Mit Kindern auf öffentliche Toiletten: Nicht die Klobürste anfassen!

Man ist ja total stolz und froh, wenn die Kinder endlich trocken sind. Ich möchte Euch jetzt nicht die Freude an diesem Meilenstein der Kindesentwicklung nehmen… ABER das bedeutet, dass Ihr von nun an mit dem Kind auf öffentliche Toiletten müsst. Und das ist manchmal wirklich ein Grund, sich die Windeln zurückzuwünschen. Nicht unbedingt wegen der hygienischen Zustände. Sondern wegen der Neugier der Kinder, die einfach alles, ALLES, A-L-L-E-S anfassen müssen.

WC, öffentliche Toilette, Kind muss mal

Hilfe, mein Kind muss mal! Wenn es auf öffentliche Toiletten geht, setzt bei mir das nackte Grausen ein.

Wer Kinder hat, kennt alle öffentlichen Klos in der Innenstadt

Ich kenne alle öffentlichen Klos in der Innenstadt. Ich weiß genau, in welchem Kaufhaus man aufs Mitarbeiterklo darf mit kleinen Kindern. Ich weiß, welche Gaststätten auch Nicht-Gäste schnell mal reinhuschen lassen. Ich kenne den schnellsten Weg zur Kundentoilette bei Karstadt und Co. Ich kenne die Gratis-WCs und die, wo man 50 Cent abdrücken muss. Und obwohl wir in der Innenstadt wohnen und es nie wirklich weit nach Hause haben, kenne ich die öffentlichen Toiletten um die Ecke. Weil kleinen Kindern auch fünf Minuten Heimweg manchmal zu viel sein können. Bei dem Ausspruch: „Mama, ich muss mal!“ zuckt man zusammen und wünscht sich ganz weit weg.

Und dann betritt man so ein Klo. Schon vor dem Betreten spult man den Spruch herunter: „Und bitte nichts anfassen. Und nicht den Finger in den Mund!“ Diesen Spruch wird man übrigens noch mehrmals wiederholen. Man sollte ihn ins Telefon einspeichern und einfach auf Dauerschleife abspulen lassen. Das schont die Stimme.

Kleine Kinder müssen einfach alles anfassen. Auch die Klobürste.

Der Junge pinkelt im Stehen. Was eigentlich praktisch ist, weil man sich sparen kann, die Klobrille mit Klopapier zu bedecken. Aber das bedeutet auch, dass man die Klobrille hochheben muss. Wenn man Glück hat, ist man schnell genug mit Klopapier bewaffnet und macht es selbst. Wenn man Pech hat, übernimmt es das Kind. Ohne Klopapier. Dass da Zücken von Desinfektionstüchern und das Aufreißen der Tütchen viel zu lange dauert, um wirklich eine praktikable Lösung darzustellen, muss ich hier wohl nicht erwähnen.

Und dann pinkelt er also drauflos, nun ja, das Zielen müssen so kleine Jungs noch lernen. Man spricht also vor sich hin – obwohl man das Gefühl hat, ins Leere zu sprechen, denn zuhören und gleichzeitig pinkeln und zielen, das ist nun wirklich nicht leicht: „Bitte nur ins Klo pinkeln. Hey, zielen! Nur in die Mitte!“ Ist das fehlerfrei überstanden, muss man schnell genug sein und dem Kind beim Hosehochziehen helfen, bevor der Pipimann den Klorand berührt. Ist alles sicher verpackt, kommt die Faszination, die sämtliche Knöpfe und Ampeln auf Kleinkinder ausüben, hoch. Klospülungen sind im Grunde genommen auch Knöpfe. Was heißt: Sie müssen gedrückt werden. Und wenn man das selbst übernimmt, dann setzt die „Ich will aber“-Sirene ein. Schonungslos.

Doch damit nicht genug. So ein Kind kann ja nicht stillstehen im Klo. Da werden die Wände angefasst, der Klorollenhalter, der Mülleimer für Damenbinden, der eine unwahrscheinliche Faszination auf die Kleinen ausübt. Und nicht zuletzt: die Klobürste. Egal, ob sie in der hintersten Ecke versteckt ist. „Nicht die Klobürste anfassen! Nein – nicht ANFASSEN! NEIN!“

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Alles wird angefasst. Auch das Klopapier. Der Klopapierhalte. Die Klobürste. Und kleine Kinder sind schnell. Unglaublich schnell.

Zu spät. Sie sind unglaublich schnell. Man kann sich noch so sehr in den Weg stellen. So ein kleines Kind ist besser als jeder Taschendieb. Flinke Finger schnappen sich die Klobürste.

Und vor Mamas innerem Auge tanzen die Keime Tango.

Nun, wie Ihr wisst, habe ich zwei Kinder. Der Kleinere trägt noch Windeln, was aber nicht heißt, dass er öffentliche Toiletten spannend findet und die Neigung seines großen Bruders einfach alles mal anzutatschen teilt. Klar, was der Große macht, muss der Kleine auch machen. Kennt Ihr, oder?

Als Krönung quasi reißt der Große dann auch gerne mal die Toilettentür auf, wenn ich noch auf dem Klo sitze oder mir gerade die Hose hochziehe. Er hat ein unglaubliches Gespür fürs richtige Timing.

Mit Kindern auf öffentliche Toiletten gehen strapaziert die Nerven

Nun ja. Wenn Ihr also auf einem öffentlichen Örtchen seid und aus der Nachbarkabine eine, unverkennbar fast vor dem Nervenzusammenbruch stehende, Stimme hört, die mantraartige Sätze wiederholt und deren Stimme immer verzweifelter wird:

„Nein, nichts anfassen. Hände weg! Nein, nicht die Klopapierrolle. Nein, die Spülung drücke ich. Nein, nicht mit den Händen ins Gesicht! Nicht anfassen! Nein, du kannst deinem Bruder jetzt nicht über die Wange streicheln! Nein, die Klobürste wird nicht angefasst. Hände weg von der Klobürste! Steh doch einfach mal still. Nicht bewegen. Hände weg. Nein, nicht die Klobrille runterklappen. Ah, raus hier. Schnell. Nicht die Hände in den Mund. Zum Waschbecken und ganz schnell Hände waschen, alle beide!“

Tja. Wenn Ihr das in der Nachbarkabine hört und denkt: „Kann man denn nicht einmal in Ruhe sein Geschäft erledigen?“

Dann habt Nachsicht mit mir. Oder den anderen Müttern, die sich dort mit kleinen Kindern eingeschlossen haben. Kinder müssen eigentlich immer und ständig. Und meistens dann, wenn es überhaupt nicht passt.

Ich kenne diese Statistiken, nachdenen die Türklinke viel keimbelasteter ist als das Klo. Oder Tastaturen oder Einkaufswagengriffe. Egal. An meiner Vorstellung der Tango tanzenden Klokeime ändert das nichts. Gar nichts.

Das Trockenwerden hat seine Nachteile: Mit Kindern auf öffentliche Toiletten ist nicht lustig. Da wünscht man sich die Windeln zurück. Erziehung ist nicht immer einfach!

Es ist übrigens egal, ob man die Kinder zuhause nochmal aufs Klo gehen lässt

Jedes Mal, bevor wir in die Stadt gehen, frage ich den Großen, ob er nicht nochmal auf Klo muss. Er muss immer. Was aber nicht bedeutet, dass er unterwegs nicht aus muss. Und zwar ganz dringend. „Ich kann nicht mehr einhalten!“ Das lässt sofort alle Alarmglocken klingeln.

Muss ich eigentlich noch erwähnen, dass er das gerne ruft, wenn wir an der Kasse stehen und nach zehn Minuten Wartezeit FAST am Band angekommen sind?

Besonders schön, wenn der Supermarkt im Keller ist und das Klo im Einkaufscenter oben im vierten Stock.

Komischerweise muss der Junge dann oft nur drei Tropfen pinkeln. Ich habe nun festgestellt, wieso er trotzdem unbedingt zum Örtchen muss. Bei der Klofrau, da wo man die 50 Cent bezahlt, gibt es Kaubonbons. Auch wenn mein Sohn hartnäckig den Kopf schüttelt, wenn ich ihm unterstelle, doch nur auf die Bonbons aus zu sein, ich habe diese Kaubonbons als Verdächtige ausgemacht. Dass so ein Bonbon ganz schön teuer mit 50 Cent erkauft ist, sieht der Große noch nicht ein. Ich überlege, ihn diese Klobesuche mit seinem Sparschweingeld bezahlen zu lassen.

Nur was macht man, wenn der Große anfängt zu weinen, von einem Bein aufs andere zu wackeln und immer wieder ein: „Ich muss mal, ich mach‘ gleich in die Hose“ vor sich herstammelt? Nun, mir fehlen die Nerven, es drauf ankommen zu lassen. Es könnte ja auch mal ernst gemeint sein. Eine Pipilache und nasse Hose an der Supermarktkasse ist nun auch nicht gerade das, worauf ich scharf bin.

Da ist das öffentliche Klo doch das kleinere Übel.

Nun fängt übrigens auch der Kleine an, sich fürs Töpfchen zu interessieren. Ich weiß noch nicht so recht, ob ich das so gut finde. Denn eines ist sicher: Es wird die Frequenz, mit der ich mit den Kindern öffentliche Toiletten aufsuchen muss

, erhöhen.

Kennt Ihr das auch? Diesen zumindest gefühlten Nervenzusammenbruch und das Schwitzen, in das man kommt, wenn man mit Kindern das öffentliche WC betritt?

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25 Kommentare zu “Mit Kindern auf öffentliche Toiletten: Nicht die Klobürste anfassen!

  1. Hahaha ja das kenne ich! Wir sind viel unterwegs und meine beiden kleinen Kinder (2 und 3) sind windelfrei. Muss einer, muss meistens der andere. Einer wartet solange. An einem Fleck in der Ecke wo er so lange stehen muss weit weg von der Toilette 🙂 und der der muss darf sich nicht selbst fest halten. Sobald er absteigt und ich die Hose hoch ziehen möchte… aaahhh er stellt sich mit den Hänen auf den Boden und Popo hoch… wie zu Hause. Und ich so: neeiiin wir sind fertig steh auf steh auf schnell! Geh weg von der Toilette! Nicht das Klo anfassen…!!!! 🙂

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