Unsere Einschulung – und wieso wir kein Brimborium veranstaltet haben

Da winkt er noch einmal, hält die Schultüte fest und schwupps ist er schon auf und da von. Auf ins Klassenzimmer. Und wir bleiben einfach sitzen und sehen ihm nach. Unser Sohn ist ein Schulkind. Nach seiner ersten Schulstunde zeigt er uns stolz seinen Klassenraum – die erste Reihe hat er sich zum Sitzen ausgesucht. Gute Wahl. Was für ein Vormittag und man wusste nicht – wer ist jetzt aufgeregter, die Eltern oder das Kind? Wie unsere Einschulung ablief und wieso wir uns dafür entschieden haben, einen schönen Tag zu verbringen aber ohne große Feier, Hemd und Brimborium?

Hier in der Stadt beginnt die Einschulung traditionell mit einem Gottesdienst. Der Weg dorthin: Regnerisch. Um nicht zu sagen: Verdammt regnerisch. Es schüttete aus Kübeln und um die Dino-Schultüte, die mein Mann und ich unter Einsatz einer Heißklebepistole zusammengebaut hatten, vor der Auflösung zu schützen, stülpten wir kurzerhand einen Gelben Sack drüber. Nicht schick, aber praktisch.

Einschulung ohne Brimborium: Wieso wir die Einschulung minimalistisch und gemütlich feierten und uns einfach einen schönen Tag machten.

Der Gottesdienst Nun ja. Ich finde, er hätte etwas kindgerechter sein können. Mit Liedern, die die Kinder kennen und ein paar aufmunternden Worten. Stattdessen eine Geschichte aus der Bibel, die etwas im Gewusel unterging und Lieder, die keiner kannte außer den beiden Pastoren. Aber dann ging es ja erst so richtig los! Rüber in die Schule, die Aula, wo die Einschulungsfeier stattfinden sollte. Alle im Gänsemarsch, die aufgeregten  Mamas, die fotografierenden Papas und Opas und Omas. In der Aula dann die erste große Aufgabe: Geben Sie Ihr Kind in den ersten drei Reihen ab, wo es sich zu seiner Klasse setzt und setzen Sie sich selbst bitte woanders hin, ohne im Weg zu stehen. Klappte mittelmäßig.

Wem es schwerer fiel, sich zu trennen? Den Eltern. Wieso es alles etwas später losging? Weil nicht jeder verstanden hatte, dass man sich hinsetzen und nicht im Weg rumstehen soll. Theaterstückchen der Zweitklässler, eine angenehm kurze Begrüßungsrede und dann …

… kam der Teil, den ich nicht so gut fand.

Denn die Kinder wurden nach dem Namen aufgerufen und mussten alleine nacheinander auf die Bühne gehen, Schulranzen und Schultüte mit dabei. Ausgerechnet mein Großer war das allererste Kind, was aufgerufen wurde… Er meisterte das richtig gut, vor ein paar  Monaten hätte ich das nicht für möglich gehalten. Doch nicht allen Kindern fiel es leicht -und ich kann es so gut verstehen. Alle Augen auf einen gerichtet, komplett neue Umgebung und dann vor bestimmt 300 Leuten auf eine Bühne klettern, einen viel zu großen Schulranzen auf den Rücken und eine viel zu große Schultüte in der Hand.

Nein. Das fand ich nicht gut. Wieso konnte man nicht einfach sagen: Alle aus der 1a bitte auf die Bühne und gut ist?! Wozu dieses ins Rampenlicht stellen? Gesteigert wurde das beim „Auszug aus der Aula“: Nacheinander zogen sie durch den Gang an allen Eltern und Großeltern vorbei, während laute Musik lief und der Saal rhythmisch klatschte. Totale Überforderung bei einigen, die in Tränen ausbrachen.

Muss das sein? Ist die Einschulung nicht so schon aufregend genug? Versetzt Euch doch mal in ein sechsjähriges Kind hinein: Ich kann gut nachvollziehen, dass es für manche zu viel war.

Richtig begeistert sah mein Großer auch nicht aus, aber er winkte tapfer und zog von dannen. Und ich dachte: Wow. Er ist ein großer Junge.

Weiso wir die Einschulung ohne Brimborium und große Einschulungsfeier gestalateten und unsere Schultüte auch eher spartanisch gefüllt war - und wir trotzdem einen gemütlichen Tag ganz im Sinne des kindes hatten.

Dem Ereignis Einschulung Leichtigkeit verleihen statt übermäßige Schwere

Wie unser Einschulungstag sonst aussah? Ganz im Sinne meines Kindes. Er stand im  Mittelpunkt. Was bei uns aber nicht heißt: Wir machen ihm zu Ehren eine große Feier mit 20 Verwandten. Sondern: Wir machen uns einen schönen Tag. Er wünschte sich Pfannkuchen zum Mittag, die es als Mittagstisch in einem Restaurant hier gibt. Mit der Oma ging es dorthin. Und dann ab nach Hause, wo es noch ein bisschen Kuchen gab, den ich gestern schon gebacken hatte. Ansonsten sah unser Einschulungsprogramm vor: Spielen. Spielen. Spielen. Die Schultüte auspacken (die wir auch eher sparsam  mit einem Mix aus Nützlich und Schön befüllt hatten), sich freuen, die ersten Rätsel im Rätselheft lösen, was in der Schultüte war, das kleine Legoset aufbauen, was ebenfalls drin war, was man halt so macht. Fürs Abendessen durfte sich das Schulkind etwas wünschen: Maultaschen. Also alles einfach, unkompliziert und ruhig. Und vor allem: Wie es ihm gefällt.

Denn es ist sein Tag. Und ja, die Einschulung ist ein besonderer Tag. Aber wir leben eher nach dem Motto „Jeder Tag ist besonders“ und sind nicht so die Typen für besonders große Feierlichkeiten  (Hochzeiten, Kindergeburtstage und natürlich Weihnachten und Ostern ausgenommen). Der Alltag ist es, der besonders sein soll, der schön sein soll.

Und vor allem wollte ich eines nicht: Das Ereignis Einschulung noch aufregender machen als es eh schon ist. Ich wollte dem Schulbeginn nicht die Leichtigkeit nehmen. Das Ereignis nicht überladen und überfrachten. Schon gar nicht das Gefühl aufkommen lassen: Hier beginnt der Ernst des Lebens. Und auch das mit dem neuen Lebensabschnitt wollte ich nicht überbetonen.

Die Einschulung feiert jeder anders – und es gibt kein Richtig und Falsch

Ich weiß, es handhabt jeder anders und das ist auch gut so. Jede Familie wählt das, was zu ihr passt. Und zu ihrem Lebensstil. Ich finde hier auch nichts richtig und falsch und will das auch gar nicht beurteilen. Aber ich will unsere Sicht der Dinge darlegen – wieso wir aus der Einschulung einen entspannten Tag machten statt einer großen Familienfeier.

Das fing bei der Kleidung an: Ordentlich, ja. Zur Feier des Tages kaufte ich gestern noch eine neue Jeans, denn Sohnemann hatte sonst nur welche mit Löchern. Und der Pulli wurde auch erst nach dem Frühstück angezogen, damit er fleckenfrei blieb. Aber bei uns gab es kein Hemd, keine Krawatte, kein Extraschick machen. Das wären nicht wir, das wäre eine Verkleidung gewesen. Ordentlich, nicht abgerissen, aber nicht übertrieben. Mein Sohn sollte sich wohl fühlen – das war das Wichtigste. Ihn bei aller Aufregung noch zusätzlich mit ungewohnter Kleidung verunsichern? Nein, das wollte ich nicht.

Die Einschulung ist ja so schon ein sehr aufregendes Ereignis. Schon allein für uns Eltern! Wie muss es dann erst für die Kinder sein?! Ich fand den festlichen Rahmen der Schulveranstaltung ausreichend. Den mussten wir nicht zuhause weiterführen. Hätte mein Sohn sich wohlgefühlt an einer Kaffeetafel, wo alle Verwandten herumsitzen und jeder ihn fragt, ob er sich auch auf die Schule freut? Hätte mein Sohn es gut gefunden, in einem guten Restaurant zu sitzen und schick zu essen? Beides eher nicht. Wir wählten also das, was zu ihm und zu uns passt: Ungezwungen essen gehen. Zuhause Kuchen essen und Spielen, was das Zeug hält. Es ist sein Tag und genau das verstehe ich darunter.

Der Schulbeginn ist so schon spannend genug. Und aufregend genug. Ich wollte die Einschulung nicht noch weiter betonen und überhöhen – ihm keine Angst einjagen, dass sich nun alles ändern könnte. Schon gar nicht dieses leidige „Jetzt beginnt der Ernst des Lebens“. Und auch nicht hervorheben, dass es ein neuer Lebensabschnitt ist -was kann ein Sechsjähriger mit diesem Begriff anfangen?! Macht das nicht im Zweifel eher sogar Angst?  In unserer heutigen Zeit neigen wir dazu, so vieles zu übertreiben. Das fängt bei der Organisation der Kindergeburtstage an, geht beim Inhalt der Schultüten weiter und hört bei der Feier der Einschulung noch längst nicht auf. Weniger ist mehr. Weshalb auch unsere Schultüte keine Geburtstagsgeschenke-Ausmaße hatte und eher bescheiden ausfiel (was die Freude meines Sohnes nicht minderte, übrigens)

Stattdessen wollte ich die Leichtigkeit beim Übergang vom Kindergarten zur Schule bewahren. Einen fließenden Übergang herstellen. Die Schwere hinaus nehmen, das Spielerische hereinholen. Und so Ängste nehmen vor dem, was kommt.

Richtig los geht die Schule eh erst in den nächsten Tagen – DAS wird spannend!

Richtig spannend wird es jetzt ja eh erst in den nächsten Tagen. Wie auch mein Großer gleich erkannte „Heute war ja gar nicht richtig Schule. Morgen geht es endlich los.“ Das wird noch aufregend genug werden: Neue Lehrer kennenlernen. Den Tagesablauf in der Schule kennenlernen. Neue Freunde kennenlernen. Dieser ganze Schulalltag, der sich so langsam einpendelt und auf den ich mich freue – darauf, meinen Sohn bei seinem neuen Alltag zu begleiten.

Und bei diesem Übergang vom Kindergarten zur Schule wollte ich es ihm so leicht wie möglich machen. Deshalb unsere Entscheidung: keine große Feier, keine Überhöhung, nicht zu viel Schwere in den Tag legen. Und vor allem: uns nicht zu verbiegen. Das wären nicht wir gewesen.

Verbiegt Euch nicht – feiert die Einschulung so, wie sie zu Eurem Kind passt

Und das finde ich das Wichtigste: Dass jeder das wählt, was zum Kind, der Familie und dem eigenen Weg passt. Deshalb will ich hier gar nicht kritisieren, wenn es andere anders handhaben. Denn wie man die Einschulung gestaltet, ist ja eine ganz persönliche Sache. Und auch eine Frage von Familientradition und auch der Tradition in der Region, in der man wohnt. Mein Mann und ich hatten auch beide keine andere Art von Einschulung (damals in grauer Vorzeit als die Dinosaurier noch lebten) und fanden es gut so. Dafür zelebrieren wir andere Dinge im Alltag wie das Zusammensein oder das Wochenendfrühstück.

Aber ich möchte Euch Mut machen, das mit der Einschulung einfach so zu machen, wie man es selbst am besten findet. Und sich nicht zu einer großen Kaffeetafel hinreißen zu lassen, weil man denkt, es gehört sich so – obwohl man selbst und der Schulanfänger das gar nicht wollen. Oder  – das gegenteilige Beispiel – auf eine große Feier zu verzichten, obwohl man selbst richtig Lust drauf hat, nur weil es in der Straße sonst keiner so macht.

Verbiegt Euch nicht! Macht aus der Einschulung das, was zu Euch passt und ganz wichtig: zum Kind. Es geht nicht darum, irgendwas zu veranstalten und sich selbst zu stressen, nur weil man denkt „alle machen es so“. Es geht darum, dass der Schulanfänger einen schönen Tag hat. Und das kann auch einfach das riesige Spaghettieis in der Eisdiele sein, was es sonst nie gibt. (das hätte es bei uns noch gegeben, wenn es nicht grad in Strömen geregnet hätte)

Wie habt Ihr denn Eure Einschulungsfeier gehandhabt? Gibt es da Familientraditionen, wie man bei Euch den Schulbeginn feiert? 

Ich für meinen Teil bin nun richtig gespannt, wie es weitergeht. Denn für mich ist der richtige Schulbeginn nicht heute gewesen. Sondern morgen. Und die nächsten Tage. Jetzt geht es los – mein Sohn ist ein Schulkind!

Willkommen bei der ganznormalenMama! Wollt Ihr  familienfreundliche Reisetipps? Oder kinderleichte Rezepte? Oder Lustiges, Nachdenkliches aus dem Mamaalltag? Dann stöbert im Archiv und folgt mir auf Facebook, bei Instagram oder Pinterest – ich freue mich auf Euch!

 

4 Kommentare zu “Unsere Einschulung – und wieso wir kein Brimborium veranstaltet haben

  1. Du sprichst mir aus der Seele! danke für den tollen Text und danke, dass Du die Dinge so leicht nimmst und nicht so verbissen siehst. Es tut gut zu lesen, dass nicht alle Mütter dieses perfekte Bloggerleben leben und sich darn orientieren, was die anderen denken könnten. Ich finde es gut, wie du deinen Weg gehst. MAch weiter so. Und schreib weiter so schöne Texte dazu.

    Gefällt mir

  2. Hi, ich find eure Einstellung super und eben auch besonders der Punkt, dass es zu Kind und Familie passen muss. Unser Großer trug kurze Jeans und ein von Oma mit Applikation passend zur Schultüte versehenes T-Shirt, Essen musste man sich selbst nehmen (es war nur engste Familie und der beste Freund da und meine Tante beschwerte sich, dass man sich sein Essen nehmen muss und es KEINE Kaffeetafel gab, ich lag übrigens halb kollabiert hochschwanger auf dem Sofa). Die Feier in der Turnhalle habe ich kaum mitbekommen, weil ich raus musste, um nicht umzukippen. Für uns stand auch unser Kind und seine Vorstellung einer Feier im Mittelpunkt, sein Wunschessen, seine Wunschgäste. Deinen Gedanken, keine Überhöhung, und es nicht zu schwer zu machen, finde ich super. So weit habe ich damals nicht gedacht. Für unsere Kinder gehören immer Oma & Opa (plus Partner) und ihre besten Freunde dazu. Liebe Grüße und eine wunderbare Schulzeit! PS: das mit dem einzeln aufgerufen werden, find ich auch etwas befremdlich

    Gefällt mir

  3. Du sprichst mir wirklich aus dem Erzieherherz und ich finde, dass du einen tollen Weg gefunden hast, dein Schulkind zu unterstützen. Da kann er richtig froh sein, dass er eine Mama hat, die ihn versteht 🙂
    Herzlichen Glückwunsch an deinen Sohn und einen tollen Schulstart!

    Gefällt mir

Was denkst Du?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s