Dreijährige: So liebenswert und so anstrengend

Manche sagen ja, es ist so eine Art erste Pubertät. Das vierte Lebensjahr. Wenn ich meinen Großen so anschaue (3 Jahre und 3 Monate alt), dann kann ich nur zustimmen. Ich will es mal so ausdrücken: Der Wutzwerg ist bei uns recht häufig zu Besuch!

Es ist so ein tolles Alter: Sie haben ihre Augen überall, freuen sich über Kleinigkeiten wie ein Löwenzahn im Kopfsteinpflaster, an denen wir achtlos vorbeigehen. Sie können sich alleine anziehen (theoretisch zumindest), sie können alleine auf Klo gehen und man muss keine Windelkartons mehr schleppen. Sie können mit Löffel und Gabel essen (auch das theoretisch zumindest) und aus ganz normalen Wasserflaschen trinken, so dass man diese Kinderbecher nicht mehr mit sich rumschleppen muss. Sie lachen viel, haben ihren eigenen Kinderhumor entwickelt, können auch schon mal alleine spielen und einen mitnehmen auf Entdeckungsreise in ihre kleine Welt, die für sie so groß und aufregend ist.

Dreijährige sind anstrengend – und einfach toll!

Und sie sind so süß, diese Dreijährigen! Sie sind richtige kleine Persönlichkeiten geworden, haben einen eigenen Charakter entwickelt. Sie können reden und man kann sich mit ihnen unterhalten.

Und damit fängt aber auch das Dilemma an.

Denn sie wollen eine eigene Persönlichkeit sein. Nur weiß diese eigene Persönlichkeit nicht immer, was sie eigentlich wirklich will. Oder wieso sie etwas nicht will.

Tatsache ist nur: ICH WILL! Oder wahlweise: ICH WILL ABER NICHT!

Dahinter kann man jetzt ganz beliebig setzen: … Schuhe anziehen. Schuhe ausziehen. In den Kindergarten. Aus dem Kindergarten zurück nach Hause. Zum Einkaufen. Aus dem Supermarkt wieder raus.

A propos Supermarkt: Hier gibt es viel, was man will. Mein Großer leitet das immer mit dem schönen, noch ganz harmlos klingenden Satz ein:

Ich wollte doch heute eigentlich noch…

Auch hier kann man diese optionalen Textbausteine setzen:

Schokoladenpudding essen, Eis essen, Gummibärchen kaufen. Das harmloseste ist, wenn er im März unbedingt Weintrauben essen will. Ich kaufe eigentlich keine Weintrauben, die einmal um die Erde geflogen werden, aber auf diesen Wunsch gehe ich gerne noch ein. Es gibt Schlimmeres.

Wutanfälle und Trotzphase: Große Herausforderungen

Wie zum Beispiel diese unglaublichen Wutanfälle, die diese kleinen süßen Kinder von null auf hundert entwickeln können. Gerade noch lustige Kinderscherze gemacht und so niedlich glucksend gelacht und schon verzieht sich das Gesicht, öffnet sich der Mund und Achtung! Die Heulboje legt los. Ein laaaanggezogener Heulton. UUUUUUUU. AAAAAAAA. Dann ein gejammertes „Ich will aber so gerne“. Kurzes Warten. Gucken zu Mama. Reagiert sie? Nein? Okay. Lautstärke steigern. Da geht noch was. UUUUUUUUAAAAAAA: „Ich wollte aber doch heute so gerne Schokopudding essen.“ Und was macht Mama? Sagt einfach „Ich esse auch gerne Schokoladenpudding, aber heute gibt es keinen.“ Frechheit! Also nochmal ein bisschen am Lautstärkeregler drehen. UUUUAAAA: „Ich will aber so gerne.“

Ich sage nur so viel: Er kann verdammt laut sein. Und es kann verdammt nerven. Ich habe aufgehört zu zählen, wie oft am Tag ich diesen Heulbojenton höre. Beim Schuhe anziehen. Beim Schuhe ausziehen. Beim Brot schmieren. Ach, es fängt schon beim Aufstehen an. Und endet, wenn es ins Bett geht (über DIESEN täglichen Spaß mehr in meinem Post hier).

Ja, ich weiß. Erste Abgrenzung von den Eltern. Entdeckung des eigenen Ichs. Des eigenen Willens. Wichtiger Schritt in die Selbständigkeit. Wäre schlimm, wenn diese Phase nicht da wäre.

Aber das ändert nichts daran, dass man manchmal einfach nicht mehr kann. Keine Lust mehr hat auf das ständige Theater. Sie sind so süß und so anstrengend! Wichtige Phase für die Entwicklung schön und gut. Aber muss sie so lang sein?! Kann das nicht an zwei, drei Tagen fertig entwickelt sein?!

Dreijährige testen Grenzen aus – immer. Ständig. Überall.

Ständig dieses Grenzenaustesten. Der Große hüpft auf dem Bett rum. Fröhlich, macht Faxen, wir haben Spaß. Sein kleiner Babybruder liegt in einer Ecke auf dem Bett, guckt zu, gluckst und findet das auch klasse. Doch von einer Minute auf die andere kippt der Spaß: Der Große hüpft mit einem frechen Grinsen zu seinem Bruder und lässt sich auf ihn plumpsen. Mit voller Absicht. AHHHHH!

Muss das denn sein?!

Ich will das nicht, ständig Nein sagen, schimpfen und ermahnen.

Manchmal denke ich abends: Jetzt habe ich wieder so furchtbar viel gemeckert heute. Ich bin doch die Art Mama geworden, die ich nie sein wollte. Wer will schon eine alte Keifschachtel sein?

Ich habe es auch mit Ignorieren probiert. Funktioniert nicht auch nicht.

Es ist nur eine Phase! Aber was für eine!

Es hilft wohl nix: Zähne zusammenbeißen. Durch diese Phase müssen wir Eltern durch. Man merkt sich ja selektiv das, was einem grad in den Plan passt. In meinem Fall ist das eine Studie, die besagte, dass Kinder mit heftigen Trotzanfällen intelligent sind. Das ist nun mein Mantra, wenn der Wutzwerg wieder zu Besuch ist und mein niedlicher Kleiner, der so lieb kuscheln kann und so witzige Dinge sagen kann, zu einem jaulenden, ja, ich nenne es jetzt mal Monsterchen, mutiert: Es ist eine Phase. Er ist ja nur so intelligent. Er bildet grad seine Persönlichkeit. Ganz wichtig. Ein großer Schritt in die Selbständigkeit. Es ist nur eine Phase. Ganz wichtig in der Entwicklung. Nur eine Phase, nur eine…. AHHHHH NUN REICHT ES ABER!

Was mich aufrecht hält, ist dass es allen Eltern von Dreijährigen so zu gehen scheint. Auch der abendliche Kampf ums Zu-Bett-Gehen scheint nicht nur in unserem Haus so ausgefochten zu werden. Tut es gut, zu wissen, dass man nicht alleine ist…

Und wenn er dann wieder seine dünnen Ärmchen um mich schlingt und sagt „Mama, ich hab dich lieb“, dann schmilzt einem das Herz. Sie sind ja so süß! Und weil sie oft schon so groß und vernünftig wirken, vergisst man oft, dass sie ja noch so kleine Kinder sind. Drei Jahre alt!

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6 Kommentare zu “Dreijährige: So liebenswert und so anstrengend

  1. Pingback: Trödeln, Trotzanfall, Tränen: Ein ganz normaler Morgen mit Dreijährigen | Eine ganz normale Mama

  2. Ich weiß jetzt nicht, ob ihr das schon ausprobiert habt, aber bei uns helfen Entscheidungen ganz gut. Den Tipp haben wir von unserer Erzieherin bekommen. So machen sie es bei uns im Kindergarten auch. Nachdem mein 5-jähriger da mal seine drolligen fünf Minuten hatte, weil er beim Fangen bereits raus war, hat die Erzieherin ihn an die Seite gestellt und ihm die Wahl gelassen. „Du kannst es dir jetzt aussuchen: entweder du schreist weiter und bleibst an der Seite, oder aber du hörst jetzt auf und darfst dann gleich in der nächsten Runde wieder mitspielen.“ Er hat noch ein wenig gemurrt, sich dann aber entschieden, dass er lieber mitspielen will. Und so machen wir das Zuhause auch. „Wenn du jetzt Zähne putzt und deinen Schlafanzug anziehst, dann kannst du gleich noch die Gute-Nacht-Geschichte hören. Wenn nicht, putze ich dir die Zähne und zieh dich um, und es geht direkt ins Bett.“ Bei uns funktioniert das wirklich gut. Natürlich gibt es immer noch Trotzanfälle, aber sie haben sich seither erheblich reduziert. Ein Rest bleibt einfach, weil es Situationen gibt, in denen man sie einfach nicht vor die Wahl stellen kann. In denen man sagen muss, wo’s jetzt lang geht, ohne dass sie eine Wahl haben. Und das werden sie mitunter eben nicht toll finden. 🙂 Aber im Großen und Ganzen ist es dadurch bei uns wesentlich ruhiger geworden, denn besonders mein 5-jähriger ist eine echte Granate, wenn es ums Unmut äußern geht. Da ist nicht nur Gebrüll, Getrampel und Geschrei angesagt, sondern auch mitten im Supermarkt den Schuh durch die Gegend kicken und solche Späßchen. Da war ich manchmal auch überfordert, weil ich das von dem Großen (8 Jahre) und dem Kleinen (fast 4 Jahre) gar nicht kannte, denn sie sind beide eher die Diven: ein bisschen Gejaule und dicke Krokodilstränen, kleine beleidigte Leberwürste eben. 😀 Aber der 5-jährige hat es in sich. Und mit dem Tipp sind zumindest wir gut klar gekommen. Und er eigentlich auch. Er brauchte einfach das Gefühl, eben mal entscheiden zu dürfen. Natürlich hab auch ich kein Patentrezept. Im Supermarkt beispielsweise hab ich sie dann abgelenkt, wenn das Thema „Ich will doch aber dieses…“ aufkam, und hab sie stattdessen gefragt, auf was sie denn zum Mittagessen Lust haben oder welches Obst sie denn heute essen wollen. Das klappte eigentlich auch immer ganz gut.

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  3. Pingback: Mutterliebe: Oh Baby, du wirst so schnell groß! | Eine ganz normale Mama

  4. Du könntest auch für mich geschrieben haben! Wir erleben das ganz Gleiche. Und unsere Große ist schon ein halbes Jahr älter…die Phase dauert echt zu lange. Bin auch für die 3-Tage-Phase 😉 LG Petra

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    • Das klappt komischerweise einigermaßen gut! Wieso, weiß ich auch nicht. Manchmal gibt es Gezappel, aber alles in allem ist das mal eine Sache, die meistens ohne Theater abläuft… eine der wenigen Sachen rund ums Zubettgehen!

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