Vom Wochenbett-Zauber im Dezember

Psssst, ich melde mich hier aus unserer kleinen Blase, während das Baby schläft. Wir leben hier gerade in einer Art Kokon, in einer Zeitkapsel, wenn man so will. Das Wochenbett ist eine besondere Zeit, eine Zeit, in der die Zeit irgendwie stillsteht. Nun, diesmal beim dritten Kind nicht so richtig still. Denn natürlich muss der Große weiterhin morgens in die Schule und nachmittags seine Hausaufgaben machen und ebenso geht der Kleine weiterhin in den Kindergarten. Aber die Vormittage alleine mit Baby unterliegen einem besonderen Zauber – ebenso die Nachmittage, die wir zurzeit ohne Verabredungen und besondere Aktivitäten gestalten. Nur wir fünf, viel Kuschelei, viel Vorlesen, gemütliches heiße Milch vorm Adentskranztrinken. Alles ist verlangsamt, manchmal wie in Zeitlupe. Und trotzdem rast die Zeit – ist unser Baby nicht gerade eben erst auf die Welt gekommen? Hatte ich nicht eben noch diesen unwahrscheinlich dicken Bauch?! Und schon sieht sie so anders aus als auf den Fotos der ersten Stunden – und ruckzuck ist es da, das Gefühl, als sei unser Babymädchen schon immer bei uns gewesen. Und da ist es wieder, dieses merkwürdige Gefühl, diese Mischung aus Melancholie („sie werden so schnell groß, Hilfe, ich will die Zeit anhalten!“) und Neugier („wie wird sie wohl werden?“) und Vorfreude auf die ganzen Meilensteine, die folgen werden. Das erste bewusste Lächeln wird heiß ersehnt. Das erste Greifen, die ersten Drehversuche, das Robben, all diese Entwicklungsschritte, die einem einerseits zeigen, wie schnell unsere Kinder groß werden – und andererseits mit Stolz erfüllen, als ob wir es selbst sind, die gerade zum ersten Mal vom Rücken auf den Bauch gekullert sind!

Jeden Moment mit dem Neugeborenen genießen

Dieses dritte Baby ist höchstwahrscheinlich mein letztes Baby (wobei man ja nie nie sagen sollte… die Strapazen der letzten Schwangerschaftswochen und diese fiesen Presswehenschmerzen sind schon lange vergessen) und in mir drin ist dieses übermächtige Gefühl: Ich möchte jede Sekunde genießen. Den Moment auskosten, wenn ich ihn schon nicht anhalten kann. Immer und immer wieder schnupper ich, nein, inhaliere ich diesen einmaligen Neugeborenengeruch. Immer und immer wieder streichel ich über diese federweichen Haare, die nur Neugeborene so haben. Immer und immer wieder bestaune ich diese kleinen Finger, diese kleinen Füßchen und wundere mich, wie dieses Baby in meinen Bauch passte. Ich kann eine Stunde damit verbringen, meiner Maus beim Schlafen zuzuschauen. Oder ihr Geschichten zu erzählen, dabei lustige Grimassen zu schneiden und mich über jeden direkten Blickkontakt zu freuen.

Mir geht das Herz auf, wenn meine Jungs an den Nachmittagen anfangen mehr und mehr mit ihr zu interagieren, sie zu streicheln, sie auf den Schoß nehmen wollen. Der Große war sofort verliebt in seine Schwester – der Kleine brauchte etwas Zeit. Im Krankenhaus fand er das höhenverstellbare Bett und die dazugehörige Fernbedienung mit den vielen Knöpfen spannender. Aber nun taut auch er auf und sucht die Nähe seiner kleinen Schwester. Abends wollen die Jungs ihr unbedingt gute Nacht sagen, morgens vor dem Hausverlassen unbedingt noch einmal tschüß und das erste, was sie sagen, wenn sie nach Hause kommen „Wo ist unsere Schwester?“.

Zauber im Wochenbett, Geschwisterliebe

Geschwisterliebe.

Wir kuscheln uns hier ein in unsere kleine Welt.

Wochenbett im Dezember passt perfekt

Das Wochenende verbrachten wir im Haus, es zog uns nicht nach draußen. Stattdessen saßen wir auf dem Sofa, aßen viele Kekse und Lebkuchen, tranken Tee und ließen die Jungs ihr Kinderzimmer verwüsten. Aufräumen können wir später noch, können wir noch unser ganzes Leben. Was gerade zählt, ist der Moment. Das Ankommen. Das Kennenlernen. Das Kuscheln. Das Wiederaufdiebeinekommen. Ich bin überraschend fit, viel fitter als nach den beiden anderen Geburten – aber ich zwinge mich geradezu dazu, nicht zu viel zu machen. Den Haushalt und das Einkaufen überlasse ich dem Gatten. Das ist jetzt mein Wochenbett, mein Zauber, meine Zeit, mich zu erholen.

Ich mag dieses Abschotten, merke grad, wie ich es brauche. Der Dezember ist auch ein dankbarer Monat für das Wochenbett! Denn man kann diese Gemütlichkeit gerade zu dieser Jahreszeit wunderbar zelebrieren, das Adventskranzanzünden, das Knabbern von Nüssen und Plätzchen, der warme Tee mit all den Gewürzen. Dazu das geschmückte Haus, was einem das Einkuscheln noch leichter macht. Und dann die Vorfreude auf Weihnachten und auf die Zeit „zwischen den Jahren“, die ebenso wie das Wochenbett, eine besondere Zeit ist, in der die Zeit stillsteht, alles ruhiger wird, man selbst ruhiger wird.

Der Zauber im Wochenbett - einfach nur g enießen

Ich könnte ihr stundenlang beim Schlafen zuschauen.

Es ist ein ganz besonderer Zauber, den man nur im Wochenbett hat. So viele Dinge werden nebensächlich. Es tut gut, sich einfach mal zurückzuziehen. Auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Vorfreude auf die ersten Spaziergänge mit Baby

Aber nun merke ich auch, dass es mich doch wieder nach draußen zieht. Komplett will ich den Zauber nicht unterbrechen. Am liebsten würde ich ihn festhalten, konservieren! Aber meine Lebensgeister regen sich, mein Körper will auch mal wieder in Bewegung gesetzt werden. Und auch den Weihnachtsmarkt möchte ich noch einmal besuchen, bevor er abgebaut wird. Nicht grad zur Rushhour, aber ganz gemütlich, wenn nicht so viel los ist. Also werde ich morgen oder übermorgen mal die Kinder mit dem  Baby zusammen von der Schule und dem Kindergarten abholen. Die ersten Schritte außerhalb unserer Kuschelblase unternehmen. Und ich freue mich auf die Spaziergänge mit Kinderwagen oder Babytrage, die noch vor mir liegen. Denn ich habe sie mit den beiden anderen Kindern immer geliebt. Die frische Luft, die Bewegung!

Nun werde ich mal weiterkuscheln, weiter unseren Kokon genießen, den Wochenbettzauber. Mein Baby schläft gerade, aber sie rekelt sich schon, so genüsslich wie es nur Babys können. Für diesen Text habe ich ewig gebraucht, weil ich immer wieder meine Kleine anschauen musste – immer wieder staunen musste, sie verzückt anstarren musste . Diese süßen Babygrimassen! Wie sie ihre Arme reckt, wenn sie aufwacht!

Ich genieße hier noch ein wenig den Zauber. Und das Gute ist ja, bei diesem dritten Baby: Ich weiß, dass so viele spannende Entwicklungsschritte folgen werden. Und das jedes Alter süß ist (sogar mit ihren vier und sechs Jahren sind meine Jungs noch Zucker!), jede Phase ihre eigenen Vorteile hat – und dieses Wissen hilft, nicht allzu melancholisch den „Sie werden so schnell groß, ich will die Zeit anhalten„-Gedanken nachzuhängen.

Das Wochenbett und die erste Zeit mit Neugeborenen Baby genießen: Tipps für das Kuscheln und Gedanken über das Besondere Ankommen

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3 Kommentare zu “Vom Wochenbett-Zauber im Dezember

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