Mein Gemüse ess‘ ich nicht: Kinder und Essen

Ich kenne sie alle. Die Tipps, wie man Kinder dazu bringt, Gesundes zu essen. Die Tricks, mit denen man Kinder begeistert, auch mal Gemüse zu probieren. Ich habe lustige Gesichter aus der Gemüse auf den Teller gelegt. Ich habe die Kinder Kresse aussäen lassen und aufs Brot gestreut. Ich habe sie beim Kochen helfen lassen und der Kleine hat mit Hingabe Möhren geschält, bis nix mehr von ihnen über war. Ich habe pürierte Möhren in der Nudelsoße versteckt. Aber gegessen haben sie das Gemüse nicht. Und die Kresse haben sie angeekelt vom Brot gepickt. Den Trick mit dem versteckten pürierten Gemüse haben sie sofort durchschaut. Die guten Tricks aus all den Büchern, wie man Kindern gesundes Essen beibringt – bei meinen Kindern helfen sie nicht. Dabei sind sie als kleine Essanfänger so gut gestartet und ich habe schon innerlich jubiliert! Heute sag ich: Freut Euch nicht zu früh. Solange sie klein sind, ist alles leicht. Aber es kommt der Tag… da wird alles anders.

„Meine Kinder werden keine mäkeligen Esser“, sagte ich mir siegessicher. Nun ja. Was man sich so denkt, naiv wie ich war. Ich hatte mich schließlich an alle guten Ratschläge zum Thema Kinder und Essen gehalten! In der Schwangerschaft habe ich möglichst vielfältig gegessen, damit sie sich schon im Bauch an die verschiedenen Geschmäcker im Fruchtwasser gewöhnen. In der Stillzeit ging das munter so weiter. Bei der Beikost habe ich bunt alles zu Brei püriert und auch schon früh ganze Gemüsestücke weichgekocht in Babyhände gedrückt (seit einiger Zeit nennt man das ja neudeutsch Baby Wed Leaning, aber das wusste ich damals nicht). Als meine Kinder mit uns dann so richtig aßen, habe ich weiter gekocht, worauf mein Mann und ich Appetit hatten. Bunt gemischt, viel Gemüse, nur mit weniger Salz und Knoblauch als sonst.

Und sie aßen alles. Sie aßen gut. Sogar Brokkoli. Und Thai-Curry.

Kinder und gesundes Essen  - Kolumne darüber, dass meine Kinder absolut kein Gemüse essen

Gesundes Gemüse? Weg damit. Und in die Suppe lässt sich auch nix schmuggeln, den Trick haben sie durchschaut.

Ha, triumphierte ich. Meine Kinder essen alles. Sie sind keine Nörgler am Essenstisch, sondern experimentierfreudig und aufgeschlossen. Sie mögen Gesundes und fragen nicht nach Süßem.

Tja.

Zu früh gefreut. Wie war das noch mal? Hochmut kommt vor dem Fall? Tatsächlich.

Es begann schleichend. Erst wurde die Petersilie von den Kartoffeln sortiert. Dann mit spitzen Fingern die Mango zurückgegeben. Und schließlich mit angeekeltem Gesicht der Brokkoli vom Teller geschubst.

Es macht mich wahnsinnig! „Mein Gemüse ess ich nicht“ ist die neue Parole meiner Kinder geworden. Ich bin ja schon froh, wenn sie Ketchup über ihre Fischstäbchen tun, ist ja immerhin Tomate drin. Wenn sie schon sonst keine Tomaten mögen. Und was mich noch wahnsinniger macht – sie ändern ihren Geschmack täglich!

Grünen Bohnen gingen immer. Sie waren meine Notlösung in Sachen Gemüse. Bohnen wurden gegessen. Sind gesund, Proteine, Vitamine, alles super. Aber von einem Tag auf den anderen hieß es: „Mama, ich mag doch keine Bohnen.“

Gibt ja noch Erbsen, dachte ich mir. Und kredenzte einen Tag später Erbsen als Gemüsebeilage. Sie kullerten lustig über den Tisch, als sie von meinen Kindern schwungvoll vom Teller geschoben wurden. Mein Tipp: Saugt die Erbsen erst am nächsten Tag weg, dann geht es besser. So wie bei Reis.

Im Kindergarten geht alles. Zuhause nix.

Dann auf einmal die Hoffnung: Mein Großer erzählte, er hätte in der Schule Nudeln mit Spinatsoße gegessen. Mein Herz machte einen freudigen Sprung! Und es klappte. Sie aßen es beide. Die Gemüsebeilage war gerettet! Denkste. Eine Woche später: Wir mögen doch keinen Spinat. „Aber in der Schule…“ wandte ich zaghaft ein.

„Da kocht auch ein professioneller Koch, da schmeckt es besser.“

So ist das also.

Das erklärt, wieso im Kindergarten alles gegessen wird. Wie die Kürbissuppe. Die ich auch zuhause nachkochte, nachdem mir die Erzieherin erzählte, mein Kleiner hätte sich dreimal nachgefüllt. Ihr könnt schon ahnen, wie es zuhause ausging? Mein Mann und ich saßen da mit sechs Tellern Kürbissuppe und die Kinder aßen trocken Brot.

Das mit dem professionellen Koch klappt übrigens beim Essengehen nicht. Kinderlogik. Denn das ist kein Kinderkoch. Den gibt es nur im Kindergarten und in der Schulmensa.

Vielleicht sollte ich eine Zusatzausbildung machen. Kinderkoch!

Bis dahin beruhigen mich zwei Sachen: Sie essen immerhin im Kindergarten vernünftig. Und Gurke geht noch. Also gibt es jeden Tag Gurke. Gurke als Beilage zum Frühstück, Gurke in der Brotbox, Gurke als Vorspeise zum Abendbrot. Und solange sie jeden Tag ihren Apfelschnitz essen… ich jedenfalls habe beschlossen: Ich koche nur noch, worauf ich Lust habe. Und entweder sie essen es. Oder sie essen halt nur Nudeln, Reis oder Kartoffeln oder Brot. Wir haben die Regel: Zwei Löffel probieren muss sein. Aber bisher ist es dabei auch geblieben – überzeugen ließen sie sich noch nie durch die Probierportionen. Soviel also auch zu diesem in Ratgebern empfohlenen Trick.

Ich gebe es zu: Dieses Gemecker und die langen Gesichter nerven! Aber sowas von! Ich habe es einfach noch nicht drauf, das zu ignorieren. Es ärgert mich. Es macht mich wahnsinnig!  Euch auch?

Wie essen Kinder gesundes Essen? Wie überzeugt man sie, Gemüse zu essen. Kolumne über Kinder und Essen. #erziehung

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10 Kommentare zu “Mein Gemüse ess‘ ich nicht: Kinder und Essen

  1. Dieses Szenario kenne ich leider auch. Auch wenn es keinem von uns hilft, zumindest ist es beruhigend, dass es nicht nur bei einem selbst so läuft. Und jetzt kommt zum Glück die Gurkenzeit. Da können sie essen, bis es ihnen zu den Ohren wieder raus kommt. Durchhalten! Sicherlich ändert sich das auch wieder.

  2. Ich musste auch lachen bei deinem Artikel, kenne ich auch alles. Mein 4 jähriger isst bei Oma alles und zu Hause nichts. „ Mama was gibt es denn zu Essen?“ Rattatoui- Eintopf mit Hack, bislang das Lieblingsgericht der Familie. „ Bäh, das mag ich nicht!“Ich glaube, da ist es fast egal, welches Gericht ich genannt hätte, die Antwort wäre immer die gleiche gewesen.Nur schon rein aus Protest. Ich bin dann immer erstaunt, wenn meine Mutter mir dann erzählt, dass er mit Wonne Erbsensuppe gegessen hat oder Linsensuppe oder Spinat. „ Hhm Oma, was riecht denn hier so lecker?“Das ist Erbsensuppe! „ Hhm lecker, die mag ich!“ Da fühlst du dich als Mutter komplett veräppelt. Hätte ich ihm das zu Hause vorgesetzt, wäre der Protest perfekt gewesen. Im Grunde, nach 15 Minütiger Diskussion und ihn das teilweise sogar reinlöffeln, isst er alles. Aber man ist selbst völlig entnervt und das eigene Essen ist kalt. Ich denke bei uns ist es eher ein Art Machtkampf geworden. Er ist sehr dünn und weiß, dass es uns sehr wichtig ist, dass er ausreichend isst. Außerdem hat er dann beim gesamten Essen die volle Aufmerksamkeit.Ich hab auch gesagt, aber bei der Oma hast du es auch gegessen und da hat es dir gut geschmeckt. „ Bei Oma schmeckt es besser, Oma kocht besser als du!“ Dankeschön, dann musst du wohl zu Oma ziehen!!! Ich hab auch schon gesagt, dann brauchst du gar nichts essen, aber etwas anderes gibt es auch nicht. Es wird gegessen was auf den Tisch kommt und es ist ja nicht so, dass man sich bei uns nichts wünschen darf. Aber ich akzeptiere es nicht, jeden Tag Trockene Nudeln, oder diese unsägliche Nudelsuppe aus der Tüte, die er übrigens von Oma kennt, oder Möhrengemüse zu kochen. Ich Händel das inzwischen wie du, ich koche, worauf wir Lust haben. Aber wenn ich sage, dann isst du halt nicht mit, aber etwas anderes gibt es auch nicht- ich bin kein Restaurant, dann ist das Geheule sich vorprogrammiert. Ist er da einfach zu verwöhnt? Wie kriege ich ihn da geknackt?

  3. Oh wie beruhigend, dass es dir auch so geht 🙈😄…. Man könnte zeitweise wahnsinnig werden. 🙄😬😏😂
    Herzliche Grüße
    Christine

  4. Ist hier genauso- hab sehr gelacht, Du scheinst meinen Esstisch zu kennen…
    Am meisten bringt mich auf die Palme wenn kategorisch vorher abgelehnt wird, was ich gekocht habe („Das schmeckt mir nicht“) und die Probierportion von zwei Löffeln mit langen Zähnen gegessen wird- um zu verkünden dass es nicht schmeckt. Man hat ja auch seinen Stolz als Kind, nech?
    Aber einen Erfolg habe ich verbuchen können: Lasagne! Nach dreimal „das mag ich nicht“ steht es inzwischen auf ihrer Essenswunschliste- und das bei allen Vieren! Manchmal gibt’s doch Licht am Horizont…

  5. Ich musste schmunzeln, wie gut kenne ich das :-) manchmal habe ich das Gefühl, es wird tatsächlich wieder besser, zumindest probiert der Große ohne größeres Murren, während ich bei den Mittleren auch das schon fast aufgegeben habe, weil es nur im Kampf endet… die Kleinste isst noch fast alles, aber das lässt auch deutlich nach und im Kindergarten wird auch nichts gegessen, erst in der Schule dann wieder… Bin froh, wenn sie mittags ein bisschen Obst (v.a. Apfel) und abends ein bisschen Gurke und Paprika essen, mehr erwarte ich schon nicht mehr :-)
    Danke für den Beitrag aus dem NORMALEN Leben :-)

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