Drei Trotzanfälle innerhalb von 20 Minuten: Wer hält mit?!

Das Leben mit Kindern ist wunderschön! Aber manchmal auch ganz schön… anstrengend. Zum Beispiel, wenn die Kinder in der berühmt-berüchtigten Trotzphase sind, bei der ich mich manchmal frage, ob sie eigentlich nahtlos in die Pubertät übergeht… Es ist schon Wahnsinn, mit was für einer emotionalen Wucht die Wutanfälle aus den Kindern herausbrechen. Man fühlt sich immer ein wenig hilflos, denn egal, was man macht, irgendwie ist alles doof und falsch und überhaupt. Was mir am besten hilft, ist Humor. Nein, nicht übers Kind lachen. Sondern im Nachhinein, das Groteske der Situation betrachten und herzhaft drüber lachen. Und beim nächsten Trotzanfall mich an eben jenes Groteske erinnern. Das Wissen: Im Nachhinein ist es doch irgendwie komisch, hilft mir enorm, diese nicht immer ganz leichten Situationen zu überstehen.

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Manchmal hilft nur Humor.

Erst kürzlich hatten wir wieder so einen Morgen, der im Nachhinein lustig ist, in dem Moment aber enorm an meinen Nerven zerrte… Alles begann so harmlos. Aufstehen, Frühstück, Anziehen – alles ohne Probleme. Fast schon zu reibungslos, das musste einen ja eigentlich schon stutzig machen. Aber sobald ich den Schlüssel an der Tür umgedreht hatte, der Große auf seinem Fahrrad schon ein bis zur nächsten Straßenecke vorgefahren war, brach der Vulkan aus. Der Kleine schwang sich aufs Laufrad. Bis hierhin alles noch gut. Aber dann saß er auf dem Laufrad, verzog das Gesicht: „Ich kann so nicht Laufrad fahren.“ Bevor ich überhaupt herausfinden konnte, was der Grund war, ging es los. Geschrei. Gezeter. Wildes Umwerfen des Laufrades. Und das, wo wir doch eh schon so spät dran waren.

Trotzanfälle kommen wie aus heiterem Himmel

Es dauerte eine Weile, eine gefühlte Ewigkeit voller Gezeter und wütenden Blicken, bis ich verstand: Er hatte die falsche Unterhose an. Oder die falsche Strumpfhose, ganz genau ließ es sich nicht eruieren. Aber jedenfalls konnte er so nicht Laufrad fahren. Unter keinen Umständen. Schneeanzug auf, Hose richtig hochgezogen, Probe sitzen auf dem Laufrad. Puh. Jetzt ging es. Situation entschärft.

Der Große radelte voraus, der Kleine fuhr mit dem Laufrad und ich sprintete wie immer hinter den beiden her. Zu früh gefreut. An der nächsten Kreuzung wollte der Kleine klingeln und stellte fest: Mit den Handschuhen lässt es sich schlecht klingeln. Der Vulkan brach schneller aus als ich „Aber-“ sagen konnte. Trotzanfall Nummer 2. Wieder wütendes Laufrad wegpfeffern. Handschuhe wegwerfen. Sie stehen da und sind so wütend und man will sie eigentlich in den Arm nehmen, aber auch das lassen sie ja nicht immer zu. Ein kleiner Wutzwerg stand vor mir und wollte einfach nicht weiterfahren mit einem Laufrad, dessen Klingel man mit Handschuhen nicht bedienen kann.

Meine Lösungsvorschläge liefen ins Leere. Ohne Handschuhe fahren? Zu kalt. Das Argument, er brauche die Klingel doch nicht unbedingt, wurde gar nicht zu Ende angehört. Nein, man kann nicht argumentieren, wenn man so einem Wutzwerg gegenübersteht. Trotzanfall Nummer 2 ließ sich dann mit dem Kompromiss entschärfen, nur einen Handschuh anzuziehen und die Klingelhand freizulassen. Puh. Fröhlich klingelnd ging es weiter zum Kindergarten, ich war mittlerweile leicht durchgeschwitzt und hoffte, dass nun aber keine Hindernisse mehr im Weg standen.

Verständnisvolle Blicke der anderen Eltern

Alles ging gut. Es kam sogar gute Laune auf. Bis der Große sein Fahrrad im Kindergarten einparkte. Und der Kleine sein Laufrad gleich daneben auf den Fahrradständer stellen wollte. Was nicht ging, weil der Reifen zu klein war. Auch nicht mit Gewalt. „Ich will aber“ und schon setzte die Heulboje ein. Mitleidige Blicke der anderen Mütter, denen ins Gesicht geschrieben stand „Ein Glück ist es diesmal nicht mein Kind“. Verständnisvolles Nicken. Der Kleine versuchte mit Gewalt, sein Laufrad genauso hinzuparken wie das Rad seines großen Bruders, was einfach technisch nicht möglich war. Der Große zuckte mit den Schultern, sagte ein „Ich geh schonmal rein“ und verschwand gen Eingang.

Chaos im Haushalt, Höhlebauen, Aufräumen

Ein Auto hat falsch geparkt? Kann manchmal das Fass zum Überlaufen bringen…

Ich schaut auf die Uhr: 3 Trotzanfälle innerhalb von noch nicht einmal 20 Minuten. Das war schon fast ein kleiner Rekord. Ich schnappte mir den kleinen Rekordhalter und brachte ihn zur Garderobe. Ein Glück gab es eine kleine Geburtstagsfeier und somit Muffins zur Frühstücksrunde, was die Stimmung nochmal rettete.

Achja. Ich muss gestehen, ich genoss die Ruhe als ich in mein Büro schritt und meinen zweiten Kaffee trank. Aber schon als er ausgetrunken war, fing ich an meine Mäuse zu vermissen, wie eigentlich jeden Vormittag.

Die Trotzphase ist schon so eine Sache für sich. Bei unserem Kleinen ist es noch einmal extremer als beim Großen – so dass ich mich im Nachhinein frage: Wieso hat mich diese Trotzphase beim Großen damals eigentlich so gestresst? Ist doch alles easypeasy gewesen verglichen mit seinem kleinen Bruder.

Aber auch das zeigt: Im Nachhinein ist alles halb so schlimm, wie so vieles im Leben mit Kindern. Rasten Eure Kinder auch wegen solcher vermeintlichen Kleinigkeiten aus?

7 Kommentare zu “Drei Trotzanfälle innerhalb von 20 Minuten: Wer hält mit?!

  1. Ohja. Ärmel, die in Jacken rutschen, schiefe Socken und Unterhosen, Schiefer Klett am Hausschuh, falsche Zöpfe, falsche Farbe der Gabel, falsch geschnittenes Brot……
    Und ich liebe sie trotzdem ☺️😛.

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