Essen mit Kindern: Nimm‘ die Tomaten aus meiner Tomatensoße, Mama!

Nudeln mit Tomatensoße mag mein Großer. Aber wehe, es sind Tomaten drin! Also Tomatenstücke. Fein püriert ist okay, sind ja keine richtigen Tomaten. Meint er. Früher, in der Vor-Kind-Ära, da fand ich das ganz furchtbar, Kinder, die am Essen rummeckern und jedes Gemüse angeekelt aussortieren. Wie können die Eltern ihre Kindern nur so wenig im Griff haben?! Tja. Heute bin ich schlauer. Essen mit Kindern: Eine Herausforderung an sich. Immer dieser Stress am Tisch.

Leere Teller nach dem Essen? Mamas Wunschtraum.

Leere Teller nach dem Essen? Mamas Wunschtraum.

Essen mit Kindern ist stressig, nervig und immer wieder ein Abenteuer

Ich musste so einiges revidieren, was ich über Mamas dachte, bevor ich selbst eine wurde. Darunter auch das Essensthema. Dabei fing alles so gut an! Meine Söhne aßen als Baby alles. Spinat, Fisch, Mango, Kichererbsen, Oliven, Pilze, sogar Indisches Curry, es gab nichts, was sie nicht als Babybrei püriert zu sich nahmen. Auch die ersten Monate mit „fester“ Erwachsenennahrung waren unkompliziert. Ich war richtig stolz und fühlte mich bestätigt: Essensstress muss nicht sein. Dachte ich. Ja. Das hielt nicht lange an. Meine Jungs haben mich eines Besseren belehrt.

Als Baby noch Allesesser, als Kleinkind mäkelig

Was so hoffnungsvoll als unproblematischer Esser begann, wurde alsbald ein mmäkeliges Kleinkind. Da wird mit zielsicherer Genauigkeit jede noch so mikroskopisch kleine Zwiebel aus der Soße gefischt. Da hatte ich mir so viel Mühe gegeben, Mohrrüben und Fenchel für die Nudelsoße mini-klein zu schnibbeln (im Irrglauben, die Kinder essen es dann ohne Gemecker) – aber der Große wollte alles raus aus der Tomatensoße – und die Tomaten bitte auch! Ein Glück ließ sich der Kleine von meiner Schnibbelkunst beeindrucken und aß tatsächlich ohne Gemecker am Essenstisch. Sogar die Zwiebelstückchen.

Und denkt man, ich koche mal eine Bolognese-Soße mit schön Hackfleisch extra für die Kinder- ein typisches Kinderessen (dabei esse ich nur Geflügel und gar kein Hackfleisch, es war also wirklich EXTRA für die Kleinen), da stochert der Vierjährige doch tatsächlich in der Bolognese und verkündet, er mag kein Hackfleisch (neulich im Restaurant hat er die Soße mit großem Genuss verputzt).

Wenn es nach meinen Kindern geht, gibt es eine Woche Nudeln mit Tomatensoße im Wechsel mit Fischstäbchen mit Kartoffelbrei.

Kindergeschmack: Er kann sich von einen Tag auf den anderen ändern

Ein paar Sachen mögen sie ja zumindest. Aber der Geschmack der Kinder ändert sich leider laufend. Ohne Vorankündigung. Mochte der Große gerade noch Brokkoli (und ich war ganz glücklich, dass er ausgerechnet dieses gesündeste aller gesunden Gemüse mag!) – warf er vorgestern beim Abendessen die Brokkolistückchen mürrisch von seinem Teller: „Ich mag keinen Brokkoli!“ Konnte er vor einiger Zeit die Finger kaum von Champignons lassen, pult er die Pilze nun sorgfältig aus der Soße. Bohnen? Sind mal sein Leibgericht, mal ungenießbar. Kartoffeln? Bitte nur als Kartoffelbrei. Paprika – nur gelbe und rote. Und die auch nur im Kindergarten!

Schokokuchen Schokoladenkuchen Tarte Naschen SChwangerschaft

Schokokuchen ginge zur Not auch, so als Abendbrot.

Jawohl, im Kindergarten! Da wird nämlich alles gegessen. Sogar Spinat hat er da letztens probiert, wurde mir zugetragen. Blumenkohl, Radieschen, Brokkolisuppe, er isst alles. Ohne zu meckern. Ohne zu kleckern. Und ohne mit Erbsen oder Gabeln zu werfen (was sich bei so einem entspannten Abendbrot noch so bei uns zuträgt, hatte ich mal in einem Bullshitbingo therapeutisch verarbeitet).

Es geht also!

Genauso bei dem Kleinen. Der ist weniger mäkelig beim Essen als der Große, aber es beginnt langsam, er kommt in das Alter. Abgesehen davon, dass er sich, wenn er könnte, am liebsten nur von Mamamilch ernähren würde. Essen die Kinder außer Haus und ohne Eltern, dann klappt es mit den Manieren und schmecken tut es anscheinend auch.

(ich beginne schon an meinen Kochkünsten zu zweifeln, die ich bis dato für ganz in Ordnung hielt)

Im Kindergarten wird alles gegessen, zuhause am Tisch gemeckert

Ich frage mich nur, woran es liegt, dass sie auf einmal krüsch werden, sorgfältig Zwiebeln und Petersilie aussortieren und von heute auf morgen beschließen, Brokkoli eklig zu finden. In der Schwangerschaft habe ich alles gegessen, außer den üblichen Verdächtigen wie Matjes und Rohkäse, gerne auch scharfes Green Curry oder Falafel mit ordentlich Knoblauch. Auch beim Stillen habe ich keine Rücksicht auf meine Mitesser genommen und weder auf Knoblauch, scharfes Essen oder Grünkohl verzichtet (wobei, das hat vielleicht gewirkt: Beide Jungs mögen Grünkohl! Aber keinen Spinat.) Auch bei der Beikost habe ich von Anfang an alles bunt gemischt und durchprobiert. Also eigentlich alles so, wie man das macht, um die Kinder ans Essen heranzuführen.

Tipp zum stressfreien Essen: Lustige Gesichter aus Möhren und Erbsen sollen helfen?

Auch mit bunt dekorierten Tellern habe ich es versucht, lustige Gesichter aus Möhren und Erbsen gelegt dekoriert mit einer feschen Kirschtomaten und Schnittlauchfrisur. Nix zu machen. All diese tollen Tipps für eniger Stress beim Essen mit Kindern: Ich hab sie probiert. Hat nix gebracht.

Achja und dann liest man die Zeitungsartikel und Ratgeber und fragt sich, ob die Verfasser JEMALS mit einem Vierjährigen in der Autonomiephase an einem Essenstisch saßen.

Da liest man dann: Nur nicht das Essen vor den Kindern zu sehr thematisieren, immer wieder auftischen und immer wieder zum Probieren anregen. (haha, mache ich ja. Unsere Bedingung ist: Erst probieren, bevor man sagt, dass man etwas nicht mag. Also probiert der Große. Mit dem Ergebnis, dass er es mit angeekeltem Gesicht runterschluckt und sagt: Mag ich nicht, wusste ich doch.)

Die guten Tipps aus Erziehungsratgebern helfen nur bedingt

Dann steht da noch unter den Tipps für stressfreies Essen: Nicht erpressen, nicht mit Nachtisch belohnen, aber auch nicht bestrafen. Könnte ja Essstörungen hervorrufen. Kommentarlos den Teller abräumen, auch wenn er voll ist. (unsere Jungs müssen ja auch nicht gar nicht aufessen, aber wenigstens soviel, dass sie satt sind und nicht eine Stunde später im Bett Riesenhunger haben) Genauso soll man nicht loben, wenn der Teller mal leergegessen wurde. Nicht sagen, das Essen sei gesund sondern hervorheben wie lecker es schmeckt (Kinder können Essen wohl, so die Wissenschaft, keine zwei Eigenschaften zuordnen. Entweder etwas ist lecker oder gesund, beides gleichzeitig geht wohl nicht für Kindergehirne- ich weiß nicht, ob da was dran ist…). Habe ich alles probiert. Bringt nichts.

Und es ist einfach unfassbar schwer, ruhig und cool zu bleiben, wenn jeden Abend das Gemecker übers Essen losgeht oder der eh schon eher zierliche Junge nichts essen will. Mich macht es WAHNSINNIG!

Alle diese Ratschläge funktionieren vielleicht in der Theorie – aber in der Praxis sind sie verdammt schwer umzusetzen! Ich würde fast sagen: Unmöglich, dass einem nicht mal der Satz rausrutscht „Du willst doch groß und stark werden, dafür muss man auch was essen.“ Unmöglich, dass man nicht mal doch in der Versuchung erliegt und mit einem leckeren Nachtisch lockt, der aber erst auf den Tisch kommt, wenn doch zumindest ein bisschen Gemüse samt Kartoffeln verdrückt wurde. Unmöglich, dass einem nicht doch mal ein „Bravo, gut gegessen“ entfleucht, wenn der Teller am Ende doch fast leergegessen wurde, einfach, weil man so froh ist, dass es mal ohne Theater geklappt hat.

Selbst das Weihnachtsessen wurde verschmäht.

Selbst das Weihnachtsessen wurde verschmäht.

Wie sieht es bei Euch aus am Tisch? Kennt Ihr das auch? War es bei Euch auch so, dass die Kinder erst wie super Esser wirkten und dann urplötzlich meckerig wurden? Was macht Ihr in solchen Situationen? Und am liebsten möchte ich Eure Erfolgsgeschichten hören: Bitte erzählt mir, dass Eure mäkeligen Esser auf einmal plötzlich wieder zu einem Allesfresser mutierten und der ganze Spuk wieder vorbei war? Habt Ihr ein paar Geheimrezepte (haha, das Wort Rezept passt in diesem Fall doppelt!) für mich?

Ich habe beschlossen, mich nicht mehr allzu sehr aufzuregen (jaja, auch hier ist Theorie und Praxis nicht immer im Einklang) und zu warten, bis sich diese Phase von alleine legt. „Alles nur eine Phase. Alles nur eine Phase.“ Das Mama-Mantra hilft nur bedingt. But I’ll do my very best!

Was mich beruhigt: Im Kindergarten und bei der Tagesmutter klappt es ja auch mit dem Essen ohne Meckernn. Es besteht also noch Hoffnung – noch ist nichts verloren!

23 Kommentare zu “Essen mit Kindern: Nimm‘ die Tomaten aus meiner Tomatensoße, Mama!

  1. Danke, diesen Artikel hätte ich schreiben können, genau so läuft es bei uns und die selben „Ratschläge“ hab ich auch versucht um zu setzen. Hat alles nichts genützt! Ich Koche mittlerweile aus Verzweiflung alles einzeln. Nudeln mit Tomatensoße o.ä immer sauber getrennt, dann wird es auf den Tisch gepackt und jeder kann sich nehmen was er will. Ach und ganz wichtig wenn erbsen und möhren dann nur aus der dose, das Zauberwort heißt matschig kochen. Bei oma ist alles weichgekocht. *urgs* und ja wenn der Teller fast leer ist gibts kollektives high five.

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