Trotzphase reloaded: Der Wutzwerg ist zurück

Ich dachte, wir hätten es geschafft und die Trotzphase hinter uns gelassen. Nun bin ich schlauer. Man sollte den Tag nie vor Abend loben, heißt so ein altes Sprichwort – und wie alle Sprichworte hat auch dieses einen wahren Kern… „Unser Kleiner hat die Trotzphase hinter sich“ hatte ich vermeldet. Nun, das war wohl etwas voreilig. Denn der Wutzwerg ist wieder da! Und er ist immer noch genauso gut darin, mich in den Wahnsinn zu treiben…

Da denkt man sich nichts Schlimmes, will den Kindern doch nur was Gutes tun und geht nach Kindergarten und Schule gemütlich Eis essen. Das Wetter ist schön, die Sonne scheint und jeder darf sich seine Lieblingssorte aussuchen. Das könnte doch ein schöner Nachmittag werden. Denkste. Denn der Wutzwerg sieht es anders und kommt ruckzuck zu Besuch, kaum ist man einige Schritte mit dem Eisbecher in der Hand gegangen. „Ich wollte aber Eis in der Waffel“ heut das Kind laut los, das eben vor zwei Minuten in der Eisdiele noch ein Eis im Becher gefordert hat. Es ist ihm total egal, was er eben noch wollte, was zählt ist das JETZT und jetzt will er eben Eis in der Waffel.

Wer ein dreijähriges Kind hat, weiß, von was ich hier spreche. Es ist nicht einfach nur ein Maulen, es ist ein Drama, ein Theater, das Schlimmste, was heute passiere  konnte. Es wird geweint und getobt und dabei vergessen, das Eis zu essen – so dass wenig später, nachdem sich der Ärger über die nicht vorhandene Eiswaffel gelegt hat, das  nächste Drama aufpoppt: „Ich wollte aber kein geschmolzenes Eis!“

Und das eben frisch beruhigte Kind fängt wieder an wie eine Sirene zu heulen.

Das war wohl nichts mit dem gemütlichen Nachmittag, den ich mir in der Theorie so schön ausgemalt hatte.

Kleinkind in der Trotzphase: Wenn der Wutzwerg zu Besuch kommt

Ich will aber nicht! Und schon geht es los. Der Wutzwerg ist zu Besuch.

Die Trotzphase zerrt an meinen Nerven

Die Wogen hatten sich gerade schon geglättet, da geht es los zum Spielplatz und beim Spielplatzsachen einpacken kann man ja eine Menge Fehler machen. Ich hielt mich immer für recht erfahren auf diesem Gebiet (man hat ja seine Erfahrungen), aber wer einen kleinen Wutzwerg in der Trotzphase im Hause hat, weiß, dass es ein vermintes Gebiet ist. Ein Fehler und die Bombe geht hoch. Entschuldigt diesen martialischen Vergleich, aber er hat seine Berechtigung.

Es war der falsche Bagger. Ich wagte es, den grünen Bagger in die Tüte zu werfen und die rote Schaufel. Er wollte den roten Bagger und die grüne Schaufel. Da kann man ja als Mutter mal durcheinanderkommen, vor allem, wenn da zwei Jungs sind, die die Tüte ein- und wieder auspacken und nebenbei noch was trinken und auf Klo gehen wollen. Ganz abgesehen von dem Synchrongeplapper. Aber wem erzähl ich das – Ihr wisst, was ich meine, oder?!

Da stehen wir also vor der Tür mit Sack und Pack und der Dreijährige hat die Sirene wieder ausgepackt: „Ich will aber den roten Bagger.“ Dass  abgesehen von der Farbe genauso aussieht wie der grüne, ist jetzt nebensächlich. Für Argumente sind Kinder in der Trotzphase nicht zugänglich. Sachliche Argumente sind eher kontraproduktiv, sie könnten den Wutanfall noch steigern.

Ganz ehrlich? Ich weiß, was ich in der Theorie jetzt machen sollte. Ich weiß, dass ich meinem kleinen Wutzwerg Verständnis gegenüber zeigen sollte. Ich kenne das mit der Konsequenz und so. Aber ich bin auch nur eine Mutter. Und dazu noch eine Hochschwangere, die sich eigentlich schonen soll. Und auch meine Nerven sind bei allem Humor nur begrenzt vorhanden.

Pädagogisch korrekt ist auch nicht immer die Lösung

Und in diesem Fall lagen meine Nerven blank. Drei Trotzanfälle innerhalb von einer halben Stunde? Die ruinieren selbst die härtesten Stahlseil-Nerven. Nein, ich hatte einfach keinen Bock mehr auf pädagogisch korrekt. Ich wollte ehrlich gesagt einfach nur meine Ruhe. Und kein schreiendes Kind. Einen gemütlichen Nachmittag mit anderen netten Müttern auf dem Spielplatz und friedlich spielenden Kindern. Und ich wollte auch keine vorzeitigen Wehen, denn ich merkte schon, wie sich in mir die Gebärmutter zusammenziehen wollte und auch meine Nerven wollten einfach nur schreien „Halt doch mal die Klappe, es ist doch schietegal, welche Farbe der blöde Bagger hat“.

Kennt Ihr, oder?

Also sch… auf pädagogisch korrekt. Rein ins Haus, Bagger ausgetauscht, Kind zufrieden und mein Blutdruck legte  sich auch langsam wieder.

Ein ganz normaler Nachmittag mit einem Dreijährigen.

Dass das nicht der letzte Wutanfall an diesem sonnigen Tag war, muss ich glaube ich nicht weiter ausführen, oder?!

Dabei hatte ich wirklich geglaubt, wir hätten diese Trotzphase hinter uns. Es war so verheißungsvoll ruhig geworden. Der Kleine war so verständig. So friedlich. Zugänglich für Argumente. Und so schrieb ich hier in einem Schwangerschaftsupdate auch total begeistert davon, wie zuversichtlich ich bin, dass es alles gut wird, wenn das Baby da ist.

Womit wir wieder beim Thema „den Tag nicht vor dem Abend loben“ wären.

Mit voller Wucht ist sie dann auf einmal wieder da, die Trotzphase. Ich hoffe ein bisschen, dass es am Ferienende liegt und daran, dass er nun im Kindergarten in der Gruppe der „Großen“ ist und die Tage dort anstrengender sind als früher. Und ich beruhige mich damit, dass sich das alles noch einspielt und er ganz bald wieder der alte, friedliche kleine Mann ist. Wir haben ja noch Zeit bis November, da kann sich ja viel tun. Könnte. Sich. Theoretisch. Viel. Tun. Oder eben auch nicht. Denn Zeit fliegt ja bekanntlich dahin und im Falle eine Schwangerschaft noch viel mehr.

Ich versuche mich aber weiterhin im Optimismus und rufe Euch zu: „Nie den Humor verlieren!“ Mein Credo für schwierige Momente. Nun, ich gebe es zu: Es gibt diese Wutanfälle, da ist auch mein Humor einfach nicht mehr auffindbar. Es gibt diese Momente, die einfach nur anstrengend sind. Verdammt anstrengend, in denen man die Zähne zusammenbeißt, auch mal die Contenance verliert.

Aber es wird schon. Der Wutzwerg hat noch sieben Wochen Zeit, wieder zu verschwinden und meinen kleinen süßen Mann in Ruhe zu lassen. Drückt die Daumen!

Willkommen bei der ganznormalenMama! Wollt Ihr  familienfreundliche Reisetipps? Oder kinderleichte Rezepte? Oder Lustiges, Nachdenkliches aus dem Mamaalltag? Dann stöbert im Archiv und folgt mir auf Facebook, bei Instagram oder Pinterest – ich freue mich auf Euch!

Und wusste Ihr, dass mein neues Buch „Willkommen Geschwisterchen: Entspannte Eltern und glückliche Kinder demnächst erscheint und schon jetzt vorbestellbar ist? Ein undogmatischer Erziehungsratgeber zum Thema „Zweites Kind“ – humorvoll und praxisorientiert.

Kleinkind in der Trotzphase: Erziehung ist nicht immer leicht, auch nicht mit Humor. Wenn der fast vierjährige wieder Trotzanfälle hat und die Autonomiephase doch nicht vorbei ist.

4 Kommentare zu “Trotzphase reloaded: Der Wutzwerg ist zurück

  1. Ich kann dich so gut verstehen. Unsere ist erst 2 einhalb und wir haben wohl noch einiges vor uns…. sie treibt mich momentan einfach nur in den Wahnsinn und dieses „Verständnis aufbringen“ fällt auch mit jedem neuen Anfall am Tag echt immer schwieriger 🙊
    Ich drücke dir die Daumen, dass der Wutzwerg sich bald verzieht!!!

    Gefällt mir

Was denkst Du?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s