Übernachtungsfahrt im Kindergarten – muss das sein?

Bald ist es soweit. Mein Großer fährt mit dem Kindergarten auf Abschlussfahrt. Eine Nacht außer Haus. Mit seiner Kindergartengruppe. Ein großes Abenteuer und ich hoffe, er hat richtig Spaß dabei. Aber auch, wenn ich ihm gegenüber so tue, als ob das eine richtig klasse Sache ist, sind die Mamagefühle in mir gespalten und ich frage mich: Übernachtungsfahrt im Kindergarten, muss das sein?

Sie sind doch noch so klein! Natürlich sind sie jetzt die Großen im Kindergarten. Bald schon Schulkinder. Natürlich haben sie in den letzten Jahren soviel dazugelernt. Und wenn ich meinen Sohn so ansehe, dann ist er nicht nur körperlich gewachsen. So oft denke ich mir: „Er ist ganz schön groß geworden.“ Nein, es sind nicht nur die Zentimeter, die er in die Höhe geschossen ist. Es ist nicht nur die Tatsache, dass er auf einmal zählt und rechnet und mich beim Tischkicker schlägt. Er ist auch vernünftiger geworden, umsichtiger, selbständiger.

Schon sechs Jahre oder erst sechs Jahre?!

Aber er ist doch trotzdem noch mein Kleiner! Der sich morgens an mich kuschelt, wenn ich ihn wecke. Der manchmal noch ganz plötzlich nach dem Essen auf dem Schoß sitzen will. Sechs Jahre ist natürlich schon groß – aber es ist auch noch verdammt jung. Gerade mal sechs Jahre! Und nun soll er auf Übernachtungsfahrt gehen? Einen Tag und eine Nacht wegbleiben?

Ein Kindergarten-Ausflug über Nacht als Abschluss vor der Einschulung: Muss das sein? Ich bin hin- und hergerissen.

Abschlussfahrt im Kindergarten: Übung zum Selbständigwerden?

Ich bin hin- und hergerissen. Ich finde es gut, dass der Kindergarten den Kindern die Möglichkeit gibt, noch einen weiteren Schritt in die Selbständigkeit zu tun. Ich finde es gut, dass so auch die Kinder, deren Eltern dazu keine finanziellen Möglichkeiten haben, einmal einen richtigen, großen Ausflug unternehmen. Ich finde es gut, dass sich die Erzieherinnen diesen Stress antun (denn das ist es ganz sicher!) und unseren Kindern die Möglichkeit zu dieser Erfahrung geben.

Aber muss es ein Ausflug über Nacht sein? Und muss es gleich soweit weg sein? Ein Ort, der von uns aus 40 Minuten Autofahrt entfernt ist? Hätte es nicht auch der Kindergarten (immerhin vertraute Umgebung für die Kinder) als Übernachtungsstätte getan? Oder, wenn es verbunden sein soll mit einem Ausflug, die Jugendherberge in der Nähe? Oder einfach nur ein langer außergewöhnlicher Tagesausflug meinetwegen noch mit Nachtwanderung oder Kinderdisko bis 22 Uhr?  Wäre das nicht alles einfacher für die Kinder gewesen?

Ja. Auch einfacher für mich. Ich gebe es zu. Auch mir fällt es schwer, meinen Sohn auf einmal eine Nacht nicht hier zu haben und 40 Minuten entfernt zu sehen. Natürlich sind es keine fremden Personen, sondern seine Freunde und die Erzieherinnen, die er seit 3 Jahren kennt. Aber es ist auch noch mal etwas anderes, als wenn er bei seiner Oma schlafen würde! Oder bei einem Kindergartenfreund, dessen Eltern man gut kennt. Oder was meint Ihr?

Ich bin hin- und hergerissen

Ich versuche, meine Gedanken mir nicht anmerken zu lassen. Ich erzähle – wie die anderen Mütter auch – meinem Sohn, wie lustig so eine Fahrt ist (ist es ja auch!) und wie schnell die Zeit auf solchen Fahrten vergeht und dass ich auch mal gern wieder so etwas machen würde. Ich mache ihm Mut. Und gleichzeitig merke ich, dass er hin- und hergerissen ist. Er freut sich und ist gespannt – und im nächsten Augenblick überkommt ihn dann doch die Angst. Ich versuche, seine Zweifel zu zerstreuen, sie aber auch ernst zu nehmen.

Ihn beschäftigen Dinge wie: Was ist, wenn er in der Nacht Hunger hat? Keine Sorge, ich packe Dir Knäckebrot-Notration in den Rucksack. Was ist, wenn er bei der Kinderdisko die Musik doof findet? Dann muss er nicht tanzen. Er muss sowieso gar nicht tanzen, wenn er nicht will. Was, wenn er nachts auf Klo muss und sich nicht alleine aufs Klo traut? Dann weckt er seine Freundin, die im selben Zimmer schläft. Oder die Erzieherin.

Und natürlich beschäftigt ihn die Frage: Was ist, wenn er einfach nur nach Hause will? Dann holen wir ihn ab, zur Not mitten in der Nacht. Ich finde es wichtig, dass mein Sohn weiß, dass wir immer da sind. Und ich hoffe ein bisschen, dass die Kinder nach dem langen Ausflugstag so müde sind, dass sie dann doch schnell einschlafen trotz aller Aufregung.

Schulranzen von Ergobag - Ausrüstung für die Einschulung

Fertig für den Schulstart! Doch vor der Einschulung geht es erst einmal mit dem Kindergarten auf große Fahrt.

Ich bin mir nicht sicher, wie ich es finde, dass es diese Abschlussfahrt gibt. Ein Teil von mir sagt, dass es zu früh ist, zu viel für diese  Kinder, für die bald sowieso eine riesige Veränderung ansteht, nämlich die Einschulung. Sie müssen zurzeit soviel Neues verarbeiten – muss es dann auch noch so etwas sein? Werden Sie nicht überfrachtet, überfordert? Ich weiß von anderen Müttern, dass sogar die wildesten, coolsten Rabauken aus der Gruppe Muffensausen haben. Aber andererseits ist so eine Fahrt auch ein schöner Abschluss der gemeinsamen Zeit, ein schönes Ritual, ein schönes Kennenlernen auch von ganz anderen Seiten. Es ist auch gleichzeitig eine Chance für die Kinder, über sich hinaus zu wachsen.

Ich sehe beide Seiten und ich versuche, meinen Sorgen nicht zu viel Raum zu geben und meinem Sohn Mut mit zu geben und ihn zu bestärken. Aber gleichzeitig versuche ich auch, ihm Sicherheit zu geben, das Wissen, wenn er nicht mit will, dann ist es auch okay und wenn wir ihn nach dem Abendessen abholen sollen, dann sind wir da. Und es ist nicht schlimm. Niemand ist dann böse auf ihn, es ist auch nicht feige oder sonst irgendwas. Jedes Kind hat seinen Rhythmus, seine Entwicklungszeiten, die es braucht. Ich glaube, ihn zu bestärken und gleichzeitig die Sicherheit zu geben, ist das Beste, was wir grad tun können.

Und dann muss ich noch irgendwie mit meiner Sehnsucht nach ihm klarkommen und damit, meinen Sohn zumindest ein Stück weit loszulassen!

Wie seht Ihr das? Waren Eure Kinder auch schon auf Übernachtungsfahrt oder haben sie es noch vor sich? Wie geht es Euch dabei? Findet Ihr es gut, dass es solche Angebote gibt oder haltet Ihr den Zeitpunkt für zu früh? Ich bin gespannt, was Ihr darüber denkt!

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19 Kommentare zu “Übernachtungsfahrt im Kindergarten – muss das sein?

  1. Tja es ist interessant, ich denke jedes Kind ist da unterschiedlich. So wie es heute sicher viele Leute gibt die ihren Übernachtungsabschluss im Kindergarten toll fanden, so kann ich mich daran erinnern, dass ich vorher große Angst hatte, die Nacht ohne meine Mutter zu verbringen und ich auch vorher sehr geweint habe. Letztendlich half die Ablenkung und die sichere Haltung meiner Mutter mir gegenüber. Aber ich bezweifle ein bisschen, ob ich damals wirklich schon so weit war. Ich würde meinem Sohn heute auch die klare Sicherheit vermitteln, dass ich ihn jederzeit abhole und wenn ich den Eindruck hätte, dass er dafür noch nicht reif und bereit genug ist, dies zu akzeptieren.

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  2. Liebe Nathalie, mit viel Interesse habe ich Deinen Artikel gelesen.
    Für mich hat sich irgendwie nie die Frage gestellt, ob so eine Übernachtungsfahrt sein muss und ob sie dann noch woanders stattfinden muss. Kann deine Empfindungen aber sehr gut nachvollziehen. Denn ich bin auch Mutter (meine Kids sind 8 + 5) und ich arbeite als Erzieherin.

    Wovor hast Du denn am meisten Angst? Das Dein Sohn Dich vermissen könnte? Du bist doch spätestens in 45 Minuten da. Das Dein Sohn die Übernachtung nicht schafft und sich dann deswegen weniger stark fühlt? Du und die Erzieherinnen könnt ihn wieder aufbauen. Das Dein Sohn die Übernachtung ohne Probleme schafft und merkt, „Mama, brauch ich gar nicht?“ Das denkt er höchstens so lange, bis Du ihn abholst und er dir voller Freude und Sehnsucht in die Arme fällt.
    Letztlich kannst Du nichts verlieren, sondern nur gewinnen. Und auch für Deinen Sohn wird es Erfahrungen bereithalten, die er sonst so nicht machen könnte (oder eben erst später)
    Dein Sohn wird lernen, das er mit 6 Jahren schon alleine (zumindest ohne Eltern) woanders schlafen kann. Er wird das Gefühl von Vermissen und Sehnsucht und Liebe fühlen und verinnerlichen. Er wird lernen, das Du da bist, obwohl Du nicht körperlich anwesend bist, weil ihr so eine feste Bindung habt.
    Und, wenn Du ihn abholen musst, dann lernt er, „Mama ist immer für mich da“.

    Ich finde es gut, wenn man so etwas schon im Kita/ Kita macht. Bei meiner Tochter wurde jedes Jahr eine Übernachtung in der Kita gemacht, daran nahmen eigentlich immer alle aus dem Elementarbereich teil. Ich kenne auch Kitas, da machen schon Krippenkinder als Abschluss eine Übernachtung (und ja, das klappt gut).
    Bei meinem Sohn wird jetzt in der dritten Klasse eine Klassenfahrt gemacht, die fahren 100km weit, für 5 Übernachtungen. In seiner Klasse gibt es zwei Mädchen, die noch nie auch nur eine Nacht ohne Eltern waren und da machen die Mütter sich jetzt Gedanken, wie das klappen soll und wahrscheinlich lassen sie ihre Töchter nicht an der Fahrt teilnehmen – das finde ich total schade.

    Sei ganz zuversichtlich – ihr werdet das beide gut meistern. Berichte doch mal, wie es gelaufen ist.

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  3. hallo.
    ich kann gut verstehen dass dir natürlich so manche gedanken durch den kopf gehen.
    aber: wenn die kinder damit kein problem haben das ganze evtl als spannendes Abenteuer sehen etc. finde ich das ist doch ganz gut. ds muss ja keiner mit fahren und eine nacht ausser Haus ist doch mal eine aufregende sache. so wie du das beschreibst ist die fahrt für die eltern fast genauso therapeutisch wie für die kinder.
    wenn man mal einen schritt abstand nimmt kommen einem manche Gedanken doch eher „albern“ vor. 😉
    was wenn er nachs hunger hat???? ich weiss ja nicht ob ihr nacts um 1 noch geweckt werdet und dann käsebrote macht 😉
    ich glaube es ist wichtig das mit dem eintritt ins schulkind alter auch gerade die eltern lernen dass ihre kinder langsam, schritt für schrittchen etwas mwhr flügge werden.
    und auch wenn es natürlich eine umstellung ist: ich glaube dass diese fahrt nicht nur den Kindern gut tun wird..wenn sich euer kind drauf freut und mit will: dann ist das super! natürliche will man sie nicht ziehen lassen aber kinder werden älter und beide seiten müssen lernen, das diese absolte Symbiose sich langsam auflöst jeh älter die kinder werden. sei gespannt welche entwicklung do eine erste eigene erfahrumg für dein kind sein kann 😉

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  4. Meine Nichte war vorletzte Woche zum ersten Mal ein paar Tage mit dem Kindergarten weg. Sie fand es spitze und es hat auch nur ein Kind Heimweh bekommen und wollte ein paar Stunden vor Abfahrt abgeholt werden :)) Für die Kinder ist’s ne super Erfahrung 🙂

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