Home Office mit Kind – die ungeschminkte Wahrheit

Sommerferien! Im Urlaub waren wir schon. Der Herr Gatte ist wieder bei der Arbeit. Und ich bin auch bei der Arbeit – im Home Office. Wo mir jetzt noch ein paar Tage lang meine beiden Jungs Gesellschaft leisten. Es hilft alles nichts, einige Artikel müssen geschrieben werden und die Drucktermine von Zeitungen kennen kein Pardon. Eigentlich können meine Kinder sich ja auch großartig selbst beschäftigen… eigentlich. Da sollte doch son‘ Homeoffice kein Problem sein. Mal schnell einen Text tippen, während die Kinder die Eisenbahn aufbauen. Tja, denkste. Denn jetzt geht der Spaß erst so richtig los. Home Office mit Kind hat so ganz eigene Herausforderungen.

Es ist ja so praktisch, wenn man als Freiberufler wie ich von zuhause aus arbeitet. Man kann schnell während der Arbeitszeit im Home Office die dreckige Wäsche in die Maschine stopfen oder den Geschirrspüler ausräumen, während das Teewasser kocht. Wer kann das sonst schon? Haushalt und Arbeit so praktisch miteinander verbinden? Ja, das Home Office mit Kind hat viele Vorteile. Vor allem als Mutter. Ist das Kind krank, kann man doch trotzdem nebenher am Computer sitzen. Oder wenn das Kind Ferien hat, so wie jetzt beide Rabauken auf einmal. Ja, man kann am Computer im Home Office sitzen. Aber wirklich arbeiten, also so richtig? Nö. Naja. Ab und zu. Aber eigentlich nur wirklich richtig, wenn die Kinder schlafen.

Home Office mit Kindern: Praktisch? Ja aber. Tipps wie man besser zuhause arbeitet - und die Wahrheit über das Arbeiten als Mama im Home Office

Home Office mit Kindern: Praktisch? Ja aber.

Home Office mit Kind: Praktisch? Ja, aber…

Jedenfalls, wenn man sich wirklich konzentrieren will und an einem komplizierteren Text sitzt zu einem Thema wie… sagen wir mal „Peer-to-Peer-Kredite“ oder so ähnlich. Pier to was bitte?! Tja. Und dann schreib das mal im Home Office, während das kleine Kind auf deinen Schoß klettert und ein bisschen kuscheln will, während dem Großen die hundertste Warum-Frage einfällt und er unbedingt geklärt haben will, wieso Wasser durch Sand sickert. Hey, die Frage ist schlau und verdient wirklich eine Antwort.

Aber doch nicht, wenn ich gerade im Home Office sitze und mich in die Vorteile der neuesten Controllingtechniken einlese (ja, ich schreibe für Wirtschaftsmedien, da lernt man die erstaunlichsten Dinge).

Ich sitze also am Schreibtisch und hämmer auf meine Tastatur ein, versuche, meine Notizen zu entziffern. Muss ich dazu sagen, dass mein Home Office nicht viel gemeinsam hat mit den entzückenden, stylischen Büros aus Wohnzeitschriften oder diverser Instagramaccounts? Ich habe keine selbstgebastelte Pinnwand, keine lustigen Buchstaben auf dem Regal oder selbstgeklebte Ordner. Alles nüchtern, funktionell. Fürs Ordnerbekleben fehlt mir schlicht die Zeit. Nun, wenn die Kinder zuhause sind, ziehen in mein Home Office noch diverse andere Dinge ein. Nein, kein DIY-Memoboard sondern die Duploeisenbahn, Schleichtiere und was man halt so braucht, wenn man der Mama im Home Office einen Besuch abstattet.

Ich also so, tipp, tipp, tipp. Der Kleine fährt brummend sein Auto rum. Eine Weile geht das gut. Aber dann will er zu mir. Auf den Schoß. Jetzt. Am Schreibtisch.

Nun heißt es abwägen: Kind meckern lassen? Er hat, was das betrifft, viel Ausdauer. Ich könnte ihn jetzt meckern lassen – mit der Gefahr, dass er eine Stunde lang meckert, jault, an mir rumzieht und sich in einen veritablen Wutanfall steigert. Dabei konzentriert arbeiten – geht nicht wirklich. Das kleinere Übel ist es, ihn auf den Schoß zu nehmen, ein wenig zu kuscheln und dabei weiterzutippen. Wenn alles gut geht, ist er nach einer halben Stunde vom Schoß runtergerutscht. Achja, Home Office mit Kind…

homeoffice

Tippen mit Kind auf dem Schoß: Eine, der vielen Fähigkeiten, die man sich als Mama aneignet.

Zuhause arbeiten mit Kindern klappt nur bedingt

Der Große blättert derzeit in einem Dinobuch. Man sollte meinen, da hat man vielleicht ein bisschen Ruhe in seinem Home Office. Aber ein Fünfjähriger hat natürlich Fragen. Viele Fragen:

„Mama, gab es noch andere gefährliche Dinosaurier außer dem Tyrannosaurus Rex?“

Murmel, murmel, was von Velociraptor und was man sich mit der Zeit so an Dinohalbwissen angeeignet hat.

„Wieso war der so gefährlich?“

Murmel.

„Hat der auch Blätter gefressen?“

Nö.

„Haben die anderen Dinosaurier nicht auf sich aufgepasst?“

Nicht immer.

„Wieso sind die Dinos ausgestorben?“

Diese Frage stellt er immer wieder und die Tatsache, dass selbst kluge Wissenschaftler es nicht wissen, stellt ihn nicht zufrieden. Sämtliche Theorien sind ihm auch nicht schlüssig genug und jedes Mal hofft er, dass ich eine neue Theorie habe. Ich schlage ihm seufzend vor, doch was Schönes zu basteln, das kann er auch gut in meinem Home Office erledigen. Basteln geht gut, sogar ganz alleine, allerdings muss er mir jeden Arbeitsschritt mitteilen:

„Ich klebe dem Marienkäfer jetzt Beine an.“

„Ich male jetzt die Punkte auf.“

„Ich schneide hiermal noch einen anderen Marienkäfer auf.“

„Ich male hier eine Achterbahn, die fährt immer im Kreis. Mama, bist du schommal Achterbahn gefahren?“

Oh, hier reicht es nicht, einfach nur „schön“ zu sagen. Schnell von dem Artikel über neueste Controllinginstrumente aufgeblickt und „ja“ gebrummt.

„Fährt die ganz schnell?“

Ja.

„Jetzt male ich der Achterbahn einen Kuhfänger. Einen Kuhfänger male ich.“

Kurz wundern: Woher zum Teufel kennt der Junge den Begriff Kuhfänger?!

Und während man telefoniert, muss garantiert immer einer aufs Klo

Zwischendrin kommt der Kleine mit seinem Müllauto angefahren. „Das Müllauto ist bis oben hin voll Mama.“ Die Müllhalde, wo alles abgeladen wird, ist natürlich… unter meinem Schreibtisch hier im Home Office. Er wuselt also mit seinem Müllauto zwischen meinen Füßen umher und holt unermüdlich neuen „Müll“, den er dort ablädt. Ich tippe. Und tippe. Telefon klingelt. Schnell die Arbeitsstimme aufsetzen, mich mit diesem professionellen Klang (wie ich hoffe), melden und ein paar Fragen klären, Termine abstimmen. Weiß ja keiner, dass ich im Home Office arbeite und dass mein Home Office heute zwei Kinder und ihr gesamtes Spielzeug beherbergt. Während ich also so ein halbes Interview für einen Artikel über Ehrenamtskoordination führe, meldet sich der Große: „Mama, ich muss auf Klo. Du musst mitkommen und sagen, die Luft ist rein.“ Wenig später, ich noch am Telefonieren: „Mama, ich habe zwei Aa-Würste gemacht.“ Laut sagt er das, sehr laut.

Achja, so geht das munter weiter. Ich kann derweil meine Füße nicht mehr bewegen, weil sie von einer Müllhalde aus Legosteinen umringt sind. Das Arbeiten im Home Office mit Kindern – es ist ja so ungemein praktisch 😉 Großer Zwinkersmiley, denn Achtung, dieser Satz war ironisch!

Es ist gut, wenn man im Krankheitsfall von zuhause aus arbeiten kann – und für ein paar Tage geht das auch mit dem Homeoffice mit Kind und Kindern. Aber … ganz ehrlich: Auf Dauer und damit ist durchaus schon die Länge der Sommerferien gemeint, ist das Arbeiten mit Kindern nicht wirklich produktiv. Es soll schon vorgekommen sein, dass sich in meine Artikel die Worte Tyrannosaurus Rex und Müllhalde einschlichen. Spätestens dann ist es an der Zeit, dass der Kindergarten wieder beginnt!

Was sind Eure Erfahrungen vom Home Office mit Kind? Könnt Ihr arbeiten, wenn die Kinder dabei sind? Erlauben Eure Arbeitgeber für den Notfall einen Tag Home Office?

Mehr von der ganz normalen Mama lesen? Dann folgt mir doch per Email, auf Facebook, bei Instagram oder Pinterest – ich freue mich auf Euch!

5 Kommentare zu “Home Office mit Kind – die ungeschminkte Wahrheit

  1. Der Artikel passt grad richtig gut! Ich bin schwanger und möchte direkt nach dem Mutterschutz halbtags (aber flexibel aufgeteilt) von zu Hause aus weiterarbeiten.
    In meinem Kopf ist das auch ganz easy aber es kommen immer mehr, die bezweifeln, dass das klappt.
    Ich bin gespannt. Es sind ja noch keine zwei Rabauken. 😉
    Aber immerhin haben wir beide Jobs, die man im Zweifelsfall tatsächlich von daheim machen kann. Das hat nicht jeder. 🙂
    Liebe Grüße!

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  2. Hihi! Kommt mir recht bekannt vor. Ich kann das auch nur, wenn die Zwei entweder schlafen, oder eben anderweitig untergebracht sind … dann kann ich daheim wirklich gut arbeiten. Haushalt lenkt mich dabei nicht wirklich ab. Aber in Ferienzeiten …? Geht nicht! Da kann ich kurz mal was machen, aber keine 5 Stunden am Stück. Und das, obwohl meine Kinder sich wirklich gut alleine beschäftigen können (Übrigens leisten die Wer? Wie? Was?-CD’s gute Dienste bei Fachfragen. Mein 5-Jähriger liebt die!).
    Da ich einen recht weiten Arbeitsweg habe, nutze ich die Möglichkeit des Home-Office aber grundsätzlich sehr gerne. Und bei meiner Arbeit ist das auch gut möglich. Ich genieße aber auch die Zeit im Büro.
    LG, Tina

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  3. Hach wie schön… wenigstens geht es uns allen so. Ich kann bei Bedarf Home-Office machen. Wenn meine 5jährige krank ist klappt das relativ gut. Aber schwierige Dinge verschiebe ich dann auf abends wenn sie schläft. Wir haben in Österreich 9 Wochen Sommerferien. Prost Mahlzeit. Diese Woche geht sie zum ersten Mal „alleine“ für drei Tage in eine Sommerbetreuung. Ich bin schon gespant wie es klappt. Für den ersten Tag morgen habe ich mal wieder HomeOffice geplant damit ich sie im Notfall kurzfristig abholen kann. Und wenns dort gar nicht klappt werde ich sie den Rest der Woche wohl oder übel ins Büro mitnehmen müssen. Dankbar das ich diese Möglichkeit habe, aber nicht sicher ob das wirklich sinnvoll ist. Wir werden sehen 😉
    Liebe Grüße aus Salzburg!

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  4. Hahaha, der Text ist einfach herrlich 😀 Erfahrung mit Homeoffice und Kindern habe ich nicht, ich kenne nur nervige Mitbewohner: „Kommst du mit in die Stadt?“ – „Guck mal es ist so tolles Wetter draußen. Wollen wir raus? Bitte, es ist doch Wochenende“. – „Hast du auch Hunger? – Ich koche uns was. 5 min später – was willst du denn noch zur Soße“. „Du, das muss ich dir unbedingt mal zeigen“. In solchen Situationen ist Homeoffice gar nicht mehr so toll wie es klingt 😀

    LG Svenja

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  5. Haha, das hast du aber lustig beschrieben! Ich frage mich öfter, warum so viele Leute vom Home Office schwärmen. Wenn die Kinder zuhause sind, kann man sich weder auf sie noch auf die Arbeit richtig konzentrieren (und da krieg ich immer sofort Stress!) und wenn man allein zuhause ist, lenkt der Haushalt oder sonstwas ab, was man „eben schnell zwischendurch machen“ könnte, und Austausch mit Kollegen ist auch nicht wirklich drin. Kein Zweifel, Home Office ist praktisch (kein Arbeitsweg, keine Betreuungpanik bei Kinderkrankheit usw) und ich bin froh, dass ich bei Bedarf (Kind krank, Klempner kommt zwischen 8 und 15 Uhr) problemlos mal einen Tag von zuhause aus arbeiten kann, aber auf Dauer wär das nichts für mich. Mir würden die Kollegen, und ja, auch die kinderattributfreie Umgebung beim Arbeiten fehlen. Und wie du schreibst: meistens läuft es auf Nachtarbeit hinaus, wenn die Kinder zuhause sind. Auch nicht das Gelbe vom Ei…

    Liebe Grüße aus Holland!

    Gefällt 1 Person

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