Morgens im Kindergarten-Bullshitbingo

Einer meiner Gründe für diesen Blog war ja auch mal, Euch zu zeigen: Hey, Ihr seid nicht alleine! Niemand ist perfekt und irgendwie sitzen wir alle im selben Boot. Denn es hilft ja zu wissen, dass das irgendwie doch alles ganz normal ist, was uns der Alltag beschert. Besonders schön anzusehen ist das morgens im Kindergarten, wo alle Eltern dieselben Sätze abspulen und alle Kinder noch fast schlaftrunken dieselben Antworten geben oder halt nicht geben. Das ist doch irgendwie tröstlich: Es ist nicht nur bei uns so! Ich hab‘ da mal für Euch mitstenografiert und unseren Morgen in einem Morgens im Kindergarten – Bullshitbingo aufgearbeitet.

Gummistiefel, ganznormalemama, Bullshitbingo

Aus „Ziehst Du bitte Deine Schuhe aus?“ wird morgens ganz schnell „Zieh jetzt Deine Schuhe aus!“

Ihr kennt diese Situation, oder? Morgens im Kindergarten, die Kinder sitzen desinteressiert in der Garderobe und machen … nichts. Die Eltern stehen mehr oder weniger genervt, je nach Eskalationsstufe, vor ihren Kindern und sehen in Gedanken ihren Bus zur Arbeit ohne sie davonfahren.  Und dann fallen diese Sätze, die irgendwie immer fallen. Jeden Morgen, jeden Tag dasselbe im KindergartenorgMorgen. Bei jedem Kind. In leichten Variationen, aber im Kern dann doch mit derselben Aussage:

Bullshitbingo, Kindergarten, morgens, Stress am MorgenNa, heute Morgen auch wieder BINGO gerufen???

An jedem Morgen dieselbe Trödelei

Da hat man es endlich aus dem Bett, an den Frühstückstisch und irgendwie auch tatsächlich in die Klamotten, aus dem Haus, vorbei an etlichen spannenden Pfützen und Müllautos wie durch ein Wunder halbwegs pünktlich in den Kindergarten geschafft. Und dann das. Die letzte Hürde ist die Schwerste!

Man kann die jeweiligen Eskalationsstufen schon am Gesichtsausdruck der Eltern erahnen: Am Anfang bleibt es noch bei der höflichen Aufforderung, sich doch bitte mal die Schuhe auszuziehen. Das schaukelt sich schnell hoch, bis man eigentlich nur noch die wahlweise vier oder fünf Ausrufezeichen hört. Dass der Effekt beim  Kind ausbleibt, muss ich wohl nicht erwähnen? Als ob sie sich abgesprochen haben, sitzen die lieben Kleinen regungslos in der Garderobe und verabreden sich zum Spielen im Bauraum oder zum gemeinsamen Malen – aber die immer flehenderen Appelle der Eltern bleiben ungehört. Sie haben einen Filter, der besonders diese leicht hysterischen Untertöne einfach herausfiltert.

Interessant ist auch, dass man an dem Verhalten der Kinder ihre unterschiedlichen Entwicklungsstufen ablesen kann. Während die Kleinen sich eigentlich noch am ehesten ganz leicht umziehen lassen (ja, liebe Kleinkindeltern freut Euch nicht zu früh, es wird sich ändern!), kommt dann die Trotzphase kombiniert mit der Selbstmach-Phase, in der es nur noch heißt: „Ich mach‘ das!“ Alles wollen sie selbst machen, was ja auch ganz löblich ist, nur leider nicht, wenn der Chef auf einen wartet und das Schuhe ausziehen sich schwieriger gestaltet, als das Kind vermutet hat.

Auf diese Selbstmach-Phase folgt komischerweise dann, wenn sie es endlich im vernünftigen Tempo erlernt haben, ein Rückfall in die Kleinkindphase, in der alles Erlernte wie weggeblasen ist (jedenfalls temporär) und die Kinder wie einmMehlsack in der Garderobe hängen und plötzlich vergessen haben, wie der Klettverschluss aufgeht oder die Jacke ausgezogen wird.

Morgens zuhause haben wir die Trödelei mittlerweile ganz gut im Griff: Durch ein „Wettrennen“, wer am schnellsten angezogen ist. Das klappt ganz gut. Der Gang zum Kindergarten auch. Doch dort muss es dann die Gruppendynamik sein, die meinen Großen vergessen lässt, wie das mit Hausschuhe anziehen noch mal ging.

Bullshitbingo: Floskeln, die alle Eltern morgens im Kindergarten zu ihren Kindern sagen - ERziehung mal mit Humor.

Genervte Eltern im Kindergarten bekommen Schweißausbrüche

Sind die Kinder irgendwann aus ihren Schuhen geschlüpft und hängen die Jacken an den richtigen Haken, sind die Mamas und Papas besonders im Winter in ihren viel zu dicken Winterjacken komplett schweißgebadet und mit den Nerven reichlich am Ende. Ja, man hört auch ab zu einen Stoßseufzer, den die eine oder andere Mama ausstößt: „Ich freue mich auf meinen Kaffee im Büro. So ganz in Ruhe!“

Nun kommt aber doch noch mal Leben in die Mehlsack-Kinder, die erstmal wissen wollen, wann sie abgeholt werden, am besten zehnmal, den Zeitpunkt gerne noch einmal nachverhandeln (plötzlich weicht die vorherige Lethargie einer wirklich erstaunlichen Argumentationsfähigkeit) und auch gerne noch einmal über den Inhalt der Frühstücksbox diskutieren: Wieso schon wieder kein Schokocroissant? Und immer dieses blöde Wasser, der XYZ hatte doch neulich auch so eine Limo dabei mit Orange drauf. Aber das ist schon ein eigenes Thema, das ich mir mal auf meiner Themenliste notiere.

Irgendwie schafft man es dann, die Kindergartentür hinter sich zu ziehen, tauscht noch den einen oder anderen wissenden Blick mit den anderen Muttis aus und schenkt der Mama einen verständnisvollen Blick, die schicksalsergeben den Tobsuchtsanfall des Kindes über sich ergehen lässt, das unbedingt selbst die Klingel drücken wollte.

Und wisst Ihr was? Nach fünf Stunden im Büro vermisse ich meine lieben Kleinen tatsächlich wieder so doll, dass ich beim Abholen richtig Gas gebe. Weil ich mich darauf freue, wie sie freudestrahlend in meine Arme gelaufen kommen. Und um mir dann anzuhören: „Wieso kommst Du so früh, Mama? Ich will doch noch das Puzzle zu Ende machen.“ Tja, wie man’s macht… Dass das Anziehen dann übrigens wieder mit ganz ähnlichen Zitaten abläuft, muss ich wohl nich erwähnen.

Und welche Sätze fallen bei Euch morgens im Kindergarten? Habt Ihr einen Trick? Seid Ihr so konsequent und geht einfach, auch wenn die Schuhe nicht ausgezogen sind? Oder habt Ihr es eher mit dem Motto: Bitte kein Theater am frühen Morgen, das halten meine Nerven ohne zweiten Kaffee nicht durch. (bei uns im Kindergarten haben so ungefähr 99 Prozent aller Eltern dieses Motto für sich entdeckt).

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15 Kommentare zu “Morgens im Kindergarten-Bullshitbingo

  1. Ich bin zum Glück noch in der Phase, wo ich ihn schnell ausziehen kann, er sofort in seinen Gruppenraum rennt und ich wieder schnell zu Nr. 2 huschen kann, der meist friedlich in der Zeit im Auto schlummert. Dabei Wunder ich mich dann immer, warum die andern Eltern immer so lange brauchen ;-) aber ich ahne schon, eine neue Phase wird kommen…

  2. Da wir erst kurz nach der Eingewöhnung sind von ich momentan nur stolz das er ohne mich dort bleibt. Egal was ich wie oft sagen oder selber machen muss.
    Aber ich bin mir sicher es kommen noch andere Zeiten.
    Lg Rebecca

  3. Hi, ich trinke meinen zweiten Kaffee schon mal zu Hause und beim Ausziehen in der Kita/Schule helfe ich noch. Sie wollen soooo gerne noch ein wenig betüddelt werden und das mache ich. Geht auch schneller. :-) Zum Glück bringt bei uns der Mäusepapa meistens die beiden Kleinen in die Kita. Ich bringe die Große dafür in die Schule und da fallen dann auch schon mal Sätze wie: „Komm schnell, wir sind schon wieder zu spät dran.“, „Wo ist denn Deine Mütze?“, „Wie, Du sollst heute das Schwimmgeld (wahlweise Theatergeld, Kursgeld oder Frühstücksgeld) mitbringen?“, „Ich weiß nicht, ob die Oma morgen mit Dir schwimmen (wahlweise einkaufen, ins Miniaturwunderland oder nach Hause) geht. Das müssen wir sie mal fragen.“ oder „Na klar darfst Du Mittwoch wieder alleine nach Hause gehen, aber nur wenn XYZ mitgeht.“. Und beim Abholen wird dann auch wieder betüddelt. Hach, ich bin so herrlich inkonsequent. Lach…. LG, Martamam

  4. Ich schaue ja von der erzieherinnenseite aus auf das morgendliche Treiben. Manchmal bieten wir an, die Kinder in der Garderobe sitzen zu lassen mit Mütze , Schal, jacke u.s.w. Dann wird die Mama entspannt verabschiedet. Meist zeigt es sich, dass ohne Zeitdruck und Machtkampf das Ganze kein Problem mehr ist. Geht aber nur weil wir nicht die Mutter oder vaterrolle innehaben und ein kleiner Kindergarten sind,der einen guten Überblick gewährleistet.

    • Das müsste man mal unseren Erzieherinnen vorschlagen! Die Idee ist echt gut. Aber die sind morgens alle so eingespannt bei uns, weil es keine Gruppenräume sondern ein offenes Konzept gibt, dass das vom Personalschlüssel her gar nicht zu bewerkstelligen wäre.

      • Ja ich dachte mir das schon. Bei grösseren einrichtungen sind den Erzieherinnen wohl im wahrsten Sinne des wortes die Hände gebunden. LG Xeniana

      • Ich weiß ja, dass er sich alleine anziehen kann – von daher helfe ich ihm dann beim Schuheausziehen, was soll das Theater, mir ist es lieber, der Abschied ist friedlich und ohne Streit, als da jetzt konsequent zu sagen „Du bist alt genug, das allein zu machen“.

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