Mein Sohn ist traurig: Seine Freundin zieht um! (und ich will ihn am liebsten beschützen, vor allem Traurigen auf der Welt…)

Gestern musste ich meinen Sohn ganz fest in den Arm nehmen und lange trösten. Den ganzen Weg vom Kindergarten bis nach Hause hat er geweint. Und abends im Bett noch einmal. Seine liebe Freundin zieht um. Sie hatte gestern ihren letzten Tag im Kindergarten. Für meinen Großen brach eine Welt zusammen. Es ist sein erster bewusster Abschied (und auch die Aussicht darauf, dass seine Freundin uns bald besuchen kommen kann und wir sie auch, war gestern nur ein kleiner Trost). Und als Mutter möchte man am liebsten mitheulen. Es zerreißt einem das Herz.Kind krabbelt weg

Es war gestern keine Überraschung für ihn. Wir hatten schon länger drüber gesprochen, ihn darauf vorbereitet. Seine kleine Freundin hatte ihm schon von ihrem neuen Zimmer erzählt, ihn eingeladen, vorbeizukommen. Doch er hat es nicht richtig realisiert – woher soll ein Vierjähriger auch wissen, was es denn wirklich bedeutet, dass jemand wegzieht? Er kann es ja auch nicht einordnen, wie weit eineinhalb Stunden Entfernung sind. Und was heißt das überhaupt: Sie zieht bald weg?!  Wie bald ist bald? Wie weit ist weg? Und was ändert sich eigentlich, wenn sie nicht mehr jeden Tag im Kindergarten ist? Das sind Dinge, die ein Vierjähriger noch nicht richtig einordnen kann, so sehr wir uns auch bemühten, ihn darauf vorzubereiten. Es war sein erster Abschied.

Auf den Abschiedsschmerz kann sich keiner richtig vorbereiten

Nun war gestern der Tag da.

Im Kindergarten wurde Abschied gefeiert und Kuchen gegessen, wir hatten einen Tag zuvor ein Abschiedsbild gemalt und gebastelt, uns überlegt ,was wir ihr zum Abschied schenken können. Als ich ihn nachmittags abholte, verabschiedete er sich erst noch ganz cool. So wie immer. Seine Freundin umarmte ihn. Er umarmte sie zurück – nix Besonderes, er ist ein echter Charmeur und umarmt seine Freundinnen gerne und oft (mal sehen, ob er das im fortgeschrittenen Alter auch noch so macht). Tschüß sagte er. Bis morgen, fügte er hinzu. Wie jeden Tag.

Doch als wir an der Tür waren, fing er auf einmal an, bitterlich zu weinen. „Es ist  so schade, dass sie wegzieht“, schluchzte er. Die Tränen liefen, er schluchzte und ich hielt ihn fest, während ich irgendwie noch versuchte, seinen kleinen Bruder daran zu hindern, die Tür aufzumachen. Wir also noch mal rein, noch mal verabschiedet, umarmt und versprochen, sich bald zu besuchen und schnell wieder raus.

Er weinte und weinte. Und ich hielt ihn fest, sagte ihm, dass ich ihn verstehe, dass ich auch traurig bin, dass es okay ist, zu weinen, traurig zu sein, dass ich bei ihm bin, dass wir sie besuchen, sie uns besucht.

Als Mama will man seine Kinder vor allem beschützen

Kennt Ihr das, wenn Euch es als Mütter zerreißt? Man will sie doch vor allem beschützen, was in der großen weiten Welt auf unsere Kleinen wartet. Alles Leid. Alles Böse. Alle schlimmen Gefühle und Erlebnisse. Man will doch nur, dass die Kinder glücklich sind. Und nicht traurig. Ich würde wie eine Löwin um meine Kinder kämpfen. Bevor ich Kinder hatte, habe ich mir nicht vorstellen können, wie sehr. Und nun sind es solche Situationen, wo das Gefühl noch stärker wird (wenn es sich überhaupt steigern lässt). Ich befürchte, sein erster Liebeskummer (eigentlich ist das ja jetzt schon sowas wie der erste Liebeskummer, aber ich meine den in der Pubertät, wenn die Gefühle so richtig Achterbahn fahren, so richtig richtig richtig, wenn Ihr wisst, was ich meine), also ich befürchte, sein erster Liebeskummer wird mich völlig fertig machen.

Aber ich kann sie nicht vor allem beschützen. Das Leben ist ungerecht. Und das Leben besteht leider aus vielen Abschieden. Und so kommt es vor, dass eine liebe Freundin wegzieht und man „Tschüß“ sagen muss. Es werden noch mehr Situationen kommen, die ich meinen Jungs nicht abnehmen kann. Nur für sie dasein kann. Aber ich wünsche mir, dass diese Situationen sich Zeit lassen und einen großen Bogen um uns machen.

SONY DSC(Einige Umarmungen später war mein Großer übrigens wieder ganz der Alte. Wir haben lange zusammen gekuschelt und ich glaube, den ganz großen Kummer hat er nun überstanden)

6 Kommentare zu “Mein Sohn ist traurig: Seine Freundin zieht um! (und ich will ihn am liebsten beschützen, vor allem Traurigen auf der Welt…)

  1. Oh nein wie traurig. Allein beim lesen steigt mir schon das Wasser in die Augen. ich kenne das Gefühl nur zu gut
    und bin immer heilfroh wenn man mit den Ablenkungs und Tröstversuchen halbwegs erfolgreich war.Kinder sollen einfach nicht traurig zu sein.Ich hoffe die Freundschaft zwischen den beiden bleibt dennoch noch ganz lange bestehen

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