Ein Wochenende allein mit drei Kindern – und einem Haufen zu erledigender Arbeit

Dass Murphys Gesetz in ganz besonderem Maße für uns Eltern gilt, habe ich ja schon mal beschrieben. Und an diesem Wochenenden schlug es mal wieder so richtig zu. Das erste Wochenende alleine mit drei Kindern. Natürlich ein Wochenenden, an dem ich richtig viel zu tun habe. Es ist Ende des Monats und das heißt bei mir immer: Artikel für meine Zeitschriften-Kunden abgeben. Dazu Frühlingsfest im Kindergarten, hochsommerliche Temperaturen und drei Kinder, die alles andere im Sinn haben, als abends früh ins Bett zu gehen. Tja. Und da bin ich also, die Frau mit dem Buch mit den tollen Tipps, wie man als Mama keinen Burnout bekommt und sich Auszeiten nimmt – und befolge keinen einzigen meiner tollen Tipps, sondern stehe stattdessen selbst kurz vorm Durchdrehen. Toll Frau Expertin, das ist so wie bei den Lungenfachärzten, die zur Zigarette greifen. Einen Einblick gefällig in den ganz normalen Wochenendwahnsinn zwischen Home Office, Babystillen und  Home Office! Achja und den ersten Zahn beim Baby gab es auch noch!

Alltag mit drei Kindern: Kolumne über ein Wochenende alleine mit drei Kindern -Spagat zwischen Familie, Beruf, Haushalt - Mamas und Burnout - wie man den Alltag mit Kindern organisiert #erziehung #familie

War ja klar, dass das Richtfest, zu dem mein Mann übers Wochenende ans andere Ende Deutschlands fuhr, genau dann ist, wenn bei mir die To-Do-Liste am längsten ist. Murphy, Ihr wisst schon.

Aber selbst ist die Frau und hey, das packen wir schon!

Die Kinder können sich doch super selbst beschäftigen, das Baby ist ja so pflegeleicht und irgendwie schaff ich das schon, drei Artikel zu schreiben und eine Handvoll Emails zu beantworten. Fing ja auch kuschelig an, unser Wochenende. Lange schlafen, viel kuscheln, Kinderscherze im Bett und Rülpswitze beim Frühstückstisch. Sogar der Vierjährige zog sich ohne Theater selbst an, bevor es zum Einkaufen ging, das Baby schlief ohne Meckern im Kinderwagen ein und die Jungs halfen sogar, die Einkäufe nach Haus zu schleppen.

Harmonie im Hause ganznormalemama. Bis ich mich dann (naiv, ich weiß) an den Computer setzte und etwas arbeiten wollte. Ich tippte also einhändig (während ich das Baby stillte) ein paar Emails und wollte gerade die letzten Recherchen für meine Artikel machen, da flogen Teile des Parkhauses durchs Wohnzimmer. Der eine hatte dem anderen das Auto weggenommen (oder war es umgekehrt?) und dann hatte der andere geboxt und der eine dann zurückgeboxt (oder umgekehrt), auf jeden Fall fand der eine nun den anderen doof und der andere wollte nicht mehr mit dem einen spielen und das Baby mittlerweile auch nicht mehr  trinken.

Notbremse, Computer weg. Pfannkuchenpfanne her.

Pfannkuchen gehen immer. Schon allein das meditative Teigmixen beruhigt die Nerven. War dann auch so. Aufatmen. Doch dann drängte die Zeit – Kindergartenfest stand an. Ich wollte nur mal kurz noch schnell eine lang aufgeschobene Mail beantworten. Nur mal kurz. Haha. Nur mal kurz ist ja mit kleinen Kindern immer so eine Sache. (ich sag nur: Nur mal kurz zum Bäcker. Wir gehen dann mal in drei Stunden los, wenn alle angezogen sind und auf dem Klo waren). Da setzte sich der Kleine neben mich: „Mama, NIE spielst du mit mir.“ Da war es wieder. Das tiefe Rabenmuttergefühl. Was mache ich hier vorm Computer?! Mein Sohn will mit mir spielen! Es ist Wochenende!

Ich also noch mal kurz mit ihm die Murmelbahn aufgebaut und mich über das Auflösen des Murmelstaus gefreut. Dann Blick auf die Uhr. Babywickeln. Und natürlich auf dem letzten Drücker zum Kindergartenfest. Nicht ohne vorher noch mal gründlich zu meckern, weil der eine den anderen auf der Treppe mit den Sandalen bewarf und der andere dann dem anderen… ach, ich erinnere mich gar nicht mehr genau, wer jetzt wem mit was, jedenfalls war die traute Familienharmonie erstmal flöten.

Nach drei Stunden Kindergartenfest dann voller guter Laune zum Blumenladen, Blumen zum Einpflanzen für den Garten gekauft und ebenso gut gelaunt das Wunschessen der Kinder (Fischstäbchen mit viel Ketchup, viel Kartoffelbrei und wenig Spinat) gekocht. Laune gut. Bei allen. Ha, triumphierte ich innerlich.

Das wäre ja auch gelacht, wenn ich so ein Wochenende allein mit drei Kindern nicht hinbekommen würde! Und das bisschen Arbeit und Geschirrspülerausräumen, Kochen, Einkaufen und Wäschewaschen nebenher, das ist ja wohl ein Klacks!

Hehe. Zu früh gefreut, Frau Klüver. Ich dachte wirklich, die Kinder wären nach einem Nachmittag Toben beim Kindergartenfest müde und ich hätte einen schönen Feierabend mit meiner Arbeit und ein bisschen Schokolade. Naiv. Ich weiß. Ich hätte es besser wissen müssen.

Es fing gut an. Umziehen, Zähneputzen. Alles ohne Theater. Eine halbe Stunde Vorlesen im Bett, wunderbar. Kuscheln. Wunderbar. Naja. Zunächst. Nach einer halben Stunde Kuscheln (und also schon einer Stunde im Bett) wurde ich etwas nervös, denn im Hinterkopf war da dieses Stimmchen, das „du musst noch arbeiten“ rief. Und immer lauter wurde. Die Kinder wühlten sich hin und her. Mussten auf Klo. Hatten Durst. Zappelten herum. Fingen an Quatsch zu machen. Selbst das Baby wollte nicht schlafen und irgendwann auch nicht mehr trinken und fing an ebenso quatschige Geräusche von sich zu geben.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich landete also mit drei Kindern auf dem Sofa.

Home Office mit Kindern: Freiberuflichkeit hat ihre Vorteile. Und ihre Nachteile. Arbeiten mit Baby auf dem Schoß und zwei schlafenden Kindern neben mir auf dem Sofa.

Home Office mit Kindern: Freiberuflichkeit hat ihre Vorteile. Und ihre Nachteile. Arbeiten mit Baby auf dem Schoß und zwei schlafenden Kindern neben mir auf dem Sofa.

Die Arbeit rief, niemand wollte schlafen und es machte keinen Sinn mehr, darauf zu hoffen, dass sie im ruhigen, abgedunkelten Schlafzimmer müde werden könnten.

Es war mittlerweile halb zehn, drei noch zu schreibende Texte warteten auf mich und eine Schokolade, die ich eigentlich heimlich essen wollte. Nun lag der eine Sohn auf dem Sofa und stellte 1000 Fragen. Der andere baute Lego und kam ständig an und zeigte mir den Fortschritt und das Baby wollte ständig an die Brust. Während der Mann mir Feierbilder aus Süddeutschland schickte, rief ich streng die Regel aus „ich habe jetzt Feierabend, ihr dürft aufbleiben, aber müsst euch selbst beschäftigen“. Ha. Ich kann auch durchgreifen, wenn ich will. Der Große schlief ein, der Baby irgendwann auch, der Kleine baute still.

Und ich? Saß am hintersten noch frei gelassenen Zipfel auf dem Sofa und konnte keinen klaren Gedanken fassen. Ich tippte vier Worte und löschte vier Worte. Ich tippte wieder und löschte wieder. Und so weiter, bis der Kleine sich auf die Sofalehne legte und dort einschlief. Es war 22.30. Und ich merkte, dass das Arbeiten so keinen Sinn macht, putzte die Zähne, schleppte drei Kinder ins Bett, mich hinterher und… konnte nicht schlafen.

Lag wach bis 1 Uhr und wurde heut morgen um halb sieben von drei munteren Kindern geweckt. Die beim Frühstück meine extra für sie frisch gebackenen Brötchen verschmähten und nach dem Müsli fragten.

Was soll ich sagen? Ich bestach sie mit Spaghettieis: „Wenn ihr mich heute arbeiten lasst, dann lade ich euch zu einem Spaghettieis ein.“

Wer sagt eigentlich, dass man immer pädagogisch korrekt sein muss?! Ich finde, Bestechung ist in diesem Fall absolut gerechtfertigt.

Und was soll ich sagen? Es funktioniert. Ich habe zwei Texte fertig, drei von fünf Emails beantwortet und tippe nun einhändig beim Stillen diesen Blogtext für Euch, quasi als Aufarbeitung meines gestrigen Tages. Soll ja helfen und die Psyche stärken, hab ich mal in einem äußerst schlauen Buch gelesen.

Nun ist der Tag halb rum, wir gehen Spaghettieis essen, pflanzen die Blumen ein und dann sind die Kinder hoffentlich früh im Bett verschwunden, so dass ich meinen Feierabend mit meinem letzten noch ausstehenden Text verbringen kann, bevor der Gatte dann irgendwann nach Hause schneit. „Wie war das Wochenende?“ – „Alles super, Schatz, die Kinder waren toll, wir hatten es richtig schön und meine Arbeit hab ich auch super geschafft.“ 

Hm. Es könnte auch sein, dass es eher so abläuft – fast kurz bevor die Kinder eingeschlafen sind, kommt der Gatte ins Haus, ruft laut hallo und alle sind wieder munter. Ich werde Euch auf dem Laufenden halten. Nun aber erstmal Spaghettieis essen.

Ein großes. Keine Kinderportion.

Wenn schon Bestechen, dann aber richtig. (und ich habe mir auch eins verdient und einen Eiskaffee gleich hinterher)

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Und wusstet Ihr, dass mein neues Buch Die Kunst, keine perfekte Mutter zu sein: Das Selbsthilfebuch für gerade noch nicht ausgebrannte Mütter auf dem Markt ist?  Und natürlich immer noch erhältlich ist mein Ratgeber zum Thema zweites Kind: „Willkommen Geschwisterchen: Entspannte Eltern und glückliche Kinder.

 

3 Kommentare zu “Ein Wochenende allein mit drei Kindern – und einem Haufen zu erledigender Arbeit

  1. Ich liebe deine Texte! Fühlt sich wie ein Stück Zuhause an 😄
    Alles Liebe für dich und deine Family!
    Olga

  2. So ging es mir mit 6 kleinen Kindern,und ich sage dir ,ich vermisse keine Sekunde davon! Ich bin Heiden froh,das der jüngste jetzt 10 Jahre alt ist ,und die anderen fast erwachsen!
    Jetzt kann ich endlich Mal das machen,was ich will! Und vorallen muss😏

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