Durchschlafen? Wird überschätzt.

Guten Morgen. Ich brauchte erstmal zwei Kaffee, um die Augen etwas weiter als einen Millimeter öffnen zu können. Aber nun sitze ich hier und bin… erstaunlich fit! Heute Nacht hätte ich das nicht gedacht. Da hab‘ ich mich nach dem gefühlt 20. Mal Kind zum Einschlafen bringen gefragt, wie ich den heutigen Tag überstehen soll. Dabei sollte ich es mittlerweile besser wissen: Irgendwie ist man dann doch am nächsten Morgen fitter als man nachts glaubt. Durchschlafen wird überschätzt. Es ist ’ne nette Sache. Aber selbst so Morgenmuffel und Langschlaffans wie ich kommen irgendwie durch den Tag!

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Zwei Tassen Kaffee später sieht die Welt gleich ganz anders aus.

Die Frage nach dem Durchschlafen nervt frischgebackene Eltern!

Es ist einer dieser typischen, mitunter doch ziemlich nervigen Sätze, die frischgebackene Eltern ständig zu hören bekommen: „Und wie sind die Nächte? Schläft das Baby schon durch?“ Nein, taten meine beiden Jungs in den ersten Wochen überhaupt nicht, sie waren beide Fans des Zwei-Stunden-Stillmarathons, der dann meist so aussah: Eine halbe Stunde links, eine halbe Stunde rechts, eine Stunde schlafen und den ganzen Spaß nochmal von vorn. In den ersten sechs Wochen waren die 24 Stunden das Tages ungefähr so verplant. Ich verbrachte viel Zeit damit, einhändig Blogtexte zu schreiben, mit eingeschlafenen Füßen auf dem Sofa zu sitzen und eben auch viel Zeit damit… nachts wachzuliegen und zu hoffen, dass der Sohnemann endlich mal schneller seine Milchportion intus hat.

Ja, es gab diese Nächte, wo ich wirklich nah am Nervenzusammenbruch war. Wenn dann diese Nächte beim zweiten Kind noch dadurch getoppt wurden, dass der Große genau in der einen Schlafstunde des Kleinen plötzlich auf Klo musste, ja, dann lagen die Nerven schon ziemlich blank. Und ich verstand, wieso Schlafentzug als Foltermethode eingesetzt wird. Das waren Nächte, in denen ich mich fragte, wie ich den nächsten Tag überstehen soll. Beim zweiten Kind noch viel mehr als beim ersten, denn da war ja nix mehr mit tagsüber einfach mit dem Baby zusammen schlafen.

Und abgesehen von einigen wenigen Tagen, in denen ich wirklich in den Seilen hing und mich im Zeitlupentempo durch den Tag bewegte und abends um 18 Uhr mit den Kindern dankbar im Bett verschwunden war – abgesehen von diesen wirklich seltenen Tagen, funktionierte ich tagsüber tatsächlich besser als in der Nacht noch befürchtet!

Meistens sind die Durchschlaf- freien Nächte weniger schlimm als befürchtet

Das ist auch eines der Wunder, die man als Mama lernt: Der Körper ist widerstandsfähiger als man denkt. Nicht nur bezogen auf enorm wachsende Bäuche oder schmerzende Wehen – nein, auch bezogen auf den Schlafmangel! Allen, bei denen die Geburt noch bevorsteht, möchte ich Mut machen: Schlafmangel ist doof. Aber man kommt damit meistens besser klar als erwartet! Das Schlimmste ist eigentlich die Angst in der Nacht, wie man den kommenden Tag überstehen soll. Deshalb am besten: Gar nicht erst solche Gedanken zulassen.

Es wird schon.

Nunja. Ich hätte Euch jetzt gerne geschrieben: Es sind ja auch nur die ersten paar Wochen, die man sich mit durchwachten Nächten um die Ohren schlägt. Vielleicht habt Ihr Glück und es ist tatsächlich so.

Es soll solche Kinder geben. Man hört es ja immer wieder.

Meine Jungs gehörten leider nicht dazu. Beide waren immerhin nach sechs bis acht Wochen so weit, dass sie fünf bis sechs Stunden am Stück schliefen (wenn sie nicht gerade erkältet waren, ein Zahn kam oder ein Wachstumsschub oder Entwicklungsschub bevorstand…), was mir nach den ersten Wochen wie ein Wellnessurlaub vorkam.

Der Große schlief sogar mit einem Jahr komplett durch, ging abends ins Bett und ließ uns bis neun schlafen, wenn nicht grad der Wecker einen Strich durch die Rechnung machte. Paradiesische Zustände! Ich dachte, dass ist bei allen Kindern so. Ich dachte: Ach, was ist schon ein Jahr wenig Schlaf, eigentlich gar nix, alles halb so schlimm. Zu früh gefreut.

Jedes Kind ist anders. Auch wenn es ums Durchschlafen geht.

Ich weiß die paradiesischen Zustände erst jetzt richtig zu schätzen, seit der kleine Bruder auf der Welt ist. Erwartungsvoll freute ich mich auf seinen ersten Geburtstag. Und musste lernen: Jedes Kind ist anders. Nix mit Durchschlafen. Drei bis viermal wachte er nachts auf. Immernoch. Ich dachte mir, vielleicht braucht er ein paar Monate mehr.

Tja. Heute ist er zwei Jahre und drei Monate alt und wacht immer noch Nacht für Nacht drei bis viermal auf. Unabhängig von irgendwelchen Zähnen, denn die sind längst alle da.

Letzte Nacht war wieder so eine Nacht, wo er nicht nur aufwachte, sondern auch noch länger als ein paar Minuten zum Wiedereinschlafen brauchte. Und schlief er mal länger als eine Stunde am Stück, bekam sein erkälterer Bruder einen Hustenanfall, der mich aus dem grad gefundenen Schlaf riss. Ab fünf war dann die Nacht komplett vorbei. Bis kurz nach sechs, da schlief er wieder ein. Um halb sieben klingelte der Wecker.

Was soll ich sagen?

Jetzt, zwei Kaffee später an meinem Schreibtisch fühle ich mich fast… ausgeschlafen. Hätte mir das früher jemand gesagt. Ich, die unausstehlich war, wenn ich weniger als meine acht Stunden Schlaf hatte. Die nach einem Überseeflug ohne Schlaf nur ein Schatten ihrerselbst war. Pah!

Das beste Mittel gegen Jetlag: Dauerjetlag. Wenn man sowieso keinen richtigen Schlafrhythmus hat, dann macht einem auch so eine Rhythmusumstellung nix aus. Alles eine Frage der Gewöhnung!

Aber bevor Ihr mich jetzt für die Heldin der durchwachten Nächte haltet: Abends merke ich dann doch den Schlafmangel. Ab 19 Uhr ist die Luft raus und meistens lande ich nach solchen Nächten abends mit den Kindern im Bett. Wäre ja so schön gewesen, in Ruhe eine Zeitschrift zu lesen oder mit dem Mann zu ein paar Worte zu wechseln, aber so ein weiches Kopfkissen, ach, bequem ist es schon und überhaupt… schnarch, schwupps, eingeschlafen.

Aber es tut doch gut zu wissen, dass man nicht alleine ist, wenn man nachts wachliegt und im zwei Stunden Takt aus dem grad erreichten Tiefschlaf gerissen wird!

Nun ruft mich meine Arbeit, die Liste auf meinem Schreibtisch ermahnt mich, doch mal in die Puschen zu kommen und das Schwafeln sein zu lassen. Ich mache mir noch eine Kanne Grünen Tee und freue mich schon jetzt auf meinen Feierabendkaffee.

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Nun noch einen grünen Tee und dann geht das schon.

Und wie geht es Euch nach durchwachten Nächten? Habt Ihr Tricks, um den Tag halbwegs trotz Schlafmangel zu überstehen? Wann hat es bei Euch mit dem Durchschlafen geklappt?

 

8 Kommentare zu “Durchschlafen? Wird überschätzt.

  1. Hach ja. Solche Texte zeigen auch Eltern von nicht durchschlafenden Kindern, dass dieses Verhalten nicht an Ihnen liegt. No. 1 schlief einfach gut und no. 2 eben nicht. So ist das eben. Und ja, Durchschlafen wird überschätzt. Wobei 5 Stunden am Stück doch wirklich prima sind.

  2. Ich finde deinen Artikel super! Ich ernte die unterschiedlichsten Reaktion auf meine Antwort zu unseren Nächten. Von „Ach, du Arme“ über „Dafür siehst du aber noch gut aus“ bis hin zu „Da machst du aber etwas gewaltig falsch“ ist alles dabei!
    Meine kleine Monsterbacke ist jetzt etwas über neun Monate alt und sie hat von Anfang an einen stündlichen Rhythmus. Sie wird nach einer Stunde wach, mal möchte sie die Brust und mal einfach nur kuscheln. Alle zwei Stunden muss sie dann aber spätestens an die Brust. Zugegeben, in der Nacht kann das auch nervig sein. Ich bin grad so richtig eingeschlafen und schwubs werde ich wieder geweckt. Auch ich bekomme dann Gedanken, wie soll ich nur den Tag überleben? Aber fast immer schaffe ich es ohne Probleme. Manchmal aber auch nur mit Streichhölzern zwischen den Augenlidern. Ab und zu gönne ich es mir dann darüber zu jammern. Aber wenn ich mal ehrlich zu mir bin, ich bin noch in Elternzeit und habe kein zweites Kind. Natürlich darf ich jammern, aber es hätte auch schlechter kommen können. Z.b. ein ernsthaft krankes Kind. Ich bin froh und liebe mein kleines Monster überalles.
    Egal wie unsere Nacht auch war, ich wünsche meinem kleinen Monster immer mit „Du hast ganz toll geschlafen“einen guten Morgen und ich bekomme ein wunderschönes Lächeln.

  3. Huhu liebe Natalie, ja ja, jedes Kind ist anders! Das musste ich auch feststellen! Und das einer Dauerjetlag absolut hilft. Ich glaube ja auch, dass es die Mama Hormone sind, die uns diesem Schlafmangel überleben lassen. Anders kann ich es mir nicht vorstellen! Liebe Grüße Tanja

  4. Oh ja… diese verflixten „Stillnächte“ kenne ich auch noch. Meinen Großen habe ich ja gestillt und da kenne ich das noch zu gut: In den lauen Sommernächten im Wohnzimmer zu sitzen und den Bussen zu zu hören, wie sie ins Depot fahren um ihren verdienten Feierabend zu machen- und ich? Sitze auf der Couch und versuche meinen Kleinen wach zu halten, weil er Nachts immer während dem Stillen, eingeschlafen ist.
    Aber die Tage waren nicht schwer. Nach einpaar Tassen Kaffee und einem Schläfchen am Mittag war das alles zu schaffen.
    Da bin ich ehrlich gesagt froh, dass mein Kleiner nicht gestillt wird (wg Medikamenten die ich nehme). Er hat die Flasche vom Anfang an bekommen und schon mit 6 Wochen durchgeschlafen. Ich weiß nicht zu 100% ob es an der Flasche liegt, aber ich denke schon.

  5. Der Frechdachs ist fast 15 Monate alt und schläft vielleicht ein Mal jeden zweiten Monat durch… Er wacht durchschnittlich zwei bis drei mal pro Nacht auf…Ich habe mich dran gewöhnt, aber einige Nächte sind immer noch Horror. Die sind aber zum Glück eher selten. Aber gerade dann kann es ja nur besser werden ;)

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