Hilfe – ich komme nicht mehr zu Wort!

Am Anfang, wenn die Kinder sprechen lernen, freut man sich über jedes Wort. Diese süßen kleinen Wortverdreher, diese hinreißende kleine Kinderstimme, die ersten richtige Sätze, die ersten Argumentationen, bei denen man immer wieder über die kindliche Logik staunt – und der Irrglaube, wenn das Kind sprechen kann, versteht es auch besser, was man von ihm will und umgekehrt. Achja. Und dann kommt der Moment, wo man feststellt: Hilfe! Ich komme nicht mehr zu Wort! Und dann geht es Euch so wie mir mit meinen zwei Jungs, die gerne und viel sprechen und vor allem meistens gleichzeitig.

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Wenn Kinder sprechen lernen, steht der Mund nicht mehr still

Der Große war in Sachen Sprechenlernen schon immer ein Frühstarter, plapperte mich mit 18 Monaten mit überraschend korrekter Grammatik in Grund und Boden. Wenn ich ihn von der Tagesmutter abholte, stand der Mund nicht still. Aber das war nur ein Kind. Da hatte ich viel Zeit, über manch lustige Formulierung zu lachen. Da konnte man, wenn es allzu hoch her ging, auch mal die Ohren zuklappen und sich gedanklich wegbeamen. Ihr versteht, was ich meine? Sie sind ja so süß! Aber ab und an tut es schon gut, sich an einem Nachmittag auch mal einen Moment Ruhe zu gönnen, sei es auch nur auf dem Klo mal ohne Dauerbeschallung tief durchzuatmen.

Ich hatte ja keine Ahnung! Denn seit drei Monaten startet auch der kleine Sohnemann voll durch in seiner Sprechkarriere. Er war mit 18 Monaten zwar auch schon bewandert im Sprechen, aber nicht ganz so ein Frühstarter wie sein großer Bruder, worüber ich gar nicht so böse war. Dafür war sein Vokabular schon früh sehr zielgerichtet. Auf seine Interessen. Die da heißen: Bagger. Kipplaster. Abschleppauto. Müllauto. Kurz: Alles, was laut ist. Und groß. Am besten mit Blinklicht.

Aus Zwei-Wort-Sätzen werdne plötzlich Drei-Wort-Sätze

Aber dann startete auch er durch, es war so kurz vor seinem zweiten Geburtstag, da wurden aus den Zwei-Wort-Sätzen Drei-Wortsätze und mittlerweile schon richtige  Hauptsatz-Nebensatz-Konstrukte, garniert mit überraschten Ausrufen, bei denen seine Stimme kiekst und man die drei Ausrufezeichen am Satzende quasi mithören kann.

Sein Hauptinteresse gilt immer noch lauten, stinkenden Baustellenfahrzeugen. Darüber kann er erstaunlich viel erzählen, leider ist er noch in der Lernphase, in der die Kinder alles fünfmal, mindestens, wiederholen, um sich auch ja alles gut einzuprägen.

Und nun habe ich also zwei kleine Männer zuhause, die sehr viel mitzuteilen haben und deren Münder nicht stillstehen. Von 14 bis 20 Uhr.

Geschwisterstreit, GEschwisterliebe, REgeln für ein einfacheres Familienleben

Zwei Kinder plappern mehr als eins.

Dialog mit zwei Kindern im Straßenverkehr

Und wenn ich mit denen durch die Stadt ziehe, hört sich das ungefähr so an:

Der Kleine: „Müllauto! Da kommt das Müllauto! Müllauto holt Mülltonnen ab!“

Ich: „Ja, das Müllauto hat heute viel zu tun.“

Der Große: „Mama, weißt Du was ? Ich war heute aus Spaß Astronaut, aber dann hat sich XY  in die Hose gemacht und konnte nicht mehr mitspielen.“

Ich: „Das kann ja mal vorkommen. Und wo bist Du mit Deiner Rakete hingeflogen?“

Der Kleine ruft mit sich überschlagender Stimme dazwischen: „Das Müllauto hat auch Blinklicht!“

Der Große: „Zum Mond. Und weißt Du was, Mama? Ich hab heute sogar Mohrrüben probiert.“

Wieder ruft der Kleine beharrlich: :“Ein Bus! Ein blauer Bus!“

Ich: „Und dahinter kommt gleich ein gelber Bus. Toll, das mit den Mohrrüben. Hat es geschmeckt?“

Der Große erzählt was von der komischen Soße und dass er nur drei Mohrrüben auf dem Teller hatte oder waren es vier, während der Kleine noch mehr aufdreht: „Bus hat auch Reifen! Bus hat auch Steuerrad! Bus hat auch Auspuff!!!“

Ich: „Ja, der Busfahrer muss ja auch um die Kurven fahren. Und wart Ihr heute auch draußen?“ (letztere Frage ist an den Großen gerichtet)

Der Große: „Ja, und Mama weißt Du was, XY will mich heiraten.“

Ich: „Das heißt, dass sie dich sehr gerne mag.“

Der Große: „Ich mag sie ja auch, aber Dich habe ich viel lieber. Mama, ich will lieber Dich heiraten.“

Der Kleine meldet sich wieder zu Wort: „Da steht ein großer Bagger!“

Ich: „Ui, der macht ja Krach!“

Zum nichtstoppenwollenden Geplapper meiner Jungs gesellt sich ein gewaltiges Baustellenbrummen.

Der Große: „Mama, wieso muss man denn heiraten?“

Der Kleine synchron dazu: „Bagger hat auch große Baggerschaufel! Bagger hat Blinklicht!!“

Ich: „Ja, damit man ihn besser sieht. Man muss gar nicht heiraten und wenn auch nur, wen man will. Und außerdem erst, wenn man groß ist.“

Der Große: „Aber ich bin ja schon ein Meter fünf.“

Der Kleine wieder synchron: „Bagger hat nicht Reifen. Bagger hat Raupenketten.“

Ich: „Damit der Bagger den Sandberg hochkommt. Das mit dem Heiraten hat noch ein bisschen Zeit. Bis du so groß bist wie Papa.“

Der Kleine dreht sich in seinem Buggy um und ruft begeistert: „Bagger kann nicht auf Straße fahren. Muss Abschleppauto kommen!“

Der Große sagt zeitgleich: „Mama, kann ich auch Dich heiraten?“

Man entwickelt ein selektives Gehör

Und so ziehen wir von dannen. mit der Zeit entwickelt man so eine Art selektives Gehör. Und kann wunderbar auf zwei Gedankenstränge gleichzeitig eingehen. Und gewisse Dinge einfach ignorieren. Wenn die Kinder sich streiten und gleichzeitig rufen „Er hat mir das weggenommen. Ich hatte das aber zuerst. Mama! Er hat mir an denn Haaaren gezogen!“ Aber glaubt Ihr mir, dass man abends dann auch froh ist über ein wenig Stille. Und den Fernseher gerne einmal auslässt. Um diese Stille zu genießen. Bis der erste quakt: „Ich muss auf Klo! Oder: „Mama, bitte Milch!“

(hier bitte nicht von dem höflichen Bitte täuschen lassen, das schlägt schnell um in ein Miiiilch-Geheul)

Und wie ist es bei Euch? Plappern Eure Kinder auch so viel? Was sind Eure Tipps, um mal einen Moment durchzuschnaufen?

12 Kommentare zu “Hilfe – ich komme nicht mehr zu Wort!

  1. Pingback: Verstehe den Spracherwerb deines Kleinkindes – Kinderbilden

  2. hier auch dauergeplapper,beide konnten schon recht früh gut und viel sprechen,so das die kleine mit ihren zwei schon sprachlich nen vier jährigen in die tasche steckt.
    ich raben mutter lass die kinder dann mal fernsehn,klapprt zumindestens beim großen der ist dann mal 15min ruhig
    nur die kleine hält davon nix und kommentiert alles was sie im tv sieht…

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  3. Pingback: "War was...?" im Januar 2016 - Mami Anders

  4. Schön, dass es anderen auch so geht….meine Kleine wiederholt auch alles x Mal und hat an manchen (vielen) Tagen „Quasselwasser“ getrunken. Letzte WOche war ich so fertig und genervt, dass ich ihr ein Getränk mit Strohhalm angeboten habe, da hat sie erstmal 5 Minuten genukelt und „geblubbert“ – ich Rabenmutter….

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