Mein Kind in der Warum-Phase: Ein Dialog

Mein Sohn ist in der Warum-Phase. Eigentlich seit er sprechen kann. Also seit bummeligen dreieinhalb Jahren. Gefühlt seit einer Ewigkeit. Seine Neugier ist unglaublich. Alles will er wissen, alles hinterfragt er und allzu oft bin ich so perplex über seine Gedankengänge, dass mir selbst keine Antwort einfällt. Denn manches, was uns so selbstverständlich erscheint, ist eigentlich, beim genaueren Nachdenken ein Wunder, ein großes Rätsel. Und dann diese plötzlichen Gedankensprünge und Assoziationen, bei denen man gar nicht mehr hinterherkommt! Die Warum-Phase ist spannend, sie bringt Spaß, sie ist superwichtig für die Entwicklung des Kindes – aber, ganz ehrlich, sie kann auch unglaublich nerven. Einen typischen Dialog habe ich mal für Euch mitgeschrieben..

Wissensbücher, Was ist Was, Warum-Phase

Wissensbücher kann man nicht genug haben – denn die Neugier von Kindern in der Warum-Phase ist unersättlich!

Wir sind am Pfannkuchenbacken, der Große reicht mir vorsichtig die Eier für den Teig.

-Mama, warum muss man mit den Eiern vorsichtig sein?

-Weil sie kaputt gehen, wenn sie runterfallen und dann haben wir eine Riesensauerei und kein Ei für die Pfannkuchen.

-Und warum gehen Eier so schnell kaputt?

-Weil sie eine ganz dünne Schale haben. Die zerbricht ganz leicht.

-Und wieso haben sie so eine dünne Schale?

-Damit das Küken sich leichter durchpicken kann.

-Aber in dem Ei ist doch gar kein Küken, wieso hat es dann auch so eine dünne Schale?

(so, nun komme ich ins Stocken. Die anderen Fragen kann man so nebenher beim Teig mixen locker beantworten, nun muss man doch kurz mal nachdenken)

Ehe ich mir eine verständliche, nicht zu komplizierte Antwort zurechtlegen konnte, ist mein Sohn schon ganz woanders.

-Mama, warum bleibt das Kakaopulver nicht so lange auf der Milch liegen?

(den Kakao gab es übrigens vor drei Stunden zum Frühstück, da gab es Riesentheater, weil kein Kakao mehr in seinem Becher war – und er nicht glauben wollte, dass der Kakao nur an den Tassenboden gesunken war. Mit physikalischen Eigenschaften und Dichten von Milch und Kakao zu kommen ,wäre jetzt vielleicht too much, ich versuche es anders)

-Das Kakaopulver ist schwerer und sinkt deshalb nach unten. Wenn du einen Stein ins Wasser wirfst, tut er das ja auch.

-Aber erst bleibt das Kakaopulver ja oben liegen. Wieso ist das so, Mama?

-Weil es nicht so schwer ist wie ein Stein. Sondern leichter. Da dauert es eine Weile.

(nebenher brate ich den ersten Pfannkuchen)

-Und wieso?

-Weil es ganz langsam absinkt. (doofe Antwort, ich weiß)

-Und dann?

-Sammelt es sich unten am Boden. Wenn man dann umrührt, wird die Milch dann braun.

-Aber wieso?

-Weil sich der Kakao dann auflöst.

Und wieso löst er sich auf?

(weil er wasserlöslich ist! Was sagt man denn nun? Während ich nach einer Erklärung suche, kommt schon die nächste Frage)

-Aber Zucker löst sich doch auch auf, oder?

-Ja. Genau wie Kakaopulver.

-Aber wieso wird dein Tee dann nicht weiß?

-Schau mal (praktischerweise steht die Zuckerdose noch da vom Teigmixen), Zucker ist eigentlich durchsichtig, das sind so ganz kleine Kristalle, der sieht nur weiß aus.

-Und wieso?

(ich will gerade zu einer Erklärung ansetzen, da fallen ihm wieder die Eier ein)

-Mama, wieso fallen Eier eigentlich immer auf den Boden, wenn man sie fallenlässt?

-Es gibt da die Schwerkraft, die zieht alles auf den Boden. Dich auch, wenn du hochspringst. (ich will grade erklären, dass es das im Weltraum nicht gibt und Astronauten deshalb herumfliegen, da beschäftigt ihn schon wieder was anderes)

-Mama, wieso geht denn ein gekochtes Ei nicht kaputt, wenn es auf den Boden fällt?

(er ist schlau, oder?! Diese Logik finde ich schon clever. Aber auch hier bleibt mir keine Zeit zum Antworten, denn da kommt auch schon die nächste Frage)

-Mama, warum sind Lastwagen eigentlich immer so laut?

Die Neugier von Kindern ist unersättlich

So geht es munter weiter! Mütter sind wandelnde Lexika! Unser Allgemeinwissen wird durch die Kinder noch einmal in ungeahnte Höhen gepusht. Wir müssen über Dinge nachdenken, die uns vorher nie in den Sinn kamen.Die Neugier von Kindern ist unersättlich! Glücklicherweise gibt es diese ganzen tollen Bücher, aus denen man dann mal vorlesen kann. Und für unterwegs das Telefon, wo man auch mal schnell was nachschlagen kann.

Was haben unsere Mütter eigentlich früher gemacht? Den 27-bändigen Brockhaus hatte man ja doch eher selten auf dem Spielplatz dabei.

Ich bin auch unendlich dankbar für die Existenz von Youtube. Wenn dort eine alte Folge von „Sendung mit der Maus“ mal eben schnell die Schwerkraft erklärt. Oder zeigt, wie ein Auto gebaut wird.

Manche Kinderfragen sind sogar richtig philosophisch

Aber diese Fragen hören nie auf! Es geht immer so weiter. Und sie kommen gerne in ganz merkwürdigen Augenblicken. Wenn man an der Supermarktkasse steht, die Kassiererin einen neuen Weltrekord in Sachen „Waren übers Band ziehen“ aufstellt, 20 Leute hinter einem ein böses Gesicht machen, man versucht, alles in die viel zu kleine Einkaufstasche einzufüllen und sich der kleine Bruder gleichzeitig im Buggy abschnallt und den Laden schonmal verlassen will. Dann kommt ein „Mama, warum wachsen Ananas eigentlich nicht unter der Erde?“ doch eher ein bisschen unpassend. Ein „ich erkläre es, wenn wir draußen sind, ok?“ wird dann auch gerne mit der nächsten Frage beantwortet: „Können Ananas denn auch in unserem Garten wachsen?“

Achja. So langsam geht es auch beim Kleinen los. Er haut seine Fragen gerne mitten im Dialog zwischen seinem Bruder und mir raus: „Mama, wieso ist das Spargelhaus zu?“ (das ist der Spargelverkaufsstand an der Straße) Oder ein: „Wo ist denn das Müllauto jetzt, Mama?“ Ja, man kommt kaum zu Wort…

Einfach zu sagen „Weiß ich nicht“ wird übrigens nicht akzeptiert. Mama muss doch alles wissen! Es wird gefragt und gefragt und gefragt – und wenn ich dann irgendwann genervt sage „Ich weiß es wirklich nicht, glaube mir doch mal“, verweist er auf das Internet: „Guck doch mal auf dem Handy nach.“ Eine Erzieherin aus seinem Kindergarten sagte mal, dass man dann einfach sagen soll: „Weil es so ist. Du must nicht alles wissen.“ Wie findet Ihr das? Ich finde es etwas … naja, unhöflich. Er soll ja fragen, er soll ja lernen und ich bin ja eigentlich froh, dass er so viel wissen will und ständig alles erforscht. Aber zugegeben – wenn die Frage zu kompliziert, mir keine kindgerechte Antwort einfällt oder die Situation wie an der Supermarktkasse einfach unpassend ist, dann rutscht mir auch ein: „Weil das eben so ist“ raus. Geht es Euch auch so? Seine Fragerei stoppt das übrigens auch nicht 🙂 Die ist durch nichts zu stoppen!

Ganz ehrlich: Wenn dann abends nach einer Stunde Einschlafritual, das fast schlafende Kind sich auf einmal aufsetzt und fragt: „Mama, wissen die Küken eigentlich, dass sie in einem Ei sind?“ dann hat man nicht immer Lust, diese philosophisch doch durchaus interessante Frage, in aller Ruhe zu erörtern. Und wenn dann irgendwann beide Kinder schlafen, freuen wir Eltern uns über so viel Ruhe, dass wir den Fernseher auslassen. Einfach mal… Ruhe. So ein ganz bisschen. Bis der erste wieder aufs Klo muss. Oder noch eine kleine Frage hat.

Kennt Ihr diese Warum-Phase auch von Euren Kindern? Mit welchen Fragen löchern Euch Eure Kleinen? Habt Ihr da besonders lustige, kreative oder unlösbare parat?!

Herzlich Willkommen bei der ganznormalenMama! Ich freue mich, wenn ich Euch zum Lachen bringe – denn mit Humor geht alles leichter! Stöbert in meinen Texten und lernt mich kennen. Und wenn Ihr keinen Text mehr verpassen wollt, dann folgt mir auf Facebook oder per Email – ich würde mich sehr freuen!

2 Kommentare zu “Mein Kind in der Warum-Phase: Ein Dialog

  1. Herrlich! Hab ich gelacht… ja genau DAS kenne ich! Meine Lieblingsfrage war (mein Sohn ist gerade 3 geworden): „Mama, was ist eigentlich Kacki?“

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  2. Was soll man da noch ergänzen? Herrlich und stressig zugleich. Besonders fies: Neulich im Kindergarten. Jules Mama betritt die Bühne. „Mama. Warum hat der Jule ihre Mama so einen großen Bauch?“, oder letztens im Zug „Mama. Hat der Mann in seinem dicken Bauch ein Baby drin?“ Reicht da noch verlegen lächeln oder soll man da schon schimpfen?

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