Als wär‘ sie schon immer da gewesen – Gedanken über das Leben mit Kindern (und die Zeit vor den Kindern)

Er könne gar nicht glauben, dass seine Schwester erst vier Monate alt sei, sagte mein Großer letztens. „Es kommt mir so vor, als wär‘ sie schon immer bei uns gewesen.“ Da war er wieder dieser Satz. Der mir unzählige Male in den Kopf kam, seit ich Kinder habe. Also seit ziemlich genau sieben Jahren. Vor sieben Jahren um diese Zeit war mein Großer ganze zwei Wochen alt und ich weiß noch, wie ich eben jenen Satz zu meinem Mann sagte. Dasselbe kurz nachdem mein Kleiner auf die Welt gekommen war. Und auch jetzt beim Babymädchen  ging mir dieser Satz immer wieder durch den Kopf. Ist es wirklich erst etwas mehr als vier Monate her, dass ich diesen unglaublich dicken Bauch vor mir herschob? Und elf Tage über den Stichtag hinaus warten musste, um dieses wunderbare kleine Mädchen endlich richtig kennenzulernen? Um zu sehen, wer hinter diesen kräftigen Tritten steckte und wer da so lange auf sich warten ließ? Ja, die Zeit rast nur so an uns vorbei und Kinder machen es uns erst so richtig bewusst – da sie sich im Zeitraffer entwickeln. Kommt uns Eltern jedenfalls so vor. Aber was fast noch verblüffender ist: Kinder schaffen es im Nullkommanix, dass man sich das Leben ohne sich nicht mehr vorstellen kann. 

Gab es das eigentlich, das Leben ohne Kinder? Was habe ich da eigentlich gemacht? Wie habe ich es geschafft, dass ich nicht einging vor Langeweile? Und wieso habe ich es schon damals nicht geschafft, das Haus piccobello aufzuräumen, die Wände im Wohnzimmer neu zu tapezieren, den Dachboden auszumisten, das Arbeitszimmer neu zu gestalten, den Bestsellerroman zu schreiben und um die Welt zu reisen? Ich hatte doch alle Zeit der Welt – was hab ich eigentlich mit ihr angefangen?!

Was habe ich eigentlich in der Vor-Kinder-Zeit mit meiner Freizeit angestellt?

Heute habe ich Kinder. Drei an der Zahl. Und das Haus ist immer noch nicht piccobello aufgeräumt, das Wohnzimmer schafft es auch noch ein paar Jahre ohne neue Tapete (ist vielleicht eh besser, denn es kommen ja täglich neue Flecken hinzu), der Dachboden ist voller als ich es je für möglich gehalten habe und wie durch ein Wunder passen immer noch mehr Kartons mit abgelegten Kinderklamotten rein, das Arbeitszimmer ist kaum noch begehbar und die Handlung des Bestsellerromans liegt immer noch in der Schublade. Und die Welt, ach, die ist irgendwie gewachsen, größer geworden – um genau zu sein um drei Kinder größer. Und das ist eine ganze Menge. Mehr als ich je gedacht hätte.

Vom Gefühl, dass das Baby schon immer zu uns gehörte - Gedanken, wie sich das Leben mit Kindern verändert, was das Elternsein mit uns Eltern macht und wie schnell wir uns anpasse daran, eine Familie zu sein, Kinder zu haben. #baby #erziehung #familie

Hatte ich nicht eben noch diesen dicken Bauch? Und jetzt ist es, als ob unser Baby schon immer da gewesen wäre.

Der Mensch ist eines der anpassungsfähigsten Wesen der Welt. Er schafft es, selbst in absolut lebensfeindlichen Umgebungen zu überleben – dank der Technik, der Werkzeuge, die er geschaffen hat. Mit dem Feuer und dem Steinbeil fing es an – im Weltraum hört es noch lange nicht auf. Und genauso wie die Menschheit sich anpasst an die Umstände, passen wir Individuen uns an unsere wechselnden Lebensumstände an.

Ist es nicht eigentlich erstaunlich? Da läuft unser Leben in gefestigten Bahnen, wir haben unseren Job, einen netten Partner, ein schönes Zuhause, wissen, mit welcher U-Bahn wir morgens zur Arbeit kommen und wo es am Wochenende das beste Frühstück gibt. Und dann kommt so ein kleines Wesen auf die Welt und stellt eben diese Welt einfach mal komplett auf den Kopf.

Ein Baby verändert uns – ob wir wollen oder nicht

Egal, wie sehr wir uns vornehmen, dass sich ja nicht viel ändert, wenn ein Baby da ist und dass das Baby dann halt einfach mitmuss sonntags zum Frühstück in unser Lieblingscafé – ich sag‘ es Euch: Es ändert sich alles, wenn ein Baby kommt.

Unsere Art, die Welt zu sehen, ändert sich, unser Leben ändert sich – wir ändern uns.

Vor allem bei der Geburt unseres ersten Kindes. Denn das krempelt einfach alles um, egal, wie sehr wir an alten Gepflogenheiten festhalten und denken, wir sind noch die alten. Nein, sind wir nicht. Können wir auch gar nicht sein, auch wenn uns einreden, wir wären es noch. Nein, ich bin davon fest überzeugt: Niemand bekommt ein Baby und ist danach komplett dieselbe Person wie all die 20, 30, vielleicht auch 40 Jahre zuvor. Und das ist auch gut so.

Aber das wirklich Erstaunliche, das ist doch die Tatsache, dass so ein kleines süßes Wesen, das am Anfang nichts weiter kann als schlafen, schreien und sch… äh die Windel vollmachen (es wäre so eine schöne Alliteration gewesen, aber als Mama nehme ich solche Wörter natürlich nie in die Mund), also, das wirklich Erstaunlich ist doch, dass dieses kleine Wesen es schafft unser komplettes Leben, unser komplettes Selbst einmal auf den Kopf zu stellen – und wir nach kürzester Zeit verblüfft feststellen: Es kommt uns vor, als ob dieses Baby schon immer da war. Schon immer zu uns gehörte.

Vom Gefühl, dass das Baby schon immer zu uns gehörte - Gedanken, wie sich das Leben mit Kindern verändert, was das Elternsein mit uns Eltern macht und wie schnell wir uns anpasse daran, eine Familie zu sein, Kinder zu haben. #baby #erziehung #familie

Vier Monate erst oder schon vier Monate?!

Ja. Der Mensch ist ein Anpassungskünstler.

Und ich bin so verblüfft, dass ich so verblüfft darüber bin, verblüfft zu sein.

Nach zwei Kindern hätte ich doch wissen müssen, wie schnell sich dieses Gefühl einstellt. Und dennoch bin ich wieder überrascht darüber, dass es sich einstellt. Wie rasch sich der Moment einstellte, in dem ich mein schlafendes Baby betrachtete und dachte „Wahnsinn, als wäre sie schon immer dagewesen.“ Und ebenso verblüfft bin ich, dass es meinem Großen und seinem kleinen Bruder (der seinem Bruder zustimmte) genauso geht.

Es ist als, wäre unser Baby schon immer da gewesen

Und all diese Gedanken, die man sich vor der Geburt gemacht hat (Wie wird unser Leben sich verändern? Wie schaffe ich es, morgens drei Kinder fertigzumachen? Wie bringe ich abends drei Kinder ins Bett? Wie werde ich drei Kindern gerecht?), all die Sorgen haben sich in Luft aufgelöst, die Dinge haben sich von alleine geregelt. Was wieder zeigt: Viele Sorgen, die wir uns machen, machen wir uns umsonst. Denn vieles regelt sich einfach von alleine, wenn man nur abwartet. Und hinterher fragt man sich: Warum hab‘ ich mir da bloß so einen Kopf gemacht?! Wir Menschen sind eben Anpassungskünstler.

Und so vermisse ich es nicht, das Leben vor meinen Kindern, ich vermisse sie nicht, die Person, die ich vor meinen Kinder war. Denn das Leben ist so richtig wie es ist, in diesem Moment, mit diesem Mann, diesen drei Kindern.

Wozu brauche ich ein aufgeräumtes Haus, wenn ich drei Kinder habe?

Wozu brauche ich den Bestsellerroman, wenn ich abends auf meine drei schlafenden Kinder schauen darf?

Wozu brauche ich die Weltreise, wenn ich doch jeden Tag in den Mikrokosmos einer Pfütze oder frisch ausgesäter Kressesamen schauen darf? (und außerdem – Reisen geht ja schließlich auch mit Kindern, nur anders halt)

Es ist als wären sie schon immer dagewesen.

Vom Gefühl, dass das Baby schon immer zu uns gehörte - Gedanken, wie sich das Leben mit Kindern verändert, was das Elternsein mit uns Eltern macht und wie schnell wir uns anpasse daran, eine Familie zu sein, Kinder zu haben. #baby #erziehung #familie

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4 Kommentare zu “Als wär‘ sie schon immer da gewesen – Gedanken über das Leben mit Kindern (und die Zeit vor den Kindern)

  1. Ebenso wie Linalin gefällt mir der Artikel sehr! Allerdings fühle ich mich leider tatsächlich im Moment etwas überfordert damit, allen dreien (Babymädchen ist 11 Wochen alt…) gerecht werden zu wollen 😦 … ich hoffe das wird bald wieder besser… das Gefühl dass die Kinder schon immer da waren und alles so absolut richtig ist teile ich zum Glück aber auch! Danke für deinen schönen Blog und liebe Grüße,Katharina

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  2. Ach das ist wunderbar zu lesen und spricht mir direkt aus dem Herzen 🙂 vielen Dank für die schönen Worte. Ich folge Deinem Blog erst seit ein paar Wochen, aber ich genieße jeden Beitrag 🙂

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