„Wir machen doch ein Experiment“ – der neueste Vorwand, das Haus zu verwüsten

Meine Kinder haben ein neues Hobby: Experimente machen. Was ja an für sich eine lobenswerte Sache ist. Pädagogisch wertvoll, Interesse für Naturwissenschaften wecken und so. Ihr wisst schon. Unterstütze ich wirklich gerne, man will ja nur das Beste für sein Kind. Aber  diese Experimente haben eine Nebenwirkung: Sie hinterlassen eine Spur des Chaos. Und mir drängt sich der Verdacht auf: Sie sie etwa nur ein Vorwand, um das Haus zu verwüsten?! Unordnung unter dem Deckmantel der Wissenschaft?!

„Mama, wir machen ein Experiment“ grinst mich mein Großer an, während er mit einem vollen Wasserglas ins Esszimmer saust. Dass die Hälfte daneben geht, stört ihn nicht weiter. Der Kleine zerfetzt derweil eine halbe Rolle Klopapier und wickelt die andere Hälfte hingebungsvoll ab und zieht sie dreimal um den Esszimmertisch. Der größte Teil der Klopapierfetzen landet in einer Schüssel, wo schon eine halbe zerfetzte Zeitung liegt. Das andere Drittel der  Klopapierfetzen ist auf dem Fußboden verstreut. Was sie da machen? Papier natürlich. Ist doch logisch. Was macht man sonst mit Papierfetzen und Wasser?! Haben Sie bei der Sendung mit der Maus gesehen.

Es ist Winter, es ist kalt, dunkel und rausschicken mag ich sie nicht mit ihrem Versuchsaufbau. Also lasse ich sie. Sie lernen ja dabei. Ist doch eine sinnvolle Beschäftigung. Und sie haben so viel Spaß! Kurz darauf steht der Kleine vor mir: Sie brauchen einen Stabmixer. Um einen Papierbrei herzustellen. Auch da unterstütze ich sie noch gern. Mache aus der kleinen Sauerei eine Riesensauerei. Puhlt mal Papierfetzen aus dem Schneidewerk des Stabmixers!

Was tut man nicht alles für die Wissenschaft. Und die Zukunft der Kinder. Sollen ja so wichtig sein für die Entwicklung der Kinder, solche Experimente. Für das Verständnis der Natur. Und Naturwissenschaften überhaupt.

Nun, wenig später landet der halbe Tuschkasten im Papierbrei. Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie der Große das Nudelsieb holt. Und der Kleine das Nudelholz. Sie machen es wirklich gut und am Ende kommt auch sowas wie Papier heraus und trocknet auf der Heizung. Allerdings ist der Esszimmerboden klatschnass, überall liegen Papierfetzen, die andere Hälfe des Tuschkastens hat sich im Teppich festgesetzt, das Nudelsieb ist lila und voller Zeitungspapier, das Nudelholz hat eine grüne Farbe angenommen, ebenso das Holzbrett, was sie zum Ausrollen genommen haben. Und ich puhle immer noch Altpapier aus dem Stabmixer.

Da freut man sich über die ruhigen, äußerst beschäftigten Kinder, die auch noch was pädagogisch Sinnvolles machen und nimmt doch so ein bisschen Küchenchaos gern in Kauf!

Wenn Kinder Experimente machen und das Haus auf dden Kopf stellen - Kolumne.

Papierherstellung erfordert einiges an Nerven. Von uns Eltern.

Ich konnte ja nicht ahnen, dass das erst der Anfang sein sollte. Denn ich schenkte meinen Kindern, naiv wie ich war, das wirklich großartige Buch „365 Experimente für jeden Tag“ (Affiliate Link).  Es ist ein tolles Buch. Aber man sollte es im Sommer schenken, wenn man die  Kinder nach draußen schicken kann. Zu dieser Jahreszeit ist es eher … suboptimal. Denn meine  Kinder verstehen unter Experimente machen leider „das Haus auf den Kopf stellen“. An die Wasserschüsseln, die ständig herumstehen und in denen wahlweise die Verdunstung gemessen wird oder wie schnell ein Schneeball bei 20 Grad Raumtemperatur schmilzt, habe ich mich ja gewöhnt. Ich bin auch gut darin, schnellstmöglich ein Tuch zu zücken und die Wasserlache wegzuwischen. Solange es nur Wasser ist. Bei in Wasser aufgelösten Tuschkasteninhalten wird es schon schwieriger, aber auch das bekomme ich noch gut hin.

Unordnung im Namen der Forschung: Hurra, wir verwüsten das Haus!

Eine echte Herausforderung sind da schon braune Blätter aus dem Garten, die unter der Lupe aufbewahrt werden und ja nicht wegdürfen, weil man den Verfaulungsprozess anschauen will. Auch der angebissene Apfel durfte nicht weg, man wollte Schimmelpilze beobachten. Ich kann froh sein, dass bisher noch keine lebenden Tiere auftauchten. Schön waren auch die zerkrümelten Kekse im Wasser, bei denen man überprüfen wollte, ob sich daraus nicht noch ein neuer Keks formen lässt. Und die Tannennadeln im Wasser, die das Wasser grün färben sollten, waren auch sehr hübsch anzusehen. Letztens haben sie Seife in Apfelsaft aufgelöst, um zu vergleichen, ob das mehr schäumt als normales Wasser. Und das Backpulver im Mineralwasser war auch eine nette Idee.

So geht es munter weiter bei uns. Standardfrage von mir „Kann das weg?“ Standardantwort meiner Kinder „Nein, das ist doch unser Experiment!“

Und ich bin hin und hergerissen zwischen „das ist ja gut, da lernen die was bei“ und „wieso um alles in der Welt muss jetzt diese Sandform hier auf dem Esstisch stehen?!“ Während ich um Wasserschüsseln, in Matsch aufgelöste Knete und Apfelschnitzen unter der Lupe herumbalanciere und dabei versuche, nicht in Pfützen zu treten und herumfliegende Klopapierfetzen aufsammel, drängt sich mir der Verdacht auf, meine Kinder haben endlich einen Vorwand gefunden, das Haus zu verwüsten.

Experimente machen – juhu. Endlich können wir unter dem Deckmantel der Wissenschaft das Haus auf den Kopf stellen! Und unsere Eltern finden das auch noch gut.

Hm. Werden die Naturwissenschaften nicht überschätzt? Ich finde, nun wird es Zeit, meine Kinder an die hohe Literatur heranzuführen. So Goethezitate und so. Ein bisschen Prometheus hier und Faust da. Richtet vielleicht weniger Schaden an. Wobei, hatte Faust es nicht auch so mit Experimenten??? Hilfe, das könnte böse enden! Denn bei Faust ging es ja bekanntlich nicht so wirklich gut aus…

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2 Kommentare zu “„Wir machen doch ein Experiment“ – der neueste Vorwand, das Haus zu verwüsten

  1. Haha, herrlich!
    Bei uns gibt es hier ja auch quasi täglich Experimente und meine Kleine liebt es sehr! Gerade die mit Wasser macht sie auch immer sehr gern… ;-) Falls ihr noch mehr Ideen braucht, schaut gern auf meinem Blog vorbei.
    Viele Grüße, Becky

  2. Finde ich super das du sie einfach machen lässt und sie so frei herum experimentieren lässt, da gibt es nämlich auch andere, wo die Sauberkeit des Hauses mehr wert ist als das Lernen und leben der Kinder ♡

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