Wie meine Kinder im Urlaub selbständig wurden

Es war ein bisschen ruhiger als sonst auf dem Blog – denn wir waren im Urlaub! Zweieinhalb Wochen mit dem Wohnmobil im wunderschönen Schweden, wie seit zehn Jahren… Wer meinem Blog auf Instagram folgt, hat bestimmt die vielen Fotos von vielen idyllischen roten Schwedenhäuschen gesehen 🙂 Wie unser Urlaub war? Wunderbar! Erholsam! Und ja – sogar erholsamer als die letzten Jahre, denn in diesem Familienurlaub sind meine Kinder selbständig geworden und haben uns ganz unerwartet viel freie Zeit für uns geschenkt. Erst ein bisschen ungewohnt, wenn die Jungs so ganz alleine über den Campingplatz zum Spielplatz stiefeln – kennt Ihr das Gefühl auch?

Bisher ist immer einer von uns mitgekommen, wenn die Jungs auf dem Campingplatz umherstrolchten und zum Spielplatz wollten. Da saß man dann und wurde von den Kindern eigentlich erst beachtet, wenn man zum Aufbruch drängte. Denn dann ging nämlich das Verhandeln los: Noch einmal rutschen. Und noch einmal. Aber als Mutter will man auch mal gemütlich vorm Wohnmobil sitzen und in einer bequemen Position lesen. Oder auch endlich das Abendessen kochen.

Wie meine Kinder im Urlaub selbständig wurden...

Auf einmal sind die Kinder groß und spielen alleine…

Eines Tages in unserem wunderschönen Familienurlaub schlug der Große dann auf einmal vor: „Du kannst schon mal vorgehen, Mama. Wir kommen gleich nach, wir kennen ja den Weg.“ Ja, wieso eigentlich nicht?! Der Weg war nicht weit, einmal um die Ecke und wir waren in zigmal gelaufen. Verkehr war auf dem Campingplatz auch kein nennenswerter und wenn ein Glück sehr langsam (es waren vor allem schwedische Gäste auf dem Campingplatz, die fahren deutlich rücksichtsvoller als die deutschen Touristen…). Wo sonst könnte man die ersten Schritte in die Selbständigkeit besser üben als auf dem geschützten Gelände eines Campingplatzes?!

Mit Kindern im Urlaub: Wie meine Kinder im Urlaub selbständig wurden und ich als Mama ebenfalls dazulernen musste. Erziehung heißt auch immer loslassen.

Erste Schritte in die Selbständigkeit

Also ging ich. Zögernd. Drehte mich immer wieder um. Sah, wie die Jungs weiterspielten, ganz ohne Geschwisterstreit, ganz friedlich und selbstbewusst dabei auch auf andere Kinder zugingen. Ich ging also die paar Meter zu unserem Stellplatz. Nicht weit – aber außer Sichtweite des Spielplatzes. Eine völlig neue Situation! Das hatte ich noch nie. Außerhalb der Sichtweite meiner Kinder. Kaum beim Wohnmobil angekommen, schickte ich meinen Mann los: „Schau mal nach den Kindern.“ Ich war doch etwas unruhig. Sie waren doch erst 3 und 6!

Südöland.

Südöland – ein tolles Reiseziel!

Mein Mann kam blitzschnell wieder. Sie spielten, friedlich, alles gut. Ich las, zum ersten Mal ohne Kindergeschrei im Hintergrund. Aber nach ein paar Seiten schaute ich auf die Uhr. War es nicht langsam Zeit, dass die Kinder kamen? Was, wenn sie jemand angeschnackt hatte? Was, wenn einer von ihnen vom Klettergerüst gefallen war und nun dort lag und weinte? Was hat man nicht auf einmal für komische Gedanken… Ich wollte schon meinen Mann wieder vorschicken, mal um die Ecke zu luschern, da kamen meine beiden Jungs anspaziert. Hand in Hand. Der Große achtete darauf, dass der Kleine auch sorgfältig nach links und rechts schaute, als sie den Fahrweg der Autos überquerten. Und sie grinsten übers ganze Gesicht, stolz wie zwei kleine große Oskars!

Von da an wollten sie ständig alleine auf den Spielplatz. Egal, auf welchem Campingplatz wir waren. Setzte ich mich doch dazu, aus alter Gewohnheit, wurde ich geradezu weggeschickt. „Wir wissen doch, wo das Wohnmobil steht. Du kannst lesen gehen, Mama.“ Und tatsächlich gewöhnte ich mich daran! Eine neu gewonnene Freiheit für mich – und für meine Jungs!

Wie meine Kinder im Urlaub selbständig wurden: Und ich mich als Mama daran gewöhnen musste. Eltern-Kolumne

Im Urlaub groß geworden: Meine beiden Jungs.

Mit sechs alleine zum Spielplatz?

Sie wuchsen förmlich über sich selbst hinaus. Der Große passte perfekt auf den Kleinen auf, nahm Rücksicht auf ihn – und natürlich streiten sie sich, wenn sie ohne unsere wachsamen Elternaugen sind, viel seltener als sonst. Diese beiden  sonst eher schüchternen Jungs lernten auf einmal andere Kinder kennen und wann immer wir dann doch – ganz zufällig …- am Spielplatz vorbeischlenderten, sahen wir, wie sie ins Spiel vertieft mit anderen Kindern spielten, sich unterhielten und der Große dabei seinen kleinen Bruder immer richtig super mit einbezog.

Und jedes Mal waren sie wahnsinnig stolz auf sich selbst, wenn sie wieder zu uns zurückkamen. Und ich? Bin wahnsinnig stolz auf die beiden, die so einen Sprung gemacht haben. Aber ich muss zugeben… ich war jedes Mal trotzdem froh, wenn sie wieder wohlbehalten bei uns zurück waren. Und ja, so richtig, zu hundert Prozent konnte ich nicht entspannen, wenn sie außerhalb unserer Sichtweite auf dem Spielplatz tobten. Aber es wurde jedes Mal leichter. Und in dem Maße, wie sie selbständiger und selbstbewusster wurden, konnte ich auch jedes Mal ein kleines bisschen mehr loslassen – und mein Vertrauen wuchs.

Wie meine Kinder im Urlaub selbständig wurden.

Mein schönes Schweden: Viel Natur und viel Platz für die Kinder zum Großwerden – und Weltentdecken.

Unser Kinder können mehr, als wir manchmal denken

Sie werden so schnell groß! Ohja, das werden sie! Ich habe festgestellt, dass wir unseren Kindern noch mehr vertrauen können, als wir dachten – und dass es Kindern unglaublich gut tut, wenn sie ihre ersten Schritte in die Selbständigkeit machen. Sie lernen Schritt für Schritt und manchmal muss man es  einfach zulassen.

Nun sind wir wieder zuhause und ich habe das Gefühl, als seien meine Kinder um einiges größer geworden während unseres Familienurlaubs. Aber hier in der Stadt alleine zum Spielplatz gehen lassen? Nein. Das würde ich sie dann doch nicht. Auch wenn es hier auch nur 50 Meter bis zum nächsten Spielplatz sind, unsere Straße eine Spielstraße ist (aber hierzulande hält sich ja leider kaum jemand an Geschwindigkeitsbgrenzungen...) – es ist doch etwas anderes hier in der Innenstadt als auf einem geschützten Campingplatzareal.

Oder etwa doch nicht? Was meint  Ihr? Wann haben Eure Kinder die ersten Schritte in die Selbständigkeit gemacht? Wann waren sie zum ersten Mal alleine auf dem Spielplatz? Im Urlaub oder auch bei Euch zuhause? Würdet Ihr einen Dreijährigen mit einem Sechsjährigen alleine 50 Meter durch die Innenstadt zum Spielplatz außer Sichtweite gehen lassen? Ich werde mit der Premiere hier in der Stadt noch etwas warten – aber meinen Jungs weiterhin im geschützten Rahmen die Möglichkeit geben, ihre Selbständigkeit zu üben.

Mehr über unseren Urlaub berichte ich Euch in den nächsten Wochen… wenn Ihr mögt, dann stöbert doch schon mal bei Instagram bei meinen SchwedenfotosInstagram bei meinen Schwedenfotos… und für alle, die nach Schweden reisen wollen: Bald gibt es neue Reisetipps! Bis dahin lasst Euch doch von den Schweden-Archiv-Texten inspirieren 🙂

SONY DSC

Willkommen bei der ganznormalenMama! Wollt Ihr  familienfreundliche Reisetipps? Oder kinderleichte Rezepte? Oder Lustiges, Nachdenkliches aus dem Mamaalltag? Dann stöbert im Archiv und folgt mir auf Facebook, bei Instagram oder Pinterest – ich freue mich auf Euch!

 

 

 

5 Kommentare zu “Wie meine Kinder im Urlaub selbständig wurden

  1. Lustig,in ziemlich der gleichen Situation sind wir gerade mit unseren Mädels (4&5). Zuhause fliegen die Fetzen und hier laufen die Hand in Hand über den Campingplatz und passen aufeinander auf. Wir sind aber in Hör- und zumindest ansatzweise in Sichtweite vom Spielplatz, sonst wäre ich glaube ich zu ängstlich;) Kommt aber natürlich immer auf den Platz an…wie belebt,welche Umgebung…! Zuhause würde ich sie noch nicht alleine gehen lassen! Sie sind zwar fit,aber Ich hab echt großen Respekt vor Straßenverkehr und Co!! Ich denke mit dem Schuleintritt wird es dann langsam anfangen vertraute Wege alleine zu gehen…

    Gefällt mir

  2. Wir wohnen hier sehr ländlich, in einem kleinen Dorf mit wenig Verkehr. Schon unser Ältester durfte mit 6 im Dorf allein rum laufen. Im Grunde bekommen unsere Jungs das GO mit Schulstart. Dann meistern sie auch den Weg zur Schule alleine, gehen alleine zum Spielplatz, Kiosk, Bäcker oder machen auch schonmal kleine Besorgungen im Supermarkt im Ort. Ich finde gerade durch solche Dinge lernen Kinder ganz viel fürs Leben. Unser einziges Gesetz, wenn die Kinder den Standort wechseln, einmal kurz zu Hause vorbei und bescheid geben wo es hin geht. Wie ich es in der Stadt handhaben würde? Ich weiß es nicht!

    LG Manuela

    Gefällt mir

  3. Ein toller Artikel – witzigerweise schreibe ich gerade an einem ähnlichen Blogpost. Denn auch wir hatten genau solche Erfahrungen mit unseren Campingurlauben gemacht. Vor zwei Wochen sind wir dem G20-Wahnsinn entflohen und waren in Perron an der Ostsee campen. Und dort war unsere Tochter plötzlich so groß, dass sie ganz alleine zur Toilette konnte, sie ist jetzt 5,5 Jahre. Unser Großer geht eh schon eigene Wege, er ist ja auch schon 8 und kommt nun in die 3. Klasse. Man was war ich aufgeregt, als unsere Tochter plötzlich alleine zu den Sanitärräumen wollte. Zum Glück ist auf einem Campingplatz ja eher wenig Verkehr.
    Zu Deiner Frage: Ich würde keinen 6-jährigen mit seinen 3-jährigen Bruder in der Stadt alleine losschicken. Der 6-jährige schafft es hier gerade so, auf sich zu achten und Gefahren einzuschätzen. Da kann er sich nicht noch um das jüngere Geschwisterchen kümmern. Ich finde, Dein Bauchgefühl da ganz richtig. Deshalb mag ich Campingurlaube so gerne, da können die Kinder sich schnell selbst zurecht finden und auch mal ohne uns Eltern sein.

    Gefällt mir

  4. Toller Beitrag und die Bilder auf Instagram sind auch traumhaft schön.
    Meine Kinder sind zwei und drei Jahre alt und ich bin auch immer ganz erstaunt, was sie so alles können (wenn sie denn wollen ^^). Und ich muss mich auch immer zwingen, sie Dinge selbst machen zu lassen. Einerseits bin ich stolz auf sie, aber auf der anderen Seite ist es immer etwas komisch, wenn die eigenen „Babys“ plötzlich groß sind. Und wenn sie aus den Augen sind, werde ich auch immer direkt ganz nervös ^^ Es ist wirklich schwer und ich hätte da auch keine Ruhe. Aber ich denke mal, dass es mit der Zeit etwas besser wird. Ich fand es am Anfang auch schwierig, wenn die beiden alleine in ihrem Zimmer geschlafen haben und habe immer an der Tür gehört. Mache ich heute noch ^^‘ Aber es ist nicht mehr so schlimm xD
    Liebe Grüße,
    Melanie =^_^=

    Gefällt mir

  5. Toller Beitrag. Ich freue mich schon auf die Berichte aus Schweden, die Fotos sind ja schon mal umwerfend. Wir waren schon mal in Finnland (noch ohne Kind) und letztes Jahr mit dem Wohnmobil in Süd-Norwegen, aber Schweden steht noch aus.
    Unser Kleiner wird bald drei Jahre alt und auch wir bemerken, wie er immer selbständiger wird und halt einfach immer mehr kann. Und ja, sie können ganz sicher mehr, als wir Erwachsene doch so oft denken. Ein Schlüsselerlebnis war vor kurzem, als er es alleine schaffte, die Leiter zur Rutschbahn hochzuklettern. Seine Reaktion? „Du musst mich nicht mehr halten, du kannst auf die Bank sitzen.“ Herrlich 🙂
    Liebe Grüsse, Stefan

    Gefällt mir

Was denkst Du?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s