Adventskalender: Wie? Nur ein Päckchen am Tag?

Ich hatte ja mal darüber geschrieben, dass Adventskalender eine tolle Erziehungsmaßnahme sind und die Kinder selten so brav sind wie in der Weihnachtszeit. Nun ja. Einiges muss ich nach einem veritablen Trotzanfall meines Kleinen zurücknehmen: Er wollte partout nicht einsehen, dass er nur ein Minipäckchen am Tag auspacken darf. Und das machte ihn wütend. Sehr wütend.

DIY, Adventskalender,

Einfacher DIY-Adventskalender aus Brottüten mit Maskingtape verziert.

Es war eigentlich alles perfekt. Die Adventskalender meiner Söhne waren in letzter Minute zum Stichpunkt fertig geworden. Der für den Großen hängt an der Decke, der für den Kleinen an der Wand. Gezaubert aus Brottüten, veziert mit Washitape, ich liebe es, einfach, aber irgendwie doch ganz schick.

Der Glaube an den Weihnachtsmann macht die Kinder brav wie selten

Die Weihnachtsstimmung war gut. Ich erinnerte mich noch an letztes Jahr, als der Große so brav war wie nie. Die Kundschafterwichtel des Weihnachtsmannes können nämlich überall lauern, wie in dem wunderschönen Buch „Wo der Weihnachtsmann wohnt“ beschrieben. Und die tratschen ja bekanntlich alles an den Weihnachtsmann weiter. Essen auf den Boden geworfen? Der Weihnachtsmann streicht ein Geschenk. Theater vorm Schlafengehen? Das sieht der Weihnachtsmann gar nicht gerne. Gar nicht. Überhaupt nicht. Oh oh oh.

Und morgens ging auf einmal auch alles einfacher. Nicht nur wegen der Kundschafterwichtel. Nein, auch weil der Große ruckzuck aus dem Bett sprang und es gar nicht erwarten konnte, in den Adventskalender zu schauen. Oh, Du schöne Weihnachtszeit! Brave Kinder, schnelles Aufstehen, Friede, Freude, Plätzchenbacken.

Nun. Ich freute mich auch dieses Jahr schon lange auf diese Zeit und hoffte, dass beim Großen der Glaube an den Weihnachtsmann nicht durch irgendwelche vorlauten großen Kinder aus dem Kindergarten ins Wanken gebracht wurde. Zumindest noch dieses Jahr diesen Zauber aufrechterhalten! Nein, nicht nur aus erziehungstechnischen Gründen (wobei die nicht von der Hand zu weisen sind), sondern auch, weil ich diese magische Zeit einfach wunderbar finde. Für mich ist es keine Lüge vom Weihnachtsmann, sondern ein wunderschönes Märchen, ein Zauber, etwas, was zur Kindheit gehört und selbst heute für mich noch eine zauberhafte Erinnerung ist.

Die Sache mit dem Weihnachtsmann haben wir geschafft! Kritische Nachfragen, wie der das denn alles in einer Nacht schafft und wieso der denn ein Kostüm trägt, konnte ich entschärfen. Er hat natürlich seine Wichtel als Helfer. Und das Kostüm ist doch kein Kostüm, sondern ein Anzug, halt seine Arbeitskleidung. Puh. Noch ein Fest, wo beide Kinder an den Weihnachtsmann glauben!

Dank des Adventskalenders stehen die Kinder morgens schnell auf

Dann kam der Adventskalender, auf den mein Großer sich schon lange freute. Der Kleine wusste auch schon Bescheid. Sein großer Bruder, der ja mit seinen vier Jahren schon ein alter Hase in Sachen Weihnachtenfeiern ist, hatte es ihm genau erklärt. Das Auspacken am Morgen ging auch super. Das Aufstehen: null Probleme.

adventskalendar02

Für den Großen gibt es einen Adventskalender aus Socken.

Doch mit dem Wutanfall am Abend hatten wir nicht gerechnet.

Der Kleine wollte nämlich nicht zum Zähneputzen kommen. Egal, wie laut wir riefen. Als wir dann nachschauen gingen, stand er unter seinem Adventskalender, zeigte aufgeregt mit dem Finger drauf: „Geschenke auspacken.“ Als wir sagten, das ginge doch erst am nächsten Morgen, verzog sich sein Gesicht. „Geschenke jetzt haben.“

Erkläre mal einem Zweijährigen, dass es nun jeden Tag nur EIN Geschenk gibt, wenn da doch so viele aufgereiht hängen!

Trotzanfall vor dem Schlafengehen: Jetzt Geschenke – alle!

Nein, nein, nein. Er wollte jetzt. Alle. Aufeinmal. Sofort. Und wurde immer lauter, hartnäckiger, bis nur noch ein lauter Schrei übrig bliebt: „AAAAAAAAA. GEEEEESCHEEEENKEEEE.“

Er warf sich auf den Boden, schrie immer lauter, ein kleiner Wutzwerg, an den kein Rankommen mehr war. Alles gute Zureden half nichts. In den Armnehmen, Trösten – nein, weg Mama, ein umsichschlagender Zweijähriger mitten im Trotzanfall hat Bärenkräfte!

Wir entschieden uns für ignorieren, gingen mit dem Großen Zähneputzen (der ganz cool lächelte und stolz erzählte, dass er das ja schließlich schon wisse und überhaupt). Der Kleine heulte erst weiter, immer lauter, bis er merkte, dass wir uns davon nicht wirklich beeindrucken ließen. Er kam ins Bad gestürmt, rot im Gesicht mit wütendem Gebrüll und zog an meinem Pulli: „Mama, mitkommen, Geschenke auspacken.“

Es war – trotz aller Lautstärke- irgendwie auch ziemlich niedlich, wie der kleine Wutzwerg einfach nicht einsehen wollte, dass jetzt jeden Tag nur ein Päckchen ausgepackt wird. Er verstand es einfach nicht, das Prinzip Adventskalender.

Gerade als der niedliche Wutanfall dann doch nicht mehr ganz so niedlich, sondern eher anstrengend wurde, sprach mein Mann den Zaubersatz: „Wenn du jetzt ganz schnell ins Bett gehst, wirst du umso schneller wieder wach und kannst das nächste Türchen öffnen.“

Es ist doch immer wieder überraschend, wie viel diese Knirpse verstehen. Sogar so komplizierte Wenn-Dann-Sätze.

Auf einmal schleppte der Kleinen seinen Schlafsack an, den ich ihm unbedingt anziehen sollte. Als ich ihm erst den Schlafanzug anziehen wollte, wurde er böse – es ging ihm nicht schnell genug!

Erziehungstipp: 365 Türchen im Adventskalender

Jetzt haben wir unser Erziehungsziel wieder erreicht. Kinder gehen abends schnell ins Bett und stehen morgens ohne Murren auf.

Ich ziehe in Erwägung, einen Adventskalender mit 365 Türchen zu basteln.

Wie sehen Eure Adventskalender aus? Gibt es Geschenke oder nur Schokolade? (bei uns mal ein kleines Stück zu naschen und mal kleine Sachen wie Aufkleber, Badepulver, bunte Pflaster oder auch mal ein Pixiebuch).

 

 

10 Kommentare zu “Adventskalender: Wie? Nur ein Päckchen am Tag?

  1. Pingback: #meibestElternblogbeitragdeMo XI | Die Kellerbande mit Herz und Seele

  2. Tatsächlich musste ich gerade sooooo lachen….
    Nur ein Türchen pro Tag, das war auch für meinen Sohn am Anfang seeeehhrrr schwer zu verstehen. Aber es wurde noch besser, als nämlich Weihnachten vorbei war und kein Kalender mehr da war – das war nun völlig unverständlich und er fragte noch weit in den Januar hinein warum das so wäre 😂😜

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  3. Junior ist zwar erst 1 1/2, aber ich wollte trotzdem einen für ihn haben. Basteln hab ich nicht geschafft (irgendwie war so plötzlich Dezember), also hab ich einfach einen gekauft. Schoki wollte ich nicht, daher gab es einen von Playmobil (Waldweihnacht mit ganz süßen Figuren). Das Prinzip des Kalenders konnte ich ihm auch nicht näher bringen und habe den Kalender komplett wegräumen müssen – ich stelle jetzt jeden Tag einfach die jeweilige Figur hin.
    Ich bereite mich schon mal auf die Wutanfälle im kommenden Jahr vor 😉

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