Hallo Beikost – was beim dritten Kind anders ist

Es ist schon komisch: Beim ersten Kind konnte ich den ersten Brei kaum erwarten. Und pünktlich mit fünf Monaten kaufte ich einen Sack Biomöhren, pürierte motiviert einen extra feinen Brei, legte die Kamera bereit und band meinem Sohn feierlich ein Lätzchen um. Natürlich planten wir das große Ereignis extra an einem Wochenende ein – so dass mein Mann an diesem besonderen Tag dabei sein konnte, wie mein Sohn zwei Löffel Karottenbrei im Mund umherschob und die Hälfte wieder herauskatapultierte. Immerhin, die 100 Fotos dieses Großereignisses sind super geworden. Beim 2. Kind war das schon weniger feierlich irgendwann in der Woche mit fünf Monaten und es gibt auch nur einen Handyschnappschuss. Und statt Beikostöl gab es auch nur schnödes Rapsöl druntergerührt. Nun ist es bei meiner Babymaus so weit und irgendwie ist es nun bei dritten Kind noch mal ganz anders mit dem Thema Beikost. 

Seit einigen Wochen schon beäugt uns unsere Babymaus immer neugierig, wenn wir essen. Wenn sie auf meinem Schoß sitzt, dann greift sich nach dem Löffel und will ihn sich selbst in den Mund stecken. Und so habe ich ihr vor ein paar Wochen einfach mal eine Gurkenscheibe gegeben. Die hat sie solange hingebungsvoll ausgelutscht, bis nur noch ein labbriges, grünes Etwas über war. Das Baby war begeistert. Schmatzte anerkennend. Seitdem gibt es jeden Tag eine Gurkenscheibe zum Auslutschen, wenn wir Abendbrot essen. Dann gibt es eh Gurken für die Jungs (die tägliche Gemüsebeilage, die immerhin noch akzeptiert wird) und so kann sie mit uns „mitessen“ und ist zufrieden.

Es wurde immer mehr zum Auslutschen: Melone, Apfelschnitze, Pfirsich – findet sie alles klasse. Gurke hat den großen Vorteil, dass der Saft weder klebt noch Flecken macht – ich kann es sehr empfehlen! Erdbeeren findet sie auch super, aber die Flecken, uhhh, wem sag ich das!

Der erste Brei beim dritten Kind: Was ist am Beikoststart besser, ändert sich die Beikost, das BLW oder der Brei?

Jedes Kind isst anders

Nun ja. So langsam reicht ihr das aber nicht mehr. Sie will mehr. Das Vanilleeis, was ihr großer Bruder ihr großzügig abgab, fand sie schon mal super. Find ich jetzt zum Beikoststart aber eher suboptimal. Übers Wochenende brach ja ihr erster Zahn durch und nächste Woche wird sie sechs Monate alt: So langsam wird es Zeit fürs erste Essen. Wenn es nach mir ginge, müsste das mit der Beikost noch nicht sein. Ich stille gerne und viel. Und finde es unglaublich praktisch. Das Essen ist immer dabei, es geht immer und überall, ich kann nebenher arbeiten (so wie diesen Text schreiben – den ich einhändig beim Stillen tippe), das Windelnwechseln ist angenehmer und die Klamotten bleiben auch sauberer. Aber unsere Babymaus gibt mir unmissverständlich das Zeichen: „Ich will jetzt auch richtiges Essen!“

Ihre gierigen Blicke wenn wir Essen sprechen Bände.

Beim dritten Kind läuft das Thema Beikost anders ab als beim ersten. Entspannter. Weniger durchgetaktet. Ungeplanter. Lässiger. Mehr nebenbei. Statt beim ersten Mal einen zeremoniell hergestellten Karottenbrei zu essen, gab es irgendwann beim Abendbrot einen Löffel zermatschte Kartoffel von meinem Essen ab. Fand sie etwas komisch und beförderte fast alles heraus. An einem anderen Tag gab es eine weiche Nudel in die Hand, die sie tatsächlich irgendwie aufmampfte und noch eine zweite hinterherschob.  Danach wollte sie aber wieder ihre obligatorische Gurkenscheibe. Und viel Mamamilch.

Nachdem wir das jetzt spielerisch gemacht haben und ihr immer etwas von unserem (eh ungesalzenen Essen – wir salzen am Tisch nach wegen der Kinder) abgaben (in mikroskopischen Mengen), habe ich mir aber nun doch überlegt, es wieder mit Brei zu versuchen. Wieso ich mich nicht für BLW entschieden habe? Mir ist es zu aufwändig. Ich bin faul. Und ich finde, die Beikostmethode muss ins Familienleben passen. Wir sind viel unterwegs, an den Wochenenden oft den ganzen Tag. Wir essen immer abends warm, auch unter der Woche. Es stehen die großen Ferien an, in denen wir sehr lange im Urlaub sein werden. Wo kein Dampfgarer bereit steht und wir sehr viel essen gehen werden.

Der erste Brei beim dritten Kind: Was bei der Beikosteinführung beim dritten Kind Baby anders ist - Brei Beikost BLW

Undogmatisch in Sachen Beikost

Und ja, ich fütter auch Brei aus Gläschen. War das beim ersten Kind die absolute Ausnahme (außer Obst wie Apfelmus oder Pflaumenmus), habe ich beim zweiten schon sehr häufig zu Gläschen gegriffen, aus Zeitnot, Bequemlichkeit und eben weil wir viel unterwegs sind (beim ersten Kind hat man seinen Tagesablauf ja tatsächlich noch viel mehr aufs Kind ausgerichtet… Ihr auch?). Und ich finde es nicht schlimm mit den Gläschen: Es ist Bio, sorgfältig zu bereitet und man muss halt auf die Inhaltsstoffe achten. Es gibt genug zur Auswahl ohne Zucker, Salz und andere „böse“ Stoffe. Und unterwegs ist es einfach unschlagbar praktisch, zumindest solange die Kinder noch nicht wirklich viel beim Erwachsenenessen mitessen.

Nun ich werde aber aus ebenso pragmatischen Gründen eine Art Mischung machen. Brei extra für sie und wenn wir dann alle zusammenessen gibt es immer etwas ab zum Knabbern fürs Baby. Ich weiß, manche raten davon ab, aber Ihr wisst, ich halte nichts davon, Dinge dogmatisch durchzuziehen. Schon bei meinem Mittleren habe ich Brei und BLW-Essen in Form von weichgekochten Gemüsesticks oder Gemüsefrikadellen usw gemacht und es war nie ein Problem.

Genauso undogmatisch bin ich auch bei der Breieinführung.

Beim ersten Kind hab ich noch immer schön 12 Uhr mittags den Gemüsebrei gefüttert. Und mich dann beeilt vom Spielplatz punkt 18 Uhr nach Hause zu kommen für den Abendbrei. Beim zweiten gab es das Essen, wie es grad zeitlich passte. Und ich hielt mich nicht sklavisch an die Reihenfolge. Waren wir mittags unterwegs, gab es den Nachmittagsobstbrei halt zum Mittag (die Gläschen muss man ja nicht warm machen) und den Gemüsebrei abends oder zum Nachmittag.

Und beim dritten Kind habe ich mich nun noch mehr von diesen Dingen verabschiedet. Den ersten pürierten  Möhrenbrei gab es vorgestern Abend. Ja, abends! Den ersten Gemüsebrei. Nun eher gesagt, die ersten drei Löffel, von denen die Hälfte draußen landete. Gestern gab es den Möhrenbrei während wir selbst Abendbrot aßen. Heute vielleicht nachher, wenn ich die Jungs abhole. Ich kenne die Gründe für die Empfehlungen, aber ich kenne auch meine Kinder, unseren Tagesablauf und ich weiß: Kinder sind flexibler als wir denken. Sie passen sich unseren Tagesabläufen an und vor allem: Wenn wir entspannt sind, entspannen sie sich auch besser (nicht immer, aber die Tendenz ist einfach so).

Und so entspannt, wie ich das Thema Beikost gerade angeht, so entspannt ist auch unsere Maus zurzeit dabei. Sie probiert, meckert nicht, trinkt danach viel Milch und ist sehr viel offener, wenn es mal was anderes als Möhren gibt. Wie den plattgedrückten Brokkoli gestern Abend, den sie auch brav aufaß.

Ich denke, es ist wie bei allem rund um Familie und Erziehung: Jeder muss seinen eigenen Weg finden. Der Weg, der zur Familie, zu den Kindern und dem eigenen Alltag passt. Jedes Kind ist verschieden, jede Familie ist verschieden – und das Wichtigste ist doch, dass die Babys ihre Nährstoffe erhalten und nicht, ob es nun Punkt 12 der Karotten-Kartoffelbrei ist oder der gedünstete Kohlrabistick um halb nach viertel vor Sieben!

In diesem Sinne mixe ich jetzt unserer Maus noch mal eine Karotte und heute Abend kann sie mal ein bisschen Wassermelone lutschen. Lecker!

Wie handhabt Ihr das mit der Beikost? Und merkt Ihr eine zunehmende Lockerheit mit der Anzahl der Kinder?

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10 Kommentare zu “Hallo Beikost – was beim dritten Kind anders ist

  1. Wir haben zwei Söhne. Beim ersten haben wir mit etwa fünf Monaten einen Tag verschiedene Einzelzutaten zu Brei gekocht und in Eiswürfelformen eingefroren um gewappnet zu sein und ja nicht auf Gläschen zurück zu greifen. Kartoffel war dann das erste was er bekommen hat. Ganz spontan eine Spalte zum abbeißen aber weil das dann doch zu viel im Mund war (Alles aus Papier konnte er nehmen, abbeißen, zerkleinern schlucken…) kurz zerdrückt. Da war er auch schon sechs Monate alt. Weil ich mich doch nicht dazu durchringen konnte zu starten. Ich hatte irgendwie angst die stillzeit sei dann schnell vorbei. Natürlich Unsinn.
    Aber was soll ich sagen, Kartoffeln und dann auch Karotten fand er doof. Weil wir viele Allergien in der Familie haben führte ich nur langsam neue Zutaten ein. Aber egal was, er schaffte nicht einen Würfel. Das mischen wie ich mir das vorgestellt hatte klappte nicht. Also Brei gekocht. Paralell hat er immer von uns was bekommen. Das mochte er. Brot, Nudeln… mit 10Monaten ass er am Familientisch mehr oder minder mit. Von BLW hab ich erst spöter gehört, wir haben es nach Gefühl gemacht. Ebenfalls dann kam auch der Brei Durchbruch mit Haferbrei so klebrig das er nicht vom Löffel geschüttelt werden kann und somit konnte er selbst essen. Aber war ja nicht mehr wichtig.
    Ich war recht entspannt aber auch weil ich einen Artikel gelesen hatte der beschreibt wie unnötig es ist sich mit seinem Baby wegen essen zu zanken. Wenn es nicht will, auch gut, und stillen klappte weiter gut.

    Kind zwei ist anders. Da startete ich mit Obst aber er liebt alles Essen, egal was. Gegen mitknabbern am Esstisch hat er jetzt mit neun Monaten nichts, aber danach will er auch gern noch Brei. Und irgendwann noch Milch. Und er reißt sein Mäulchen weit auf wenn er essen sieht. Wie ein Vogeljunges. Es ist nicht mehr alles selbst gekocht, das mit dem Öl kenn ich. Außerdem schaff ich irgendwie selten drei Brei am Tag. Oft bekommt er mindestens bei einem essen nur Brot zum rum Lutschen.

  2. Ich bin jetzt beim 2. Kind auch tiefenentspannt. Was habe ich mich bei der Großen noch gestresst, weil sie keinen Brei wollte und überhaupt im 1. Lebensjahr kaum etwas anderes als Muttermilch. Den Breifahrplan halte ich sowieso für übertrieben. Und da auch unser Kleiner kein Breifan ist, isst er eben bei uns mit. Ich persönlich finde das viel entspannter als Brei zu geben. Ich muss nichts extra machen und habe die Hände für mein Essen frei, weil er selbst isst. Ich sehe das aber auch nicht dogmatisch und füttere ihn auch mal. Für so manchen BLW-Anhänger ist das ja ein absolutes No-Go. 😉

  3. Hier ist es beim 2. Kind schon genauso wie du es beschreibst. Eigentlich wollte ich gar nicht anfangen mit dem Brei, aber mit 6 Monaten war sie dann offensichtlich soweit und es gibt und unregelmäßig Brei aus dem Gläschen. Als Tipp zum Eis: ich mache für uns Nicecream. Also nur Banane und dann noch ein anderes gefrorenes Obst mit etwas Milch. Das Essen alle sehr gern. Sogar das Baby. Liebe Grüße !

  4. Ja genau. So war es bei uns auch ;-) die vielen Fotos vom Ersten gibt es bei der Vierten nicht mehr. Die bekam auch ziemlich schnell Nudeln- Bolognese in die Hand. Sie wollte einfach das, was die Großen auf dem Teller hatten und nichts anderes. Fazit ist zumindest bis heute (sie ist knapp 3), dass sie vieles isst und nicht so wählerisch wie die großen Geschwister ist…
    Das wird sich wahrscheinlich auch noch ändern, da mache ich mir keine große Hoffnung, aber zumindest später als bei den anderen ;-)

    Und ich finde auch, es muss einfach zur Familie, zum Alltag passen und darf nicht in Stress enden, dass ist wenig förderlich, egal wofür 😬

  5. Haha, das kommt mir alles seeehhr bekannt vor! :-) Beim ersten Kind noch ehrfürchtig die Demeter-Biomöhren und -pastinaken püriert, beim zweiten in der Not zum Gläschen gegriffen. Und der Witz an der Geschichte: Das erste Kind hasst Gemüse und das zweite liebt es! Und die Moral von der Geschicht: Man weiß es beim Gemüse nicht. Lustige Grüße, Anna

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