„Nein, ich will das Leben nicht als Risiko sehen“

Ich hatte vergangene Woche darüber geschrieben, wie mir ein Ereignis, den Boden unter den Füßen wegzog und mir zeigte, wie zerbrechlich das ist, was wir für selbstverständlich halten. Mir öffnete es die Augen, wie sehr wir jeden Moment genießen müssen, wie wir das Leben mit unseren Kindern als Geschenk sehen sollten – ja, selbst die nervigen Momente, in denen wir meckern und schimpfen, auch sie sind ein Geschenk. Mir wurde aber auch bewusst, wie viele Risiken uns umgeben. Im Alltag. So viele Risiken, dass man sich eigentlich nonstop Sorgen machen müsste. Aber das will ich nicht! Ich kenne die täglichen Risiken, ich weiß, was theoretisch alles passieren kann und ich mache (fast) alles, um die Risiken zu minimieren. Aber ich möchte das Leben einfach nicht als einziges Risiko begreifen, sondern als Chance!

Sobald man den positiven Schwangerschaftstest in der Hand hält, geht es los. Das Beschäftigen mit dem Risiko. Das Risiko zur Fehlgeburt, was in den ersten zwölf Wochen ja am höchsten ist. Was von Woche zu Woche sinkt, aber nie ganz weg geht. Man tut alles, um das Risiko zu minimieren, aber man hat ja nicht alles im Griff. Auf einmal wird einem klar: Es liegt nicht allein an mir. Ich habe es nicht vollständig in der Hand. Und so schwebt das Risiko über einem. Begleitet einen das erste Trimester. Aufatmen nach jedem Ultraschall. Das schlagende Herzchen beruhigt. Man saugt die Prozentzahlen in sich ein, versucht sie zu ignorieren, die Stimme im Kopf zu ignorieren, die einem zuflüstert „noch XX Prozent Risiko“. Der Meilenstein 12. Woche und selbst dann ist man einfach nicht auf der sicheren Seite.

Weil man nie auf der sicheren Seite ist. Weil es immer und zu jeder Zeit Risiken gibt. Es gibt nun mal kein Leben ohne Risiko.

Beim Geburtsvorbereitungskurs bei meiner ersten Schwangerschaft sagte die Hebamme damals – sehr dramatisch und übertrieben, wie ich damals fand: „Sie werden ab sofort immer Sorgen haben. Die Sorgen hören nicht auf. Ihr Leben lang nicht.“ Ich fand es etwas sehr melodramatisch und dachte: „Die Dame hat ein bisschen zu viele Filme geschaut.“

Nun heute, mehr als sechs Jahre später weiß ich: Die Dame hatte Recht.

DAs Leben als Chance sehen und nicht als Risiko: Nachdenkliches, was einem als Mutter oder Eltern durch den Kopf geht. Diese Weisheiten gelten Nicht nur für Familien und das Leben mit Kindern.

Denn es ist so. Die Schwangerschaft ist voller Risiken. Von der Geburt mal ganz zu schweigen. Die ersten Lebensmonate. Dieses zerbrechliche kleine Baby. Die vielen Krankheiten, die es gibt, die vielen chronischen schrecklichen Krankheiten, die sich erst innerhalb der ersten paar Lebensjahre zeigen. Die Viren, gegen die man nichts ausrichten kann. Der plötzliche Kindstod, der einem so unheimlich viel Angst einjagt. Dann werden die Kinder älter und größer und mobiler und einem wird klar, wie schnell es geht, dass sie vor ein Auto laufen. Einmal zu wenig geschaut und im falschen Moment über die Straße gelaufen. Es kann so schnell gehen.

Dann werden sie noch älter und selbständiger und gehen zum ersten Mal alleine zum Bäcker. Zur Schule. Und dann ist sie da, die Angst vor fremden Männern, vor all dem Bösen, das es leider gibt in unserer Welt.

Ein Leben ohne Risiko gibt es nicht – aber deshalb sollten die Angst vor ihnen nicht unser Leben bestimmen

Und so geht es weiter. Die Sorgen hören nicht auf. Und auch, wenn man nach sechs Jahren den Schnupfen gelassener nimmt als beim zweiwöchigen Baby – die Sorgen begleiten einen als Mutter.

Ich arrangierte mich ganz gut mit den Sorgen. Ich verdrängte sie nicht – das geht auch gar nicht – aber ich ließ ihnen nicht zu viel Raum. Ich tat das Nötige, was man tun muss, um die Risiken zu minimieren. Wenn etwas passiert, dann kann ich mir wenigstens nichts vorwerfen. Ihr kennt den Gedanken, oder? Und dann waren sie letzte Woche auf einmal wieder präsent, voll da und hauten mich um. Ich merkte, wie verletzlich ich bin.

Und ich beschloss: Nein, die Sorgen sollen nicht überhand nehmen. Ich will den Sorgen, den Risiken nicht zu viel Platz einräumen!

Ich will das Leben nicht als Risiko begreifen, sondern als Chance!

Das Leben als Chance begreifen

Denn natürlich ist das ganze Leben ein einziges Risiko, es fängt ja schon an beim Moment der Zeugung. Aber deshalb möchte ich die Sorgen um die ganzen Risiken nicht meinen Alltag dominieren lassen. Das bedeutet nicht, die Sorgen auszublenden und so zu tun, als gebe es kein Risiko. Das wäre wohl das, was man naiv nennt. Aber es geht darum, sie nicht zu dominant werden zu lassen. Mir half es, mir die nackten Zahlen vor Augen zu führen. Die Prozentzahlen, die absoluten Zahlen, sie ins Verhältnis zu setzen und die Wahrscheinlichkeiten ganz mathematisch zu sehen. Zahlen schaffen Distanz, auch emotional. Es hilft, einen klaren Kopf zu behalten, denn sonst könnte man durchdrehen bei all den Risiken, bei all dem Verrückten, was zurzeit auf der Welt passiert.

Ich bin ein von Grund auf optimistischer Mensch und das will ich auch bleiben. Das will ich auch meinen Kindern vermitteln. Optimismus soll unser Leben bestimmen. Denn das Leben ist kein Risiko. Das Leben ist eine Chance. Die wir nutzen sollten. Jeden einzelnen Augenblick. Denn wenn wir ständig nur die Risiken sehen, dann laufen wir leicht in Gefahr, die Chancen zu übersehen.

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Ein Kommentar zu “„Nein, ich will das Leben nicht als Risiko sehen“

  1. Kommt mir so bekannt vor. Den Spruch von der Hebamme find ich super. Der trifft es genau am Punkt.
    Wir sollten alle dem Augenblick jetzt in der Sekunde Aufmerksamkeit schenken und genießen. Nicht immer leicht, aber meist passieren Sachen, die einen dann wachrütteln.

    Gefällt mir

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