halbwegs so aussehe, während der  eine kleine Mann tobt, der andere Erbsen in sein Wasser wirft und das Baby lautstark Bescheid gibt, dass es nicht mehr im Hochstuhl sitzen möchte.

Genau in diesen Augenblicken kommt dann der Kellner mit meinem Hauptgericht um die Ecke und fragt, ob man einen Wein dazu möchte (hallo, hast du nicht gesehen, dass ich vorhin gestillt habe, während ich einhändig die Vorspeise zerlegt habe?!)

Ich will es mal so ausdrücken: Ich habe mir eingeredet, dass ich total souverän und cool rübergekommen bin. Wenn man sich das oft genug einredet, dann glaubt man hinterher auch selbst dran.

In diesen Momenten wurde mir sehr klar, dass ich grad alleine durch diese Situationen muss. Und verfluchte, dass mein Mann keine Urlaubstage mehr über hatte, um uns auf diese Reise zu begleiten. Und wieder wuchs mein Respekt vor Alleinerziehenden. Denn mir hat in diesen stressigen Situationen der Gedanke Kraft gegeben, dass ich da ja nur ein paar Tage lang alleine durch muss. Und diese zeitliche Begrenzung lässt einen das dann doch anders durchstehen.

Aber, liebe Alleinerziehende, eine Frage: Wie geht Ihr mit den Blicken der anderen um? Wenn die Euch im Restaurant anstarren und auf ihrer Stirn entweder Mitleid oder aber „alleine mit den Kindern, die ist doch bestimmt überfordert“ geschrieben steht? Das habe ich auf dieser Reise alleine mit drei Kindern gelernt: Man wird anders angeguckt, als wenn der Papa mit dabei ist. Im Zug, im Restaurant, auf dem Wanderweg oder im Schwimmbad.

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Alles in allem klopfe ich mir selbst aber auf die Schulter: Ich habe es gemeistert. Und gar nicht so schlecht. Das große Theater blieb aus. Panik oder Selbstzweifel eh. Die Nerven habe ich auch nicht verloren (auch wenn ich manchmal kurz davor war, siehe oben – Aussteigen aus dem Zug). Was zum einen meinen Kindern zu verdanken ist, die es mir wirklich leicht gemacht haben. Und dann der Urlaubsregion, die für so viel Ablenkung sorgte. Aber darüber schreibe ich demnächst.

In den Herbstferien werde ich dann alleine mit drei Kindern fliegen. Mal sehen, was das wird. Aber abenteuerlicher als der Nachtzug kann es eigentlich nicht werden!

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Und wusstet Ihr, dass mein neues Buch Die Kunst, keine perfekte Mutter zu sein: Das Selbsthilfebuch für gerade noch nicht ausgebrannte Mütter auf dem Markt ist?  Und natürlich immer noch erhältlich ist mein Ratgeber zum Thema zweites Kind: „Willkommen Geschwisterchen: Entspannte Eltern und glückliche Kinder

 

 

 

 

 

3 Kommentare zu “Der erste Urlaub allein mit drei Kindern – inklusive Nachtzug, Buffet und diversen Wutanfällen

  1. Hut ab! Ich habe zwei Kinder (2 und 5 Monate). Bin glücklicherweise nicht alleinerziehend.
    Trotzdem erledige ich gewisse Sachen oft alleine mit den beiden.
    Beim Einkaufen wurde ich neulich an der Wursttheke tatsächlich von einer älteren Dame gefragt „ob ich denn Hilfe bekomme“.
    Ich war etwas perplex musste dann aber grinsen. Mit Maxi Cosi und Kleinkind im Einkaufswagen musste ich wohl einen ziemlich Mitleiderregenden Eindruck auf die Frau gemacht haben.
    Mein größter Respekt gilt allen Mamis die ihren Alltag mit Kind/ern überwiegend alleine meistern. Ob alleinerziehend oder weil der Mann den ganzen Tag arbeitet. Er kostet so viel Kraft, aber mal ehrlich…eintauschen würde man die kleinen Räuber trotzdem (meistens) nicht. 😉

  2. Wow, Respekt! Ich habe selbst drei Kinder, alle noch etwas jünger als deine, aber das hättenich mich glaub ich nicht getraut. Dann eher den Urlaub zu Hause verbracht, gefühlt in der „Komfortzone“. Aber du hast diesen Schritt gewagt und den Kindern ein für sie sicher tolles Erlebnis beschert, über das sie noch lange erzählen werden. Finde ich spitze!

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