Mama geht arbeiten: Arbeiten in der in Elternzeit

Eigentlich bin ich ja noch in der Elternzeit. Aber wie ich bereits hier erwähnte (Arbeiten mit Baby und Kleinkind) habe ich in der ersten Hälfte der Elternzeit ein Buch geschrieben und nun für die zweite Hälfte der Elternzeit gleich den nächsten Auftrag angenommen. Damit mir nicht langweilig wird. Noch ein Buch also. Und ab und zu schreibe ich auch Artikel. Für die ich auch mal telefonieren muss. Nicht alles lässt sich per Einhand-Internet-Recherche beim Stillen erledigen.

Telefoninterview während das Baby gestillt wird und der Große den Tee umschmeißt

Normalerweise telefoniere und arbeite ich, wenn das Baby schläft und der Große bei der Tagesmutter ist. Doch Kinder sind ja auch mal krank. Das kommt natürlich immer unvorhergesehen. So letzte Woche. Telefoninterview war geplant. Donnerstag, 9 Uhr. Doch der Große musste zuhause bleiben. Da der Abgabetermin für meinen Artikel ansteht, konnte ich das Interview nicht verschieben. Ich also den Großen genau instruiert: Du musst ganz leise sein, bau doch ein bisschen Duplo, Mama muss mal telefonieren. Danach spielen wir zusammen.

Der Große nickt ernsthaft mit großen Augen. Kein Problem, Mama. Wieso auch, er kann ja sonst auch mal eine Viertelstunde lang alleine spielen!

Der Kleine lutschte glücklich an seinem Beißring, da ging keine Gefahr aus.

Ich ans Telefon. Mamastimme aus, Arbeitsstimme an. Gerade hinsetzen, Stift bereit, Block bereit. Den Interviewpartner, der ein Glück selbst Kinder hat, habe ich gleich zu Anfang vorgewarnt. Es könnte laut werden.

Ich hatte ja keine Ahnung, wie laut. Zunächst packte mir der Große „Geschenke“ ein. Bücher oder Kuscheltiere in Mulltücher. Die brachte er mir: „Mama, das musst du auspacken.“ Das konnte ich noch lautlos tun, breit grinsen dabei und mit der anderen Hand mitschreiben und zwischendrin kluge „Aha, ja, hm, m“-Geräusche von mir geben.

Als Mutter bräuchte man vier Hände – mindestens

Doch Geschenke einpacken ist ja langweilig so auf Dauer. Der Große musste nun unbedingt ins Esszimmer – eine Treppe runter – und dort sein Bobbycar ordentlich einparken. Das stand schief geparkt. Alleine konnte er da nicht hin.

Ich kann da nicht alleine hin! Du musst mitkommen.“

Es folgte ein Trotzanfall erster Güte. Theatralisches Geheul. Langgezogene Sirenentöne, die übergingen in ein lautes Geschrei.

Mama! Du! Musst! Mitkommen!“

Mein Gesprächspartner versuchte das Lachen zu unterdrücken. Meine professionelle Arbeitsstimme ging irgendwie abhanden.

Was soll ich sagen? Am Ende hatte ich dann doch noch meine Zitate für den Text zusammen, mein Sohn saß unten auf dem Bobbycar und ich mit dem ein Glück schnurlosen Telefon daneben, kritzelte auf dem Fußboden, während ich mit der anderen Hand das mittlerweile auch unzufriedene Baby kraulte.

Doch dieser Tag sollte noch weitergehen.

Am Nachmittag hatte ich ein Gespräch mit einem Geschäftsführer einer großen, namhaften Firma. Es ging um das nächste Buchprojekt, wo ich mir von ihm Rechercheunterstützung erhoffte. Nun galt es, im Kleiderschrank einigermaßen seriöse Kleidung zu finden, die ich, seiet mehr als einem halben Jahr in Elternzeit, lange nicht mehr anhatte.

Aufbrezeln in Elternzeit? Geht nicht ohne Babykotze am Revers

Irgendwo fand ich zwischen zerknitterten Blusen und fleckigen Kleidern etwas halbwegs Brauchbares. Zog es an, nahm das Baby auf den Arm, Baby kotzte, auf die Bluse, wohin denn sonst? Also umziehen. Schminken. Baby wollte Mascarabürste, bekam das Fläschchen irgendwie auf, schmierte sich schwarz an. Baby putzen. Mist, auch die eigenen Finger putzen.

Schuhe?! Oh je. Da liegen nur Sneakers. Wo sind die schicken Schuhe? Oh je. Zu klein, in der Schwangerschaft sind meine Füße auseinandergegangen! Das gibt es nicht. Andere Schuhe? Auf den einen war Babykotze, auf den anderen Dreck, weil mir der Kinderwagen drauf gerollt war.

Am Ende war ich tatsächlich gut angezogen, mit den einzigen halbwegs schicken Schuhen, den einzigen sauberen Klamotten.

Milcheinschuss im Meeting – hilfe, wo ist die Stilleinlage!?

Es klappte sogar mit der professionellen Arbeitsstimme und an meiner Hand klebte nur ein ganz klein bisschen Tusche aus dem Wasserfab-Kasten, wie ich später feststellte. Auch mein Notizblock hatte zwischen lauter moderne-Kunst-Werken meines Großen noch eine freie Seite. Nur den Kugelschreiber hatte ich vergessen, da ich meine Arbeitshandtasche dabei hatte, die ohne Windeln und Feuchttücher und Pixiebücher. Statt Kugelschreiber zog ich einen Beißring heraus, der sich irgendwie dann doch in meine Arbeitstasche verirrt hatte.

Was soll ich sagen? Der Termin war nett, bis auf, dass ich nach zwanzig Minuten tierischen MILCHEINSCHUSS hatte und betete, dass meine Stilleinlagen nicht verrutscht waren.

Hat alles geklappt. Als ich wieder nach Hause kam, kotzte das Baby auf die Bluse. Willkommen zuhause Mama!
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11 Kommentare zu “Mama geht arbeiten: Arbeiten in der in Elternzeit

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