Trödeln, Trotzanfall, Tränen: Ein ganz normaler Morgen mit Dreijährigen

Es war mal wieder einer dieser Tage. Wecker klingelt. Das Baby trinkt noch. Seit einer Stunde schon. Der Dreijährige hingegen will noch gar nicht aufwachen und dreht sich noch mal um. Eine halbe Stunde später sind alle angezogen. Das Baby nach dem gewohnten Windel-Zweikampf, Papa und Mama haben es selbst hinbekommen. Nur der Große, der spielt noch Verstecken unter der Bettdecke. Dann will er die Treppe ins Esszimmer getragen werden. Schließlich wird sein kleiner Bruder ja auch getragen. Der ist, nur mal so zur Erinnerung, 10 Monate alt und kommt die Treppe zwar selbst hoch aber runter bisher nur im Sturzflug (haben wir aber noch nicht ausprobiert). Der Große ist drei Jahre alt. Und das ist das Problem.

3 Jahre! Das heißt: Mitten in der ersten Selbstfindungsphase, mitten im Trotzalter, mitten in der Welt der Tobsuchtsanfälle. Und mitten in der Entdeckung der Langsamkeit (es sei denn, es geht darum, vor Mama und der Zahnbürste wegzulaufen).

Mit drei Jahren mitten in der Autonomiephase

Ich habe ja schon ein paarmal über dieses vergnügliche Alter geschrieben (unter anderem über die Trödelei, der Frage nach den ständigen Rollenspielen und darüber wie liebenswert und anstregend sie sind). Und irgendwie war heute so ein Morgen, an dem alles zusammenkam. Trödeln, Aufstand, Trotzanfall. Ein Morgen, der so ganz und gar exemplarisch ist für das, was hier Tag für Tag bei uns so passiert. Und ich bin mir sicher – so ist es nicht nur bei uns!

Wir sind also endlich alle unten angekommen. Der Große durfte auch mal Baby sein und wurde runtergetragen. Er will sich erst nach dem Frühstück umziehen, das ist auch okay, denn dann kleckert er sich wenigstens nicht den frischen Pulli voll (mehr vom bodenlosen Wäschekorb findet Ihr hier). Aber anstatt sich an den Tisch zu setzen, muss er erst einmal seine Kuscheltiere neu drapieren. Dann entdeckt er noch ein Auto in der Ecke, was eingeparkt werden muss, stellt fest, dass er dringend noch ein Bild malen will, nein doch lieber tuschen und zwar sofort, aber bitte nicht mit dem kleinen Pinsel, er will den dicken Pinsel, nein, nicht den, sondern den anderen, aber nun ist das Blatt Papier eingeknickt, so kann er nicht malen. Und überhaupt!

Trotzanfall Nummer eins. (Ich habe es auch schon mit Härte probiert: Es wird gegessen und nicht gemalt. Bringt auch nix. Wenn man in Ruhe kurz die Zeitung lesen will, empfiehlt es sich, das Kind malen zu lassen.)

Uhhhh. Ein lautes Geheul. Hat er sich beruhigt, bekommt man ihn davon überzeugt, nun doch auch mal das Müsli zu probieren. Heute waren da aber komische rote Stückchen drin (Apfelschale), nein, das geht so nicht. Dass es gestern so noch ging – vergessen.Heute geht es nicht. Punkt.

Stressfalle mit Kindern: Jeden Morgen dasselbe

Papa darf zur Arbeit und verlässt im Laufschritt das Haus. Mir scheint, so etwas wie Erleichterung in seinem Gesicht zu sehen, als er die Tür hinter sich zuzieht. Aber Sohnemann lässt ihn so nicht einfach gehen! Ein Tschüss-Kuss reicht nicht! UHHHHH. Lauter  Sirenenton. Ich will Papa noch einen Kuss geben. UUUUUU- noch lauterer Sirenenton, ich will auch noch winken! Also Tür auf, Mann gerade noch so gestoppt, der kehrt um, Kuss, winken, Tschüss.

Nun also. Kalten Kaffe runterschlucken. Baby anziehen. Dem Großen noch mal sagen, dass ja im Kindergarten das Frühstück beginnt und alle auf ihn warten und man andere nicht warten lässt. Erkläre ich ihm ständig, ist ihm völlig egal.

Er will auf einmal doch ein Marmeladenbrot. Umziehen? Kann er nicht alleine. Hat er wohl verlernt, das passiert ihm ständig.

Also ziehe ich mich erst mal an. „Wir gehen dann schon mal los.“ UHHHH. Sirenenton ist wieder an! Er zieht sich immerhin den Schlafanzug selbst aus. Dann soll ich weitermachen. Mache ich auch, aber er muss zwischendurch immer noch mal etwas erledigen. Ball wegschießen, den Bruder umschubsen, was man halt so zu erledigen hat als Dreijähriger.

Zwischendrin zieht er sich die Socken wieder aus. Ich zieh sie wieder an. Er muss noch mal auf Klo. Er zieht sich die Schuhe falsch rum an. Ich ziehe sie richtig rum an. Er will den Knoten selbst machen. Es dauert ewig. Endlich sind wir vor der Tür. Da will er doch das Fahrrad nehmen. Setzt an zu einem lauten Sirenenton. Schnell Tür auf, Fahrrad aus dem Garten geholt, Helm auf – kann ich selbst! noch schnell im Keim erstickt, los geht es. Mit Fahrrad kommt man wenigstens schneller voran.

Kindergarten erreicht. Auf dem letzten Drücker. Natürlich. Sohn sogar wieder gut gelaunt. Will mich überraschen: „Ich ziehe mich selbst aus.“ Ich soll mich umdrehen. Ich tue das. Und höre nichts. Drehe mich um. Sohn sitzt da, Pulli auf dem Kopf, die Haare drin verfangen. Er sieht mich: „UUUUUUUU, ich wollte dich überraschen!“ Also: Umdrehen, nicht gucken. Es geht ein paarmal hin und her. Er schafft es vor lauter Eifer nicht, den Pulli auszuziehen und schließlich ist das Geschrei groß. Die Wut über sich selbst überkommt ihn.

Mein Sohn mutiert zum Wutzwerg. Rumpelstilzchen ist kann noch was von ihm lernen.

Ein Geheul, ein Geschrei, vor allen anderen. Am liebsten würde ich ihn einfach stehen lassen, sollen doch die Erzieherinnen jetzt das Erziehen übernehmen! Geht natürlich nicht. Lachen wäre auch eine Option, denn irgendwie ist er ja sehr süß in seiner hilflosen Wut. Geht auch nicht. Ich versuche es mit in den Arm nehmen. Geht kurz gut, er beruhigt sich, legt dann aber wieder los. Ignorieren. Hilft nur kurz. Irgendwann ist auch diese Wut verraucht und er geht spielen. Ein Glück verfliegt die Wut auch immer so schnell wie sie kam.

Was hilft gegen diese Trotzanfälle?

Puh. Eineinhalb Stunden und vier Trotzanfälle plus einige geschickt umschiffte. Wer kann das toppen?! Ich bin gespannt auf Eure Berichte.  Drei Jahre ist so ein schönes Alter – denn die lieben Kleinen lernen so viel und plappern so lustige Sachen. Wir haben viel Spaß und wenn ich abends mit ihm kuschel, dann nehme ich mir vor, am nächsten Tag mal gar nicht zu meckern. Und dann steht man auf und… alles geht von vorne los. Erziehen ist schon echt anstrengend manchmal. Nein, falsch. Nicht nur manchmal. Meistens. Dabei hatte ich mir mal vorgenommen: Ich werde nie eine Meckermami sein. Dieser Vorsatz lässt sich leider nur bedingt einhalten.

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20 Kommentare zu “Trödeln, Trotzanfall, Tränen: Ein ganz normaler Morgen mit Dreijährigen

  1. Danke! Es geht auch anderen so! Es ist jeden Tag das selbe Spiel! Und das Marmeladenbrot und die verkehrten Schuhe, das Bruder umschubsen und die Stiegen runter getragen werden, all das ist bei uns haar genau gleich! Ach ja. Schönes Alter! Und von Zeit zu Zeit sogar wirklich!

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  3. Pingback: Darf eine Mama auch mal sagen: Ich kann nicht mehr? Ja, sie darf! Wieso ich trotzdem nichts bereue – #regrettingmotherhood | Eine ganz normale Mama

  4. Ach, also ganz genau wie bei uns.
    Ich musste richtig lachen beim lesen (auch wenn ich es selber jeden Morgen nicht zum lachen finde 😉 )
    Was bin ich froh, dass es bei anderen genauso läuft.
    Danke für deinen Kommentar und diesen tollen Blogpost.
    LG Sarah

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