Autofahren mit Kindern: Wann sind wir endlich da, Mama?

Achja, das Autofahren mit Kindern. Ein Glück wohnen wir in der Stadt und machen während der Woche alles zu Fuß. Aber am Wochenende geht es dann raus. An den Strand. Ins Grüne. Oder zur Uroma, so wie vorgestern. Da sitzt man schon ein bisschen länger im Auto als bei einem Ausflug ins Grüne. Hat man endlich alles im Auto verstaut (da unsere Kinder gerne mal reisekrank werden, ist der Wäscheberg entsprechend hoch), geht es los. Nein, eigentlich beginnt der „Spaß“ schon vorher. Denn Autofahren mit Kindern ist alles – nur kein Spaß!

Schon beim Frühstück fragt der Große, noch ein wenig maulig, weil er wegen seiner Spuckneigung keine Milch trinken durfte, wie lange man denn zur Uroma mit dem Auto fährt. „Zweieinhalb Stunden“, sage ich. In einem – wie ich hoffe – munteren Ton, der ein „das geht ruckizucki“ impliziert. Die Auskunft reicht dem Herrn nicht. Er wollte alles wissen über die Autofahrt, die uns bevorstand.

„Stunden oder Sekunden?“

„Sekunden.“ Seufz.

„Wie lang sind zweieinhalb Stunden?“

„Lang genug, um ein kleines Nickerchen zu halten, dann vergeht die Zeit im Auto auch schneller.“

„Einmal bis zwei zählen?“

„Ein bisschen länger.“

Das Kind ist erstmal zufrieden und isst sein Brot.

Autofahren mit Kindern geht nur mit guter Vorbereitung

So sitzen wir dann also alle im Auto. Ich zwischen die Kindersitze auf die Rückbank gezwängt, leicht diagonal sitzend, weil meine Größe 34-Schultern leider sonst keinen Platz finden. Vor mir eine Kotztüte, ein bisschen Knäckebrot, die Trinkbecher, Feuchttücher, ein paar Windeln und eine Rolle Klopapier. Meine Füße sind im 90 Grad Winkel um den Beutel mit den Wechselklamotten gewickelt, unter meinem Po klemmt ein vergessenes Pixie-Buch und ein Stein vom Strand, was ich leider erst auf der Autobahn bemerke, wo ich nicht mehr hochkomme, um ihn wegzupulen, weil meine Schultern beim Autofahren mit Kindern ein geklemmt waren. Dazu gesellen sich auch schmerzhafte Steinchen am Allerwertesten. Achja, möge die Autofahrt beginnen!

Rapsfeld, Autofahren mit Kindern, Wann sind wir da

Jedes Rapsfeld wird lautstark begrüßt – und wir kommen an vielen Rapsfeldern vorbei.

Tipps für die Autofahrt mit Kindern: Bloß keine Langeweile aufkommen lassen!

Mein Mann schließt die Türen, lässt den Motor an, rollt aus unserer Straße heraus. Nach 500 Metern die erste Ampel.

Der Große: „Wann sind wir da, Mama?“

Mein Mann und ich blicken uns über den Rückspiegel an. Brechen in leicht hysterisches Gelächter aus.

„In zweieinhalb Stunden, mein Schatz.“

„Wie lang sind zweieinhalb Stunden?“

„Das geht ganz schnell. Aber es ist genug Zeit, nochmal zu schlafen.“

„Wie lange muss ich denn schlafen?“

Der Kleine zeigt derweil aufgeregt auf die Knäckebrotdose und krümelt ein bisschen seinen Sitz voll.

Autobahn. Freie Fahrt. Kein Stau in Sicht. Die Autofahrt zieht sich dennoch.

Der Große will nicht schlafen. Es gibt ja die Rapsfelder. Jedes Rapsfeld wird mit einem: „Ein Rapsfeld!“ begrüßt. Und wenn mein Mann und ich nicht sofort darauf reagieren, wird es in dreifacher Lautstärke wiederholt: „Ein Rapsfeld!“ Ich möchte hinzufügen, dass wir in Schleswig-Holstein wohnen. Raps ist unser Wald. Es gibt viel Raps. Sehr viel.

Wenn mein Großer gerade nicht fragt, wann wir da sind, begrüßt er die Rapsfelder oder fragt, wie man auf Englisch bis 1000 zählt: „Mama, zähl doch mal!“ – „Mama, ZÄHL doch mal!“ – „MAMA, du sollst zählen!“ Bis 1000. Jetzt. Und keine Zahl auslasen. So kan man sich auch die Zeit vertreiben. Wenn man auf Zahlen steht.

Tu ich nicht.

Der Mund steht eigentlich nicht still – macht er sowieso nie, im Auto fällt es nur ganz besonders auf. Man kommt ja nicht weg. Man ist gefangen in diesem Blechkäfig und man kann auch ganz schlecht sich ablenken lassen. Vor allem nicht, wenn das Kind neben einem sitzt und einem ins Ohr brüllt, wenn man nicht sofort reagiert.

Achja. Das Autofahren mit Kindern. Nicht mein größtes Hobby, schon erwähnt?!

Nach einer Weile sind alle Lieder gesungen, alle grünen Autos gezählt, die Kühe neben der Autobahn bewundert und ich bin heiser vom Fingerspielereimeaufsagen. Hat denn diese Autofahrt nie ein Ende???

Reisekrankheit: Gespuckt wird immer – geschlafen weniger

Nach einer Stunde spuckt der Kleine. Seit er ein Jahr alt ist, leidet er unter Reisekrankheit. Egal wie lang die Autofahrt mit  meinen Kindern ist, auf eins kann ich mich verlassen: Gekotzt wird immer.  Trotz meiner mittlerweile geschulten Reaktionszeit läuft die Hälfte der anverdauten Knäckebrotstückchen auf den Sitz und auf den Pulli. Umziehen lohnt sich nicht, beschließen wir und fahren weiter. Es könnte noch mehr kommen. Es wird wahrscheinlich noch mehr kommen auf dieser Autofahrt mit Kindern. Wir kennen das. Es ist nicht unsere erste Autofahrt mit Spuck-Kind. Mein Mann reicht auf routiniert eine Packung Taschentücher nach hinten. Durchs Auto zieht die uns schon bekannte Duftmarke. Man gewöhnt sich dran, gibt Schlimmeres. Nun verkündet auch der Große, dass ihm schlecht ist. Und außerdem will er Gummibärchen. Und außerdem: „Sind wir bald da?“

Der Kleine schläft. Der Große nicht. Er will wissen, wie lange die Fahrt noch dauert. Und übrigens: Ob wir bald da sind. Manchmal muss er auch ganz plötzlich auf Klo und zwar sowas von sofort, er kann auf keinen Fall länger und überhaupt: „Papa soll anhalten!“ Diesmal nicht. Aber zur Halbzeit gibt es ein Gummibärchen. Dass er lange in der Hand behält. Er will es erst essen, wenn wir da sind.

Habt Ihr schonmal ein Gummibärchen eine Stunde in der Hand gehalten? Es reicht schon eine Viertelstunde, um ein gutes Resultat zu bekommen.

Meinem Sohn fällt es dann aus der Hand und rutscht in den Kindersitz, gesellt sich zu den Knäckebrotkrümeln, Bananenresten und dem Sandkastensand. Das muss er wiederhaben, sofort. Nein kein anderes, das muss es sein. Gummibärchen rausgepopelt, ein bisschen drauf rumgepustet, wieder in die Hand. Essen? Nein, aufbewahren die ganze Autofahrt lang.

So kommen wir dann doch schließlich an. Der Kleine erwacht mit einem lauten Rülpser aber ohne Spucker kurz vorm Zielort. Der Große kann es kaum glauben und fragt noch auf dem Parkplatz, wann wir denn da sind und wie lange die Fahrt dauert und ob ich mal so weit zählen kann, wie wir noch fahren.

Ich habe leider vergessen, eine „Wann sind wir da?“-Strichliste zu führen, sonst hätte ich Euch diese Statistik an dieser Stelle gerne noch mitgeteilt. Der Vollständigkeit halber. Weil, Ihr wisst schon: Keine Autofahrt mit Kindern ohne die berühte „Wann sind wir da????“-Frage.

Tipps für lange Autofahrten mit Kindern – immer her damit!

Ich freue mich, wenn die Kinder ihre Reiseübelkeit überwunden haben und in Büchern blättern können oder sich mit den Kinder-Apps auf dem Handy zu beschäftigen (ist beides bei einer Tendenz zur Spuckerei leider nicht so empfehlenswert). Oder alt genug sind, ein paar lustige Filmchen (mit Kopfhörer, so dass mein Mann und ich davon verschont bleiben) zu schauen. Ein TV-System fürs Auto ist eine gute Anschaffung, wenn man länger mit Kindern Autofahren muss. Hörbücher gehen beim Großen, aber beim Kleinen noch nicht so richtig.

Achja, und wer mir jetzt vorschlägt, ich könnte doch den Kindern etwas vorlesen: Mir wird dann leider auch ganz furchtbar schlecht. Und eine Kotztüte für die Mama war leider nicht an Bord!

Aber, wenn Ihr Tipps habt, wie man so eine Autofahrt lustiger für die Kinder gestalten kann – im Sommer steht eine größe Fahrt in den Urlaub an! Bis dahin halten wir uns in Sachen Autofahren mit Kindern einfach ein bisschen zurück.

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14 Kommentare zu “Autofahren mit Kindern: Wann sind wir endlich da, Mama?

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