Meine Kinder schlafen nicht alleine ein – na und?! Plädoyer fürs Einschlafkuscheln

In letzter Zeit lese ich immer wieder Texte und Posts in sozialen Medien von Eltern, die sich fragen, wie sie ihre Kinder zum Alleine-Einschlafen bewegen können. „Hilfe, mein Kind schläft nicht alleine ein!“ oder „So helfen Sie Ihrem Baby alleine einzuschlafen“ oder „Ab welchem Alter sind Eure Kinder alleine eingeschlafen?“ Und manches Mal sind die Mütter richtiggehend verzweifelt, weil ich noch nicht mal einjähriges Baby nur mit Kuscheln und Körperkontakt einschläft. Wer sagt eigentlich, dass Babys und kleine Kinder alleine einschlafen müssen? Woher kommt der gefühlte Druck, die Kinder so schnell wie möglich ans alleine Einschlafen zu gewöhnen? Meine Kinder schlafen immer noch nicht alleine ein – na und? Auch wenn es mich manchmal nervt und ich auch das ein oder andere Mal gerne früher „Feierabend“ hätte – ich mag das Einschlafkuscheln. Und finde gar nichts Ungewöhnliches an diesem Einschlafritual.Schon als Baby schliefen meine  Jungs nur in meinem Arm ein. Und wachten zumindest tagsüber mit verlässlicher Regelmäßigkeit wieder auf, sobald ich sie ablegte. Kommt Euch bekannt vor? Ist auch absolut normal.  Beim ersten Kind versuchte ich es noch zu ändern, beim zweiten versuchte ich es gar nicht erst. Und fand es auch gar nicht mehr so schlimm. Irgendwie kuschelig,  gemütlich. Das Einschlafprozedere ging so weiter. Selbst als wir das (zugegeben unglaublich bequeme) Einschlafstillen abgewöhnt hatten,  schliefen meine Jungs nur nach ausgiebigen Einschlafkuscheln ein.

Einschlafritual: Es gibt kein Richtig und Falsch. Kinder müssen nicht alleine einschlafen können. #baby #familie #erziehung

Unser Einschlafritual hat sich bis heute nicht geändert: Wir lesen eine Geschichte oder ein, zwei Kapitel aus einem Buch. Manchmal erzähle ich noch eine Geschichte oder der Papa (der da sehr großartig drin ist!) und dann wird das Licht ausgemacht. Und gekuschelt. Ein Kind links von mir. Ein Kind rechts von mir. Beide haben ihre Kuscheltiere im Arm und kuscheln sich an mich.

Und je nachdem, wie der Tag war, wie müde sie sind, wird dann geschlafen. Mal nach fünf Minuten, mal erst nach einer Viertelstunde. Und viel zu oft schlafe ich mit ein. Kennt Ihr? Gerade in den ersten Monaten von der dritten Schwangerschaft bin ich regelmäßig mit eingenickt und habe mich dann irgendwann gleich mit den Kindern zusammen bettfertig gemacht, um dann einfach liegenzubleiben.

Kinder müssen nicht alleine Einschlafen können

Manchmal, je nach Tagesform, kann ich schon aus dem Bett schleichen, während sie noch am Einschlafen sind. Dann murmeln sie ein „Wo gehst du hin, Mama?“ und ich murmel‘ ein „Ich bin gleich wieder da, schlaf ruhig schon mal ein“ und sie nicken, halten das Kuscheltier fest und schlafen tatsächlich alleine ein. Das klappt immer häufiger. Aber an manchen Tagen geht es nicht. Da wollen sie mich nicht gehen lassen. Der Große hat grad so eine Phase, wo er Angst davor hat, dass nachts Einbrecher kommen könnten – und will deshalb nicht so gern alleine einschlafen. Kann ich verstehen. Und habe im Hinterkopf das Wissen: Solche Phasen gehen vorbei.

Und ja, ich gebe es ganz offen zu: Manchmal nervt es mich ganz gewaltig, dass ich da im Bett liege und warten muss, bis die Kinder schlafen! Da will ich nichts anderes mehr, als auf dem Sofa sitzen und lesen oder stricken. Da sehne ich mich nach Feierabend, nach etwas Zeit für mich und beneide den Gatten, der schon nach dem Gute-Nacht-Kuss seinen Papa-Feierabend genießen kann. Denn Einschlafkuscheln, das war hier von Anfang an klar, ist Mama-Chefsache.

Manchmal bin ich echt genervt und wenn die Kinder dann so gar nicht schlafen wollen (meistens genau an den Abenden, wo ich abends noch dringend arbeiten muss, als Freiberuflerin steht manchmal abends noch ein Text an, der getippt werden muss, Kinder merken sowas), dann kann ich auch echt sauer werden, wenn sie sich rumwälzen und noch mal was trinken wollen oder nicht aufhören zu sabbeln. Dann kann ich auch nicht mehr geduldig auf Fragen antworten, die Kindern abends im  Bett so einfallen. Da bin ich kurz davor, sie anzufauchen: Verdammt noch mal, schlaft endlich ein! Und manchmal tu ich das auch. Dann stehe ich entnervt auf und geh ins Wohnzimmer und sage: Kommt doch mit aufs Sofa oder schlaft hier alleine.

GEschwisterstreit, Geschwisterliebe, Brüder, Carrerabahn

Manchmal lasse ich sie auch einfach noch im Wohnzimmer sitzen und spielen… um meinen Feierabend zu haben…

Ich glaube, so geht es jedem Mal, das kommt wahrscheinlich jedem bekannt vor und ist auch total normal. Finde ich. Ich bin ja auch nur ein Mensch! Und jeder braucht mal Feierabend!

Aber meistens genieße ich diese abendliche Ruhe. Mag ich die Fragen, die den Kindern im Dunkeln einfallen. Ich liebe diese Gemütlichkeit, wenn sich zwei Kinder an einen kuscheln und zur Ruhe kommen. Und ich mag auch die Müdigkeit, die dann in einem selbst hochkommt, in dieser ganzen Einschlafritual-Gemütlichkeit. Ich schalte selbst ab in diesen Minuten, die einem im Nachhinein eh meist länger vorkommen, als sie tatsächlich sind. Ich genieße das Einschlafkuscheln und immer öfter denke ich in letzter Zeit: Wer weiß, wie lange sie es noch wollen. Denn je älter meine Kinder werden, umso mehr wird mir klar: Die Zeit rast. Und Kinder werden so schnell groß! Der Tag wird kommen, an dem sie in ihr Zimmer gehen, die Tür schließen und noch nicht mal einen Gute-Nacht-Kuss für ihre Eltern übrig haben. Dann habe ich meinen Feierabend.

Eines Tages werde ich das Einschlafkuscheln vermissen

Und ich weiß schon jetzt: Wenn dieser Tag kommt, dann werde ich es vermissen, das Einschlafkuscheln, das gemütliche Runterkommen vom Tag, dieses Einschlafritual. Da werde ich mir nichts sehnlicher wünschen als eine vor Müdigkeit schwere Kinderhand, die sich auf meinen Arm legt und mich festhält. Und bis es soweit ist, werde ich es genießen. Und mir nicht zu viele Gedanken machen, ob das nun normal ist oder nicht oder ob mein Kind nun nicht endlich mal lernen sollte, alleine einzuschlafen.

Und ist es nicht auch nachvollziehbar, wenn Kinder nicht alleine einschlafen wollen? Ich mag es selbst heute nicht, im dunklen Zimmer zu liegen. Ich schlafe schlechter, wenn mein Mann nicht da ist. Ist das nicht normal? Geht es uns Erwachsenen nicht auch so? Wieso wollen wir dann unseren Kindern auf Teufel komm raus zumuten, alleine im Dunkeln zu liegen und alleine einzuschlafen?

Na also.

Und ich bin eh der Überzeugung: Mit Druck erreicht man meistens gar nichts. Also einfach abwarten, genießen, die positiven Seiten sehen und eines Tages löst es sich von selbst. Lasst den Kindern die Zeit, die sie brauchen, habe ich einmal in einem anderen Text geschrieben – das Gras wächst nicht schneller, wenn man dran zieht – und das ist auf vieles übertragbar.

Meine Kinder sind jedenfalls nicht weniger selbständig als andere Kinder und auch ansonsten merke ich keine bleibenden Schäden bei ihnen.

Es gibt kein Richtig und Falsch -sondern nur zwei verschiedene Methoden einzuschlafen

Übrigens schreibt auch der von mir sehr geschätzte Remo Largo in seinem ewigen Bestseller „Babyjahre: Entwicklung und Erziehung in den ersten vier Jahren„, dass es einfach zwei verschiedene Arten sind, einzuschlafen, aber dass es kein Richtig und Falsch gibt. Sondern einfach nur ein Andersmachen. Es gibt beim Einschlafen also kein richtiges Einschlafen und falsches Einschlafen. Beide Arten sind richtig und normal – das begleitete Einschlafen und das Alleineeinschlafen. Und deshalb sollten wir uns keine Gedanken machen und uns nicht selbst unter Druck setzen, dass unsere Kinder jetzt endlich mal das Alleine-Einschlafen lernen sollten. Zumindest solange uns das Einschlafkuscheln nicht stört. Denn ist es nicht das, worauf es ankommt? Dass es uns und den Kindern gut dabei geht, so wie es ist.

Und solange Ihr kein Problem mit dem Einschlafkuscheln habt, müsst Ihr Euch auch nicht unter Druck setzen. Denn jeder hat seinen eigenen Weg! Und wenn Euch die Länge des Einschlafkuschelns auf die Nerven geht, aber das Einschlafkuscheln an sich nicht: Dann überlegt doch,  den Einschlafzeitpunkt zu verschieben. Oder den Mittagsschlaf zu verkürzen. Oder ganz wegzulassen. Aber solange das Einschlafkuscheln für Euch okay ist, müsst Ihr Euch auch durch nichts und niemanden unter Druck setzen lassen!

Denn, sind wir nicht alle ganz normale Mamas?

Und dazu gehört auch, dass Ihr kein schlechtes Gewissen haben müsst, wenn Ihr das Einschlafkuscheln nicht jeden Abend gleich gut genießen könnt – denn auch das ist normal.

Plädoyer fürs Einschlafkuscheln: Es ist ganz normal, auch bei Schulkindern und kein Grund zur Sorge. Mehr Gelassenheit beim Einschlafritual und Insbettbringen. #erziehung #kinder

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21 Kommentare zu “Meine Kinder schlafen nicht alleine ein – na und?! Plädoyer fürs Einschlafkuscheln

  1. Ein super Beitrag! Wir kuscheln auch jeden Abend mit unseren beiden Engeln bis sie eingeschlafen sind, mal ich, mal der Papa, immer im Wechsel. Die Kleinen fühlen sich dabei geborgen und fordern die Nähe auch ein. Und wir geben sie ihnen nur zu gern, denn wir genießen die Kuschelzeit abends auch sehr. Genau wie du schreibst, ein Kind in jedem Arm :)

    Bei dem Gedanken an ein eventuelles drittes Kind frage ich mich regelmäßig, wie diese Kuschelzeit dann weiter funktionieren kann, ich habe ja nur zwei Arme. Wie ist da inzwischen deine Erfahrung mit drei Kids?

    Viele Grüße, Natalie

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