Ich mach‘ das selbst! hat das Trödeln abgelöst – aber ob wir damit wirklich schneller sind?

Es ist alles nur eine Phase. Kennt Ihr, das allgegenwärtige Mama-Mantra? Nun ja. Wie wir alle wissen, wird jede Phase von der nächsten Phase abgelöst. Wir hatten sie schonmal: die Selbstmach-Phase. Alles wollte der Große selbst machen. Anziehen, ausziehen – es dauerte halt und Schuhe wurden schonmal falsch herum angezogen und wehe man half, dann war das Geschrei groß.SONY DSC

Dann kam die Trödelphase, in der nix mehr selbst ging und der Große urplötzlich zum Baby wurde und das Geschrei groß war, wenn man nicht half (wobei es im Kindergarten ja wundersamerweise immer alles selbst geht). Nun haben wir wieder die Selbstmach-Phase – aber wer glaubt, dass wir dadurch morgens schneller fertig sind, der irrt.

Vierjährige wollen alles selbst machen – meistens…

Denn der Große hat sich in den Kopf gesetzt, uns mit seinen Anziehkünsten zu überraschen. Das ist auch schön und löblich und muss gewiss gefördert werden. Denn wir werden dabei aus dem Esszimmer geschickt – und dürfen ja nicht gucken! Sonst: akuter Trotzanfall, Geschrei, Tränen, Wut, alles, was so einen Morgen erst zu einem richtigen Morgen macht. Ich muss dazu sagen, er zieht sich erst nach dem Frühstück um. Weil er es so will. Weil ich ihn lasse. Erstens werden die frisch gewaschenen Pullis nicht vollgekleckert, zweitens kann ich mich erinnern, dass ich es als Kind auch irre gemütlich fand, im Schlafanzug zu frühstücken.

Wobei der praktische erste Grund der Hauptgrund ist.

Nun ja. Wir werden also rausgeschickt. Der Papa macht sich auf den Weg zur Arbeit. Ich ziehe den Kleinen an, bei dem übrigens auch die Selbstmachphase beginnt. Allerdings klappt das Anziehen noch nicht so ganz, das Ausziehen umso besser. Socken und Hose kann er schon alleine ausziehen. Wenn man nicht aufpasst, dann hat er sich halb ausgezogen, während man selbst die eigenen Schuhe angezogen hat. Sie sind schon wahre Scherzkekse, die lieben Kleinen!

Sperrbezirk Esszimmer: Hier findet der Dreikampf mit Reißverschluss, Druckknopf und Klettband statt

Wehe, ich habe etwas im Esszimmer vergessen. Denn dort darf ich nicht mehr rein. Da steht ein Vierjähriger und kämpft mit Unterhosen, Pullis und hakeligen Knöpfen an Hosen, Reißverschlüssen und gemeinen Klettverschlüssen an den Schuhen. Und wagt es jemand, auch nur einen Fuß in Richtung Esszimmer zu setzen, dann geht die Sirene los.

Nein, ich will dich überraschen!

Ich hab ja gar nichts gesehen. Wirklich nicht. Ich guck‘ gar nicht hin.

Geh weg, du darfst hier nicht hin. Ich will dich überraschen.

Erst macht man ja noch gute Laune zum Spiel. Aber es zieht sich dann doch und zwischen dem Dreikampf mit Reißverschluss, Druckknopf und Klettband gibt es ja auch noch das Auto, was eingeparkt werden muss oder das Glas Milch, was man nun doch noch austrinkt. Beim morgendlichen Bullshitbingo bin ich schon ganz heiser vor lauter Bingo-Rufen.

Kinderkleidung Anziehen Trödeln

Alles fertig zum Anziehen!

So stehe ich also in der Tür. Den Kleinen angezogen und durch Anschnallen im Buggy am Ausziehen gehindert. Jacke an, Schuhe an, Schlüssel in der Hand. Aus dem Esszimmer kein Pieps. Vorsichtiges „Bist du soweit?“ Gleich. Gleich. Gleich. Es zieht sich. Die Uhr tickt. Das Frühstück bei der Tagesmutter fängt gleich an, wir müssen los, gleich, sofort, nein eigentlich eben gerade.

Keine gute Idee wäre es, jetzt um die Ecke zu spähen, um zu sehen, wie weit der Herr ist. Denn dann geht die Sirene wieder an.

NEIN! DU DARFST NICHT GUCKEN!

Ich tue so, als ob ich die Tür auf mache und ins Schloss fallen lasse. Das erste Mal wird gepflegt ignoriert. Er hat diese Drohgeste durchschaut. Das zweite Mal aber wirkt. Wie eine Furie kommt der Sohnemann in die Diele gefegt. „Du kannst mich doch nicht alleine hierlassen, Mama!“ Dass ich das nie machen würde, schon allein aus Angst um meine gut versteckten Gummibärchenvorräte, weiß er eigentlich.

Wutzwerg hin oder her: Man kann Kinder nicht lange böse sein

Irgendwann, nun ist auch die natürlich großzügig einkalkulierte Zeitreserve vergangen, steht er dann doch vor mir. Und dieses süße, stolze Grinsen, entschädigt: Er hat sich selbst angezogen. Sogar den Reißverschluss zugemacht. Und die Schuhe. Die leider falsch herum angezogen sind (ich habe schon überlegt, ob wir Erwachsenen das nicht falsch machen und die Kinder richtig, denn alle Kinder ziehen sie falschherum an). Der Pulli ist auch falsch herum, aber ich stopfe das Etikett einfach ohne Kommentar in den Ausschnitt, ist ja unifarben, da ist das ja auch schwer mit dem Falsch- und Richtigherum. Rucksack auf, achja, noch ein „Mensch, hast du mich heute überrascht“ in den Raum werfen und losgeht es zur morgendlichen Walkingrunde in den Kindergarten.

Ist es nicht entzückend, wenn sie alles selbst machen wollen?

PS – Heute hat er sich schon im Schlafzimmer umgezogen. Das ging richtig schnell. Leider mussten wir den Pulli wegen Himbeermarmeladenflecken noch einmal tauschen, aber wir waren so pünktlich auf der Straße, dass wir sogar noch genug Zeit für die Straßenkehrmaschine, den Bagger und das vorbeirasende Polizeiauto mit Tatütata hatten. Was für ein grandioser Start in den Tag!
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5 Kommentare zu “Ich mach‘ das selbst! hat das Trödeln abgelöst – aber ob wir damit wirklich schneller sind?

  1. Dein Beitrag ist so süß!!! Aber ich kann dich gut verstehen! Marian ist ja erst eins aber auch wir haben schon immer wieder solche Phasen! Wir haben ja mit Marian von Anfang an baby Led Weaning als Beikost gemacht und er konnte im Januar schon komplett alles alleine essen – mit der Hand eben! Er hat für alles einen Weg gefunden! Man durfte ihm auch nicht helfen und wehe man hat es dann doch versucht!
    Dann kam urplötzlich die Phase dass man ihn wieder füttern musste!!! Mit allem!!!!
    Und heute Abend quengelte er So lang bis er mit seinem Löffel selber die Erbsen aus der Schüssel Löffeln durfte! Und danach in den Mund führen! Was natürlich nicht so richtig klappt wenn man dabei den Löffel dreht…, ABER – anfassen oder gar helfen verboten!!!! Bloß nicht 😜
    Ist das Wohl der Start einer neuen Phase???
    Naja, Wir werden es sehen!!!
    Aber wie heißt das magische Mütter-Mantra So schön?
    —es ist alles nur eine Phase!!! 😁😁😁

    Glg deine mariansmama

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  2. Ich habe in der Mutter Kind Einrichtung immer panische Angst gehabt weil ich zu spät dort ankam aber meine Kleine wollte ja alles alleine machen, das dauert … mir wurde vorgeworfen unkooperativ und unzuverlässig zu sein. Zum Glück sind wir trotzdem irgendwann da raus gekommen und Leben wieder zu Hause. Das Zittern hat sich gelohnt! Fazit: Jugendamtskinder dürfen nur illegal alles selber machen 😀

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  3. Wer kennt das nicht? Die „Ich-kann-das-alleine-Phase“. Besonders wenn man es eilig hat und sich dann die „Ich-kann-das-alleine-Phase“ mit der „Trödel-Phase“ vermischt. Das zerrt echt gewaltig an den elterlichen Nerven.

    Erst vor kurzem gab es bei uns so eine Geschichte:
    Die Große musste in die Schule, die Kleine in den Kindergarten und es war schon richtig spät. Die Kleine, zurzeit mitten in diesen beiden berühmten Phasen, trödelte. Und weil wir es wirklich eilig hatten, saß sie dann im Pyjama im Auto (ihre Sachen hatte ich aber eh mit eingepackt). Es war ihr aber schließlich doch peinlich im Pyjama in den Kindergarten zu marschieren und so zog sich selbst blitzschnell im Auto an.

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