„Mama, zählst du mit mir bis 125 000?“

Meine Söhne haben ein großes Interesse an Zahlen. Mein Großer liebt es zu zählen und zu rechnen (von mir hat er das ehrlichgesagt nicht) und wenn es nach ihm ginge, wäre es doch eine nette Nachmittagsbeschäftigung gemeinsam bis 125 000 zu zählen. Der Kleine kann zwar nur bis 10 zählen, aber sein Interesse gilt dem großen Rätsel der Mathematiker: Wie groß ist unendlich? Wenn ich ihn frage, ob er nicht Mathematiker werden möchte, um das mal herauszufinden, entgegnet er, dass er doch lieber Baggerfahrer werden möchte – was seiner Begeisterung für unendliche Mengen keinen Abbruch tut.

Neulich wieder so ein typisches Gespräch beim Kekse essen und Kaffee trinken. Wir sitzen gemütlich zusammen nach dem Kindergarten. Der Große fragt aus heiterem Himmel: „Wie viel ist 24 plus 24?“ Und liefert gleich selbst die Antwort: „48, weil 2 und 2 4 macht und 4 und 4 acht.“ Verflixt, er war schneller als ich! Weil’s so viel Spaß macht, will er als nächstes zählen. Bis 1000 erstmal. Ich lasse ihn zählen und hoffe, dass ich in der Zeit einfach in Ruhe Kaffee trinken kann. Ist doch praktisch, wenn sich die Kinder so schön selbst beschäftigen können.

Wenn Kinder Rechnen und Zählen lernen.

Solange die Kinder nur wissen wollen, wie viel 1 und 1 macht, geht es noch. Aber wenn es darum geht, wie viele Minuten ein Tag hat, dann kommt man doch ins Schwitzen…

Denkste. Bei 235 hört er auf und hat eine tolle Idee, wie man andere in sein Zahlenspiel einbeziehen kann: „Wir zählen jetzt immer abwechselnd. Ich eine Zahl. Du eine Zahl.“ Mein Sohn, das soziale Wesen. Gemeinsam spielen statt alleine. Andere miteinbeziehen. Ist doch an für sich super. Das Problem: Da der kleine Bruder noch nicht so weit zählen kann, bleibt als Spielpartner für dieses lustige Zählspiel nur… richtig. Ich.

Wenn Kinder zählen lernen…

Den Kleinen plagen indes andere Probleme. Er wälzt mal wieder hin und her, wie groß unendlich denn nun eigentlich ist. Schon seit längerem will er wissen, was die größte Zahl ist. Er mag Superlative. Den größten Bagger. Die größte Baustelle. Das größte Eis. Und halt auch: die größte Zahl. Der Große hat ihm die Antwort geliefert: Unendlich. Größer geht nicht. Und seitdem will der Kleine herausfinden, wie groß denn dieses Unendlich ist. Gelegentlich versuchen meine Jungs, unendlich noch zu toppen. Wenn ich ihnen sage, dass ich sie unendlich doll lieb habe, entgegen sie gerne ein: „Und ich habe dich unendlich plus hundertausend plus 700 mal lieb.“

Letztens war ich versucht, meinem Sohn von unendlichen Menge zu erzählen, von reellen Zahlen und von der projektiven Ebene. Ich muss aber gestehen, dass meine Schulzeit nun schon so lange her ist, dass ich mir eine kindgerechte Erklärung wirklich nicht so recht gelingen wollte. Um dann wenigstens irgendwas Konstruktives beizusteuern, malte ich das Zeiche für Unendlich auf, die liegende Acht. Woraufhin ich korrigiert wurde: „Mama, du hast die Acht falsch gemalt, die muss stehen.“

Hab‘ ich schon erzählt, dass Sechsjährige wirkliche Klugschieter sein können?!

Mir macht dieses Faible für Zahlen trotz aller herausfordernden Fragen („Mama, sag‘ jetzt mal ehrlich, was ist wirklich die größte Zahl, die du kennst?!“) jedoch Mut: Wenn ich es irgendwie schaffe, ihre Begeisterung auch noch die nächsten 12, 13 Jahre am Lodern zu halten, dann ist die Chance groß, dass es mir erspart bleibt, ihnen bei den Mathehausaufgaben zu helfen. Ich sag’s mal so, ganz vorsichtig: Es hat seine Gründe, weshalb ich Journalistin und nicht Mathematikerin geworden bin.

Haben Eure Kinder auch so lustige Interessen, die ganz plötzlich kommen und dann wirklich hartnäckig bleiben?!

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3 Kommentare zu “„Mama, zählst du mit mir bis 125 000?“

  1. Kennst du das Bilderbuch „Agathe zählt die Sterne“? Es geht um eine Giraffe, die auch ganz viel zählen möchte (Gepardenflecken, Zebrastreifen, …), aner keines der Tiere will so lange stehen bleiben, bis sie fertig gezählt hat. Hat am Ende auch einen sehr schönen Schluss! Könnte beiden Jungs gefallen.
    Viele Grüße
    Sara

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  2. Haha, sehr lustig! Ungefähr zu seinem 5. Geburtstag hat mein Sohn darauf bestanden, dass ich jetzt mit ihm erzähle und errechne, wie viele Tage er alt ist. Die genaue Zahl erinnere ich nicht mehr, aber es waren viele, viele. Und kaum hatten wir das geschafft, mussten wir ausrechnen wie viele Tage denn nun sein bester Freund alt ist. Und sein zweitbester…

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